Die Körperwelten bieten mehr als eine tierisch tote Muskelschau

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Ein Elefant ist die Hauptattraktion der Ausstellung „Körperwelten der Tiere“ im Blautal-Center
Ein Elefant ist die Hauptattraktion der Ausstellung „Körperwelten der Tiere“ im Blautal-Center (Foto: Alexander Kaya)
Oliver Helmstädter

Plastinierte Menschenleichen sind noch da. Aber in der Minderheit: Eine scheint auf ihren übermächtigen Verwandten, den Gorilla zu blicken. Auch der ist plastiniert und macht deutlich, wie körperlich schwach der Homo sapiens im Vergleich zu diesem Menschenaffen ist. „Ich möchte, dass sich die Besucher der Ausstellung der Komplexität des Lebens bewusst werden“, sagt Dr. Angelina Whalley, die Kuratorin der Ausstellung „Körperwelten der Tiere“, die seit Mittwoch im Blautal-Center zu sehen ist, bei der Eröffnung.

Der unbestrittene Höhepunkt: Samba, das größte Plastinat der Welt, ein asiatischer Elefant. Drei Millionen Euro, vier Tonnen Silikon, 40 000 Liter Azeton, 64 000 Arbeitsstunden und der Neubau einer riesigen Vakuumkammer mussten investiert werden, um die Körperflüssigkeiten von Samba auszutauschen. „Kein Tier wurde getötet, um es zu plastinieren“, betonte Whalley. Es handle sich bei den Kadavern um Spenden aus Tierparks. Vor ihrem Ableben beglückte etwa Samba Besucher des Zoos in Neunkirchen.

Körperwelten: Ulmerin spendet ihren Körper
"Am liebsten in Teilen" - so würde die Ulmerin Maria Hanel nach ihrem Tod gerne in der Körperwelten-Ausstellung präsentiert werden. Denn die 28-Jährige ist Körperspenderin.

Die Ausstellung auf der früheren Supermarkt-Fläche ist eine Reise durch das tierische Innenleben, die unverhüllt zeigt, was Tiere zum Leben und Atmen, Laufen und Schwimmen, Fliegen und Fühlen bringt. „Das ist schon sehr beeindruckend“, sagt Frauke Michel, Besucherin der ersten Stunde, die aus beruflichen Gründen hier ist. Die Tierärztin geht mit einer Gruppe angehender Tiermedizinischer Fachangestellter durchdie Ausstellung. Weit relevanter für den Beruf Tierarzthelfer als Samba ist der Hund am Eingang. „Das gelbe Zeug ist die Leber“, sagt sie zu ihren Schülerinnen. Und ganz schön können man auch sehen, wo man einem Hund am Sprunggelenk am besten Blut abnimmt.

Beeindruckt ist auch Stefanie Kießling, Leiterin des Tiergarten Ulms. „Live zu sehen, wie kompliziert Körper sind ist schon toll.“ Diese Komplexität lässt sich nicht nur an plastinierten Ganzkörperschaustücken betrachten. Einem Kaninchen wurde etwa das komplette Nervensystem entfernt, ein Pferdekopf mit betonten Blutbahnen ist zu sehen. Und die gewaltigen Verdauungsorgane des muskelbepackten 200 Kilogramm schweren Gorillas lassen erahnen, warum der Pflanzenfresser täglich 60 Pfund Grünzeug futtert. Neben Flachlandgorilla Artis, der lebendig mal Bewohner des Zoos in Hannover war und Elefant Samba, sind die „Stars“ ein Braunbär, Vogel Strauß, Haifisch, Kuh und eine Giraffe. Für diesen afrikanischen Wiederkäuer wird kein Eintritt fällig. Die Giraffe steht im Einkaufszentrum vor den Geschäften weil sie zu hoch für den Ausstellungsraum war.

30000 Besucher werden erwartet

95 000 Besucher zahlten Eintritt für die menschlichen Körperwelten. Mit ganz so vielen rechnet Whalley nicht. „Vielleicht 30 000“, sagt Whalley. Bei den Tieren gehe es weniger um die Selbstreflexion des Lebens. Vielmehr sei die aktuelle Schau ein Erlebnis für die ganze Familie. Tierfilme inklusive.

Wenn die Körperwelten der Tiere (Eintritt Erwachsene 15 Euro) am 22. September zu Ende gehen möchte Centermanager Guido Reuter am liebsten schon eine Nachfolgeausstellung präsentieren. Was, kann er noch nicht verraten. Doch grundsätzlich seien derartige Veranstaltungen ein gutes Beispiel dafür, wie Einkaufszentren auch in Zeiten des Onlinehandels ihre Besucherfrequenz steigern können. Allein im zentralen Essensbereich im Blautal-Center, der Speiserei, hätten die Körperwelten zu Umsatzsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich geführt.

Und auch der Einzelhandel profitiere eindeutig. Wie eine Zählung der Nummernschilder im Parkhaus ergeben hätte, seien Besucher aus dem Bereich Bodensee inklusive Schweiz und Österreich während der Körperwelten vermehrt ins Blautal-Center gekommen.

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Als Vorgeschmack auf die "Körperwelten"-Ausstellung im Ulmer Blautal-Center wurde ein Exponat auf dem Münsterplatz gezeigt. Wir wollten wissen, wie Ulmer Bürger zu dieser Ausstellung stehen.
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