Die drei ??? und ihr verrücktester Fall

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Drei etwas andere Fragezeichen: Das kleine Dickerchen Justus Jonas, der Streber Bob Andrews und die feige Hohlbirne Peter Shaw.
Drei etwas andere Fragezeichen: Das kleine Dickerchen Justus Jonas, der Streber Bob Andrews und die feige Hohlbirne Peter Shaw. (Foto: Andreas Brücken)
Schwäbische Zeitung
Marcus Golling

Erzfeind Skinny Norris, Inspektor Reynolds, Chauffeur Morton, Kunstdieb Victor Hugenay, Tante Mathilda. Sie sind alle dabei. Und natürlich Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews. Aber „Die drei ??? und das Gespensterschloss“ entpuppt sich beim Gastspiel des Vollplaybacktheaters, kurz VPT, im sehr gut besuchten Roxy als Sonderfall: Die Junior-Detektive aus Rocky Beach bekommen es bei ihren Ermittlungen auch mit unheimlichen Gegnern wie Freddy Kruger, DJ Bobo und sogar Donald Trump zu tun.

Die VPT aus Wuppertal, das auf der aktuellen Tournee sein 20-jähriges Bestehen feiert, hat quasi als Versehen 1997 etwas kreiert, was die sieben Ensemblemitglieder selbst als „vielleicht beste und tragfähigste Idee der hiesigen Popkultur“ bezeichnen. Was vielleicht ein bisschen übertrieben, aber nicht ganz falsch ist: Denn die Hallen sind voll, wenn das VPT mit einer neuen Produktion kommt, vor allem dann, wenn es sich um einen Fall für „Die drei ???“ handelt. Die Methode der schrägen Theatergruppe klingt zunächst absurd: Über Lautsprecher in der Halle hören die Besucher das Original-Hörspiel, die Akteure auf der Bühne bewegen dazu die Lippen, schauspielern oder kaspern sonstwie herum. Wobei die Helden selbst nicht im besten Licht erscheinen: Justus Jonas ist ein kleines Dickerchen, Peter Shaw eine feige Hohlbirne und Bob Andrews ein ziemlicher Streber.

Story tritt in Hintergrund

Die Story von „Die drei ??? und das Gespensterschloss“ ist einfach: Das Detektiv-Trio sucht im Auftrag von Regisseur Alfred Hitchcock nach einem Spukschloss, das als Location für einen Gruselfilm dienen könnte – was in Kalifornien eher schwierig ist. Aber Justus, Peter und Bob schaffen es natürlich. Sie finden ein leer stehendes Schloss, das dem verschollenen Stummfilm-Star Stephen Terrill gehörte. Dumm nur, dass sie beim Besuch des Gemäuers selbst die nackte Angst packt. Doch wie immer kommt Justus dem Geheimnis auf die Spur. Beim Hörspiel dauert das nur etwa 45 Minuten, beim VPT mehr als zwei Stunden. Und der eigentliche Fall wird fast zweitrangig. Denn schon beim Prolog werden Jonathan Rex, der Agent des verschwundenen Filmstars, und der finstere Rivale Skinny Norris zu Chemielehrer Walter und Crystal-Meth-Koch Jesse aus „Breaking Bad“. Das Gespensterschloss – es ist ein Rauschgiftlabor.

Was passt, denn das ganze Abenteuer hat etwas von einem Drogentrip. Nicht nur, dass gnadenlos Versatzstücke aus anderen Episoden der Hörspielserie zusammengeschnipselt werden, auf Stichwort bricht ständig Irrsinn aus. Da wird im Gruselschloss Michael Jacksons „Thriller“ getanzt, Benjamin Blümchen trompetet ein Jazzsolo auf seinem Rüssel und mit TKKG ist sogar die Konkurrenz im Spukgemäuer unterwegs – auf der Suche nach Rauschgift, „der schlimmsten Droge von allen“. Endgültig sinnbefreit wird es, wenn US-Präsident Trump mit Else Kling aus der „Lindenstraße“ und Klaus Kinski zu Boney M. herumhüpft. Das Einzige, was an diesem Abend nicht zündet, ist die nicht zusammengeklaute, sondern selbst gespielte Geschichte um das Scheitern der Filmkarriere von Stephen Terrill: Laientheater statt Zitat-Comedy.

Generation der Kassettenkinder

„Die drei ??? und das Gespensterschloss“ ist eine ziemlich trashige Nummernrevue, die vor allem die Populärkultur der 80er und 90er zu einer kreuzalbernen, aber sehr unterhaltsamen Mischung verwurstet. Es ist ein Abend für die Generation der Kassettenkinder. Ob das Vollplaybacktheater in Zukunft öfter nach Ulm kommt? Das jubelnde Publikum könnte dafür ein Indiz sein. Kombiniere: „Die drei ???“ haben einen neuen Fall.

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