Die Chippendales zerreißen Klamotten im Akkord

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Die Chippendales als Bauarbeiter – eine von vielen nicht besonders einfallsreichen Einlagen bei der Show im CCU.
Die Chippendales als Bauarbeiter – eine von vielen nicht besonders einfallsreichen Einlagen bei der Show im CCU. (Foto: Andreas Brücken)
Andreas Brücken

Die rund zweistündige Show der Chippendales ist eigentlich mit wenigen Zeilen erklärt: Gut gebaute Herren, acht an der Zahl, mit durchtrainierten Körpern reißen sich im Akkordtempo die Kleidung vom Leib. Dazu wummern die Beats, blitzen die Lichter und kreischen die weiblichen Zuschauer – immer und immer wieder.

Egal ob sich die Akteure als martialische Polizisten mit Handschellen, eleganten Marinesoldanten in Weiß oder collen Cowboys verkleiden: Am Ende jeder Show bleibt die pure Fleischbeschau der Las-Vegas-Striptruppe. Da darf auch der Latin-Lover-Hit „Despacito“ von Luis Fonsi nicht fehlen.

„Wir wollen, dass ihr euch heute Abend richtig gehen lässt, euren Job, eure Schule und eure Kinder zuhause vergesst!“, sagt der Moderator zu Beginn der Show und setzt unter dem tosenden Applaus der rund 850 Besucherinnen noch einen drauf: „Vergesst auch eure Männer und Freunde!“ Und nach wenigen Minuten werden auch schon die ersten Frauen auf die Bühne geholt.

Doch wer auf hemmungslose Orgien im CCU gehofft hatte, wurde enttäuscht. Selbst die auserwählten Damen, welche die fast nackten Tatsachen für einen Augenblick zum Greifen nah hatten, wurden nach pseudoerotischen Gefummele umgehend auf ihre Plätze zurück befördert.

Durch übertriebenen Einfallsreichtum glänzte die Show ohnehin nicht, wenn etwa vier Zuschauerinnen jeweils „ihren Chip“ im Wettlauf gegen ihre Mitbewerberinnen mit Kragen und Manschetten einkleiden sollten.

Doch das dürfte der einen oder anderen Kurzzeitstatistin gerade wieder recht gewesen sein. Denn meistens stellten sich die erhofften zügellosen Fantasien als Showeinlage zum fremdschämen heraus.

Fantasie brauchten die Besucherinnen letztlich, um sich die Darsteller in voller Entblößung vorzustellen. Gab es doch, außer einem nackten Po, keine skandalösen Enthüllungen zu sehen.

Zweifellos bleiben die Herren mit makellosen Sixpacks und perfekter Tanzchoreografie beneidenswert. Und wahrscheinlich wird sich kaum eine Zuschauerin einen geistigen Mehrwert von der Revue Show erwartet haben. Vielmehr besteht der eigentlich Unterhaltungswert des körperbetonten Männerballetts wohl darin, die Taburegeln einer prüden Sexualmoral zumindest für einen Abend zu brechen. Schließlich lautet das Motto der aktuellen Tour „About Last Night“. Dazu erklärt der Veranstalter: „Was bei den Chippendales passiert, bleibt bei den Chippendales!“

Ein gelungener Abend sei es auf jeden Fall gewesen, findet die 21-jährige Andrea, die mit ihren drei Freundinnen aus Burgau zur Show nach Ulm gekommen ist. Zweideutig erklärt sie augenzwinkernd: „Den Appetit kann man sich woanders holen – gegessen wird Zuhause.“

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