Deutschlands Karaoke-König kommt aus Blaustein

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Der Blausteiner Julian Volkmann hat den Sieg beim bundesweiten Karaoke-Wettbewerb „Euroke“ errungen. Dazu hat seiner Meinung nac
Der Blausteiner Julian Volkmann hat den Sieg beim bundesweiten Karaoke-Wettbewerb „Euroke“ errungen. Dazu hat seiner Meinung nach auch ein Überraschungseffekt beigetragen. (Foto: Dagmar Hub)
Schwäbische Zeitung
Dagmar Hub

Julian Volkmann kann seinen Erfolg noch nicht ganz fassen: Der 27-Jährige darf sich Deutschlands bester Karaoke-Sänger nennen. Dabei wollte der Blausteiner, Sänger der Band „Frame“, eigentlich gar nicht am internationalen Karaoke-Wettbewerb „Euroke“ teilnehmen. Der Sachbearbeiter bei einer Agentur im Ulmer Donautal hatte noch nie bei einem Karaoke-Wettbewerb mitgemacht. Aber weil er eine Freundin zum Casting nach Giengen fuhr, meldete er sich „aus einer Bierlaune heraus“ mit an - und fährt nun im Juli als Sieger des Deutschland-Entscheids nach Budapest, wo er Deutschland bei der Karaoke-Europameisterschaft vertritt. Den Pokal, den Volkmann noch immer ein bisschen ungläubig im Arm hält, nennt er „Stevie“.

„Nach Stevie Nicks“, erklärt Julian Volkmann strahlend. Er bewundert die Sängerin, die als Frontfrau von Fleetwood Mac in den frühen 70er weltberühmt wurde. Aus den späten 60ern und frühen 70ern stammen die meisten der Songs und Balladen, mit denen sich Julian Volkmann bei den Castings und bis hin zum Finale im bayerischen Brannenburg durchsetzen konnte. Wer Julian Volkmann mit seinen langen schwarzen Haaren und den Piercings begegnet, tippt auf den ersten Blick auf den eher härteren Musikgeschmack. „Das war vielleicht auch ein Teil des Erfolges“, gibt der junge Mann mit einem Augenzwinkern zu. Er habe nämlich tatsächlich einen sehr weit gefassten Musikgeschmack. „Das geht bei mir von Helene Fischer bis Rammstein.“

Entscheidend sei Volkmann einzig, dass Musik, Texte und Künstler authentisch sind, und dass ihn ein Song im Innersten erreicht. Als großer Fan des European Song Contests schwärmt Julian Volkmann aber gerade für Gruppen und Künstler, die diesen gewannen. Wie Abba zum Beispiel, oder Udo Jürgens. „Dass ich ihn nicht mehr live auf der Bühne erlebt habe, das bedaure ich sehr“, sagt Julian Volkmann. „Er war ein ganz Großer. Beim ersten Casting hab ich sein ‘Merci, Chérie’ gesungen, mit dem er 1966 den ESC gewonnen hat.“

Mit der Band „Frame“ schrieb Julian Volkmann 2015 den offiziellen Song zum Ulmer Einstein-Marathon, und beim Christopher Street-Day im August werden „Frame“ dessen neuen Motto-Song „Moment“ präsentieren. Songs nachsingen, wenn man selbst Musik macht? Wo liegt da der Reiz? „Der Euroke-Wettbewerb läuft auf einem derartig hohen Niveau, dass es praktisch keine Abgrenzung mehr gibt zwischen dem Singen eines eigenen Songs und dem Interpretieren eines Songs, der schon länger existiert, habe ich festgestellt“, sagt Julian Volkmann. „Man muss bei diesem Wettbewerb eigene Interpretationen bringen, um weiterzukommen. Einfach nur mit Spaß nachsingen, wie beim Karaoke in der Kneipe, wo Töne auch schief sein dürfen, das geht gar nicht.“ So war es Elton Johns eigentlich aus dem Jahr 1973 stammende und ursprünglich zur Erinnerung an Marilyn Monroe geschriebene Ballade „Candle in the Wind“ – allerdings in der Version für das Begräbnis von Diana, Princess of Wales von 1997 – mit der Julian Volkmann den Sieg errang. Und ins Finale hatte ihn Ralph Mc Tells „Streets of London“ gebracht. „Dieser Song begleitet mich, seit ich 15 war“, erzählt der Sänger. „Der Text hat etwas so Allgegenwärtiges. Poesie auf ganz hohem Niveau!“

Wie es weitergehen wird? Mit der Musik, und beim Europa-Contest in Budapest? „Man muss die Karten spielen, die man hat“, sagt Julian Volkmann. „Große Ziele setze ich mir nicht, weil es meistens ganz anders kommt, wenn man langfristig plant. Ich hab über die Musik so viele tolle Menschen kennen gelernt, gerade auch bei diesem Wettbewerb, und das ist wunderbar.“ Profi sei er keiner. „Ich bin einfach ich, und ich gehe da ganz unbedarft rein und hoffe, dass die Leute mich mögen.“ In Rollen verfallen, andere nachahmen – das will Julian Volkmann auf keinen Fall. Welche Songs er in Budapest singen wird? „So genau weiß ich das tatsächlich noch nicht. Ich muss erst einmal in mich reinhören.“

Michael Reimann will zur Karaoke-EM

Welche Nation die besten Amateur-Sänger hat, das zeigt sich bei der jährlichen Europameisterschaft im Karaoke-Singen. Im Moment werden die Sänger gecasted, die Deutschland bei der diesjährigen EM in Budapest vertreten sollen. LKW-Fahrer Michael Reimann hat sich als Kandidat beworben. Wir haben ihn beim Casting begleitet.

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