Der Klang Islands

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 Helgi Jonsson begeisterte im Ulmer zelt mit seinem Island-Pop. Die nordischen Klänge kamen gut an.
Helgi Jonsson begeisterte im Ulmer zelt mit seinem Island-Pop. Die nordischen Klänge kamen gut an. (Foto: Andreas Brücken)

Welch ein Kontrast im Ulmer Zelt. Die drückende Schwüle raubt einem zuweilen den Atem, aber dann kommt „Aurora“, das Nordlicht und kühlt das Gemüt. Es ist ein Song des isländischen Ausnahmemusikers und Komponisten Helgi Jonsson, der eine berührende Ode an den Himmel seiner Heimat schrieb und jetzt mit seiner Frau, der dänischen Sängerin und Bassistin Tina Dico vorstellte. Die geballte Ladung an Emotionen traf viele Besucher unvorbereitet und es flossen sogar vereinzelt Tränen der Rührung angesichts der atemberaubenden Atmosphäre, die sich im Ulmer Zelt ausbreitete.

Helgi Jonsson und Tina Dico sind so etwas wie das Vorzeigepaar der internationalen Singer/Songwriterszene. Gerne touren beide mit Kind und Kegel, Oma und Opa durch Europa und ließen sich letztes Jahr auch durch eine Operation am offenen Herzen von Helgi Jonsson nicht daran hindern, weiter zu machen. So wie jetzt in Ulm, wo sie gemeinsam mit dem Gitarristen und Keyboarder Dennis Ahlgren und der Schlagzeugerin Marianne Lewandowski ganz tief in die nordischen Klangwelten eindrangen. Der dänischen Musikerin ist diese mystische Art zu musizieren, noch mehr zur Inspiration geworden, seit dem sie mit ihrer Familie in Island wohlt die Weiten von Himmel, Meer und Landschaft hautnah spürt.

Von Beginn wird für den Zuhörer deutlich, woher der fantastische Posaunist seine Liederkunst bezieht: Aus der Klassik in ihrer gesamten Bandbreite von Alter bis Neuer Musik. Gerade zu vernarrt ist der Komponist in Stimmen und hat ein besonderes Faible fürs Falsett. Wenn seine Frau Tina Dico Marianne Lewandowsi in die Hochtöne von Helgi Jonsson einfallen, dann meint man die geistliche Musik eines Chores zu hören. Immer wieder testet der jazz- und klassisch geschulte Posaunist und Pianist die Hörgewohnheiten des Publikums, wenn ekstatischen Gitarrensoli seines Mitmusikers die Harmoniegefühle einreißen. Dass die Band auch stilvolle Cover drauf hat, demonstrierte sie mit „Kathy‘s Song“ von Paul Simon. Die Verzauberung ließ den ganzen Abend nicht nach, auch dann nicht, als Heli Jonsson das glückliche Publikum mit dem Titelsong seiner aktuellen EP „Vaengjatak“ entließ, das in seiner Heimatsprache Flügelschlag bedeutet. Omen est nomen.

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