Der Joker der Spatzen sticht

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Nicolas Jann hat gegen Astoria Walldorf sein erstes Ligator für den SSV Ulm 1846 Fußball erzielt. Es war ein wichtiges, denn es
Nicolas Jann hat gegen Astoria Walldorf sein erstes Ligator für den SSV Ulm 1846 Fußball erzielt. Es war ein wichtiges, denn es leitete den 1:0-Sieg der Ulmer gegen die Pfälzer ein. (Foto: Horst Hörger)

SSV Ulm 1846 – Astoria Walldorf 1:0 (0:0). Ulm: Ortag - Krebs, Bradara, Schmidts, Reichert - Campagna, Morina, Viventi (61. Beck), Gutjahr (71. Jann) - Lux (83. Rathgeber), Kienle.

Wenn Fußballtrainer nach einem Spiel die Leistung ihres Team bewerten sollen, ist es erstaunlich, wie oft die Meinungen auseinandergehen. So war es auch am Samstag. Kurz zuvor hatte der FC Astoria Walldorf von Trainer Matthias Born im Ulmer Donaustadion mit 0:1 (0:0) gegen den SSV Ulm 1846 Fußball verloren, dann sagte Born: „Ich denke, es war sowohl in der ersten als auch in der zweiten Halbzeit ein Spiel auf Augenhöhe.“ Spatzen-Trainer Holger Bachthaler entgegnete: „Ich habe das Spiel ein Stück weit anders gesehen.“ Gemessen am Spielverlauf war die Analyse des Ulmer Trainers treffender als die von Born. Womit der Gäste-Coach recht hatte: Die beste Chance der ersten Halbzeit gehörte dem FCA.

Es lief die 41. Minute, als die Gäste die Spatzen-Defensive mit einem Pass überrumpelten und Nicolai Groß allein vor Ulms Torwart Christian Ortag auftauchte, der den Schuss von Groß glänzend parierte. In der Anfangsphase aber hätten die Ulmer in Führung gehen können. Mit dem Druck des SSV zu Beginn kamen die Gäste aus der Kurpfalz nur schwer zurecht. Vitalij Lux hatte früh zwei Chancen und im Verlauf der ersten Halbzeit gab es noch die eine oder andere weitere Möglichkeit. Im Spielaufbau haperte es aber häufig an der Konsequenz im Angriffsdrittel. Die letzten Pässe kamen nicht an und zu oft verpassten Ulmer Spieler den richtigen Moment, um abzuspielen. Das bemängelte auch Bachthaler. Er vermisse die „klaren Aktionen“ vor dem gegnerischen Tor, sagte er. „Das geht uns momentan etwas ab und deswegen schießen wir zu wenig Tore.“

Auch die zweite Hälfte machte keinen Unterschied. Zwar legte der SSV zu Beginn los wie am Anfang des Spiels, hatte Chancen durch Florian Krebs oder Ardian Morina. Doch weil sich die Spatzen immer noch teils ungeschickt anstellten, blieb es beim 0:0. Das schien sich in der 64. Minute zu ändern. Steffen Kienle war im FCA-Strafraum gefoult worden und Johannes Reichert trat vom Elfmeterpunkt gegen Torwart Jürgen Rennar an. Die Chance zur überfälligen Führung seines SSV nutzte Reichert aber nicht, Rennar hielt den Strafstoß. Das war aber ohnehin eher zum Statisten geworden. Defensive statt Offensive schien die Taktik zu sein und ein ums andere Mal rannten sich die nun klar dominierenden Ulmer an der Walldorfer Verteidigung fest. Wenn Ulm trotzdem durchkam, wurde es schnell gefährlich. So hatte Morina in der 75. Minute eine riesige Chance, doch sein Schuss geriet zu stark und zu hoch.

Das von den fast 1600 Zuschauern ersehnte Tor fiel erst in der 83. Minute. Es war eine Koproduktion der eingewechselten Thomas Rathgeber und Nicolas Jann. Für Jann war es der erste Treffer in seinem ersten Regionalliga-Einsatz für Ulm. Im WFV-Pokal hatte er bereits getroffen. Seinen Treffer feierte er mit einem Salto. Der Vorlagengeber Thomas Rathgeber, der dem Spiel des SSV guttat, hatte sogar noch eine gute Möglichkeit per Kopf in der 89. Minute, scheiterte aber an Torwart Rennar. Kurz vor Schluss erwachten die Walldorfer allerdings aus ihrer Lethargie und hatten eine große Gelegenheit. Bei einem Konter legte Christoph Batke den Ball am herauslaufenden Christian Ortag vorbei und kam nach einer Berührung mit dem SSV-Schlussmann zu Fall. Doch der Pfiff des Schiedsrichters blieb aus.

„Wir haben das Spiel dominiert, dafür spricht auch eine Torschuss-Statistik von 25:4 für uns“, sagte Ulms Trainer Bachthaler. „Letztlich haben wir es uns selbst zuzuschreiben, dass es so lange 0:0 stand.“

SSV Ulm 1846 – Astoria Walldorf 1:0 (0:0). Ulm: Ortag - Krebs, Bradara, Schmidts, Reichert - Campagna, Morina, Viventi (61. Beck), Gutjahr (71. Jann) - Lux (83. Rathgeber), Kienle.

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