Der Abschied fällt dem General schwer

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Generalleutnant Richard Roßmanith, seit 2012 Befehlshaber des Multinationalen Kommandos Operative Führung in Ulm, wird an diesem
Generalleutnant Richard Roßmanith, seit 2012 Befehlshaber des Multinationalen Kommandos Operative Führung in Ulm, wird an diesem Mittwoch nach 44 Jahren Dienstzeit in den Ruhestand verabschiedet. Die Nachfolge übernimmt Generalleutnant Jürgen Knappe (Foto: Ludger Möllers)
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

Wenn das Ulmer Multinationale Kommando Operative Führung im Mai den letzten Schritt zum großen Ziel macht, ist Generalleutnant Richard Roßmanith nicht mehr dabei. Der langjährige Befehlshaber des Kommandos geht heute in den Ruhestand. Am Nachmittag übergibt er den Stab an seinen Nachfolger, Generalleutnant Jürgen Knappe, anschließend wird der 62-Jährige mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet.

Das Ulmer Kommando hat in den vergangenen Jahren intensiv auf die Nato-Zertifizierung hingearbeitet. Dieser „Nato-TÜV“ bescheinigt dem Kommando, dass es Einsätze auf Bündnisebene planen, koordinieren und führen kann – Einsätze, an denen mehrere Länder teilnehmen und an denen Heer, Luftwaffe und Marine beteiligt sein können. Für die Zertifizierung fehlt noch ein letzter Schritt. Die Ulmer müssen sich im Mai bei einer Übung im norwegischen Stavanger beweisen.

Nachfolger seit 14 Tagen in Ulm

Dann steht Jürgen Knappe an der Spitze des Kommandos. Der „Neue“ ist seit 14 Tagen in Ulm, um sich einarbeiten zu lassen – ungewöhnlich lange für einen Offizier seines Dienstgrads. Wegen der Planung für den „Nato-TÜV“ kam er früher als üblich an die Donau.

Roßmanith hat vor seiner Berufung nach Ulm fast zweieinhalb Jahre in Auslandseinsätzen verbracht, sechseinhalb Jahre lang war er für die Nato tätig: ideale Voraussetzungen für die Verwendung an der Spitze des international aufgestellten Ulmer Kommandos. Der scheidende Befehlshaber wäre gerne noch etwas länger in Ulm geblieben. Ob bis zur erfolgreichen Zertifizierung, das will er sich nicht entlocken lassen. Er sagt: „Die Friedhöfe dieser Welt sind voll von Leuten, die sich für unverzichtbar halten. Der Wechsel gehört in meinem Beruf eben dazu.“ Im Geist werde er bei seinen Kameraden in Stavanger und Ulm sein, wenn die entscheidende Übung läuft.

„In Ulm ist vieles zusammengekommen, was mir wichtig ist“, sagt er. Dass er fünf Jahre lang dort stationiert sein würde, hatte der General zwar gehofft, anfangs aber nicht vermutet. Das militärische Aufgabenfeld betrachtet der Soldat als Karriere-Höhepunkt.

Und: Hier habe er Teil der Stadtgesellschaft werden können. Roßmanith war als Soldat präsent in Ulm, das hielt er für „erforderlich“, wie er selbst sagt. So präsent, dass er am Samstagvormittag auf dem Weg zum Bäcker von Passanten erkannt und gegrüßt wurde. Und der passionierte Skifahrer hat sich an der Donau heimisch gefühlt: „Ich habe mich Ulm in besonderer Weise verbunden gefühlt. Das war bisher an keinem Standort so.“

Jetzt tritt Roßmanith in den Ruhestand, nach mehr als 44 Jahren als Soldat. Der Offizier will mit seiner Frau in das gemeinsame Haus in Ostwestfalen zurückkehren. Er gehe mit gemischten Gefühlen, betont er: „Es ist kein Beruf wie jeder andere.“ Auf das, was nun folge, sei er gespannt. „Weitestgehend über sich selbst zu bestimmen, was man tut und was nicht, das ist eine neue Erfahrung.“

Der Pensionär wird sich im Ruhestand als Mentor an der Führungsakademie der Bundeswehr engagieren. Über andere ehrenamtliche Tätigkeiten denke er nach. Vor allem will sich Roßmanith seiner Familie widmen. „Wenn etwas zu kurz gekommen ist, dann die Familie“, sagt der zweifache Vater.

An der Einheit mitgewirkt

Der scheidende General hat Enkel, die in Leipzig zur Welt gekommen sind. Für den 62-Jährigen ein Zeichen für das, was ihm in seiner Karriere am wichtigsten war: die deutsche Einheit. „Das war für mich so weit weg wie der Mond“, erinnert er sich, wenn er an die DDR denkt. Roßmanith ist stolz, an der Einheit beteiligt gewesen zu sein. Er übernahm vor dem 3. Oktober 1990 einen Teilbereich der Nationalen Volksarmee. „Ich hatte das Glück, eine kleine Rolle dabei persönlich spielen zu dürfen“, sagt er.

Doch auch traurige Erinnerungen bleiben: Zu den unvermeidlichen Schattenseiten gehöre es, am Sarg eines gefallenen Soldaten zu stehen. Von den mehr als 200 Ulmern, die Roßmanith in den Einsatz schickte, seien glücklicherweise alle unversehrt zurückgekehrt.

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