Das sind die größten Herausforderungen des Suchttherapiezentrums Ulm

Lesedauer: 3 Min
 Kunsttherapeuten erzählten beim Tag der offenen Tür beim Suchttherapiezentrum Ulm am Samstag von ihrer Arbeit.
Kunsttherapeuten erzählten beim Tag der offenen Tür beim Suchttherapiezentrum Ulm am Samstag von ihrer Arbeit. (Foto: Dagmar Hub)
Schwäbische Zeitung

Mit einem Tag der offenen Tür hat das Suchttherapiezentrum Ulm am Samstag sein zehnjähriges Bestehen gefeiert.

Die Einrichtungen von drei Trägern beraten und betreuen im Haus in der Wilhelmstraße 22 Suchtkranke und ihre Angehörigen unter einem Dach: die Tagesrehabilitation Ulm der Zieglerschen Suchthilfe, die Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle der Caritas und Diakonie sowie die Tagesklinik, die Psychiatrische Institutsambulanz und das Ambulant Betreute Wohnen für Suchtkranke des ZfP Südwürttemberg. Am Nachmittag sang und erzählte der Ulmer Liedermacher Walter Spira, seit über 30 Jahren trockener Alkoholiker.

Sehr unterschiedlich sind die Probleme der Menschen, die ins Suchttherapiezentrum kommen, berichtete Barbara Gerstenmaier, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Sie leitet die Ambulanz in der Zieglerschen Suchthilfe im Haus. Beim einen steht die Frage im Raum: „Bin ich abhängig oder nicht?“, ein anderer weiß um seine Abhängigkeit, die erst seit kurzer Zeit besteht, und möchte dauerhaft und stabil vom Suchtmittel wegkommen, und bei einem Dritten wiederum, der seit langer Zeit abhängig ist, geht es um den Umgang mit der Abhängigkeit. Immer aber ist sei wichtig, dass die Menschen erleben, welche Ressourcen sie selbst haben, und dass sie Eigenverantwortung für ihr Leben übernehmen können.

Suchtmittel gibt es viele, darunter vor allem Glücksspiel und Drogen, Alkohol, Medikamente und Tabak. Oft kommen zur Suchtmittel-Abhängigkeit körperliche Folgeerkrankungen oder psychiatrische Diagnosen hinzu. In der Tagesrehabilitation der Zieglerschen Suchthilfe gibt es deshalb ambulante Reha-Maßnahmen für Menschen, die sich entschlossen haben, langfristig von ihrer Sucht loszukommen und die eine intensive Entwöhnung brauchen, die dafür aber in ihrem sozialen Umfeld bleiben möchten.

Zur Therapie gehören auch ein Haushaltstraining und Kunsttherapie wie beispielsweise das Korbflechten, das beim Tag der offenen Tür Kunsttherapeut Karsten Kretschmer und Jens Krijger erklärten. Aber auch Genusstraining und Rückfallprävention spielen eine Rolle.

Markus Piott-Grimm, Leiter der Suchthilfe der Caritas, berichtete von der Gründung der Suchthilfe als „Katholische Suchtkrankenfürsorge“ im Jahr 1968. Zwei Seiten umfasste der Jahresbericht damals, und die Ausgaben beliefen sich im ersten Jahr auf 864 Mark. Damit könnte die Suchtberatung heute nicht einmal einen einzigen Tag bestreiten.

Meist gelesen in der Umgebung
Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen