Das ist geboten beim Ulmer Weihnachtsmarkt in diesem Jahr

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Der Mittelpunkt der Stadt in der Vorweihnachtszeit ist der Ulmer Weihnachtsmarkt, der alljährlich Gäste aus dem gesamten süd- un
Der Mittelpunkt der Stadt in der Vorweihnachtszeit ist der Ulmer Weihnachtsmarkt, der alljährlich Gäste aus dem gesamten süd- und mitteldeutschen Raum, der Schweiz, Österreich und Italien anzieht. (Foto: Helmstädter)
Oliver Helmstädter

Der Märchenwald auf dem Ulmer Weihnachtsmarkt wird zur Sportzone: Wenn am Montag, 25. November, die 150 Buden rund um den höchsten Kirchturm der Welt eröffnen, wartet auf dem südlichen Münsterplatz eine Eisstockbahn auf die Besucher. Wie Jürgen Eilts, der Geschäftsführer der veranstaltenden Ulmer Messegesellschaft, sagte, sei es Zeit für eine Neuerung gewesen. Die seit Jahren dort ihre Runden drehende Modelleisenbahn sei in die Jahre gekommen und musste deshalb einer geselligeren Alternative weichen.

Auf niedrige Temperaturen oder energiefressende Kühlung ist die Anlage nicht angewiesen: Die Ulmer Messe setzt auf synthetisches, hochgradig gleitfähiges Eis einer in der Schweiz ansässigen Spezialfirma, die nach eigenen Angaben Weltmarktführer in dem Bereich ist.

Alte Dampflok fährt um Curling-Anlage.

Die Spielgeräte der in Alpenländern beliebten Sportart können vor Ort gegen Gebühr ausgeliehen werden. Sollte sich das „Glice“, wie der Anbieter sein Kunsteis nennt, durchsetzen, hält es Eilts für nicht ausgeschlossen, im kommenden Jahr vielleicht eine kleine Eislaufanlage aufzubauen.

Wie in den vergangenen vier Jahren auch, wird das „Münsterplätzle“ am südlichen Münsterplatz „bespielt“. Und es geht noch gastronomischer zu.

Der Wilde Jagr zog mit seinen Wild-Spezialitäten und Glühwein dorthin um und befindet sich beim Rosebottel in bester (Feier-) Gesellschaft. Wie Eilts sagt, wird voraussichtlich im kommenden Jahr der Münsterbauzaun verschwinden, denn werde das Gebiet neu sortiert. Aber nicht ausgeweitet: „Die Größe des Weihnachtsmarkts ist ausgereizt.“

Die Freunde von Modelleisenbahnen müssen nicht gänzlich auf Eisenbahnen verzichten: Die gute alte Dampflok befördert nach wie vor ihre Fahrgäste – und fährt rund um die Curling-Anlage.

Noch liegt die neue Eisstockbahn unter einer Plane im Märchenwald verborgen. Ab Montag, 25. November, bis Sonntag, 22. Dezember,
Noch liegt die neue Eisstockbahn unter einer Plane im Märchenwald verborgen. Ab Montag, 25. November, bis Sonntag, 22. Dezember, kann hier am südlichen Münsterplatz Curling gespielt werden. (Foto: Helmstädter)

Die Ulmer Messe rechnet wie in den Jahren zuvor mit rund einer Million Besucher, die sich an den 28 Tagen bis zum 4. Advent auf dem Weihnachtsmarkt tummeln. Eine Fragezeichen bleibt allerdings, was die Auswirkungen des Anschluss des Ulmer Hauptbahnhofs an die Neubaustrecke gen Stuttgart sind.

Vom Sonntag, 24. November, bis Freitag, 15. Dezember, halten in Ulm keine Fernverkehrszüge mehr. „Wir müssen abwarten, ob sich das auswirkt“, sagt Ulms OB Gunter Czisch. Das Haupteinzugsgebiet sei schließlich ein Umkreis von 50 Kilometern. Und auf Regionalzüge habe die Sperre keine Auswirkungen.

„Wenn überhaupt“, so Czisch, blieben etwa Besucher aus der Schweiz weg. Denn für die Eidgenossen ist der Ulmer Weihnachtsmarkt der nächste. Allerdings kämen auch viele mit dem Bus oder im Privatwagen.

Was das Dauerthema Parkplatznot angeht, gibt sich Czisch gelassen: Der kostenlose Nahverkehr an Samstagen sei „unglaublich erfolgreich“. Für das Fahrgastplus von rund 45 Prozent an Samstagen würden vor allem Ulmer und Neu-Ulmer sorgen.

Und die Auswärtigen, die mit dem Privatwagen kommen, würden in der Folge deutlich mehr freie Parkplätze vorfinden.

Für uns wird ein Traum wahr. Maximilian Herzog

Auf Gäste aus Ulm und von außerhalb setzt auch die Landkäserei Herzog aus Roggenburg, der unter den den 14 neuen Ständen, jener, der wohl als erstes ins Auge fällt.

Denn die Roggenburger verkaufen Käse und Co. an jenem Fleckchen vor dem Ex-Abt, an dem über Jahre hinweg Erdapfel Naturkost verkaufte. Doch die Betreiber zogen sich aus persönlichen Gründen zurück, sodass die Herzogs zum Zuge kamen.

„Für uns wird ein Traum wahr“, sagt Maximilian Herzog, der zusammen mit seinem Bruder den Familienbetrieb führt. Sechs Jahre am Stück habe sich die Käserei beworben – bisher immer erfolglos. Wie Veranstalter Eilts erklärt, werde peinlich genau auf einen Branchenmix geachtet, es soll schließlich nicht überall nur Bratwurst und Glühwein geben.

Durch das Aus für Erdapfel. war der Weg frei. Neben Käse, Butter und sonstigen hausgemachten Spezialitäten, gibt es bei den Herzogs auch den „Ländles Döner“ –Ochs- und Schweinebraten mit Kässpatzen im Laugenfladenbrot.

Ansonsten setzt der Weihnachtsmarkt auf Bewährtes, wie die Feuerwurst, den erklärten Liebling von OB Czisch („Damit fängt für mich am Montag die Weihnachtszeit an“) oder auch den inzwischen etablierten Veganer mit seinem rein pflanzlichen Burrito.

Neu ist auch, dass die Glühweinliebhaber etwas tiefer in die Tasche greifen müssen: Drei Euro statt 2,80 kostet das Basisprodukt.

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