Darum ist die Ulmer Hotelbranche unter Druck

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 Die Zahl der Hotelbetten in Ulm und Neu-Ulm wächst.
Die Zahl der Hotelbetten in Ulm und Neu-Ulm wächst. (Foto: Kaya)
Michael Ruddigkeit

Die Hotelbranche in der Doppelstadt boomt – doch allmählich ist der Markt gesättigt. Denn die Zahl der Betten ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Und dieser Trend hält mindestens noch bis nächstes Jahr an. Das berichtete Wolfgang Dieterich, der Geschäftsführer der Ulm/Neu-Ulm Touristik (UNT), im Neu-Ulmer Ausschuss für Finanzen, Inneres und Bürgerdienste.

Derzeit gibt es in Ulm und Neu-Ulm etwa 5500 Hotelbetten. Im nächsten Jahr kommen laut Dieterich gut 1000 dazu. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es insgesamt noch etwa 3500. Diesen Zuwachs „sehen wir nicht nur mit Freude“, sagte der UNT-Chef. Die Auslastung sei bereits 2018 erstmals seit Jahren zurückgegangen. Vor allem am Wochenende blieben oft Betten leer. „Wir merken einen wachsenden Preisdruck“, sagte Dieterich. Hotelketten drängten zunehmend auf den Markt, was alteingesessene Betriebe zu spüren bekämen. Die Folge sei eine wachsende Konzentration, zumal die gesamte Branche Probleme habe, genügend Mitarbeiter zu finden: „Die werben sich gegenseitig das Personal ab.“ Dieterich glaubt, dass der eine oder andere Beherbergungsbetrieb dem zunehmenden Druck nicht standhalten kann und aufgeben wird. Auch für die Übernachtungsgäste ist der zunehmende Konkurrenzkampf nicht nur positiv. Denn bei den Zimmern gebe es „riesige Preissprünge“, so Dieterich.

Der Geschäftsführer der UNT hatte im Ausschuss aber auch sehr Erfreuliches zu berichten. „2019 haben wir bisher enorme Zuwachsraten bei den Übernachtungszahlen.“ Vor allem bei Besuchern aus dem Ausland sind Ulm und Neu-Ulm zunehmend gefragt. Bei den Gästen aus der Schweiz verzeichnet die UNT ein Plus von 20 Prozent. Das freut nicht nur die Hotelbetreiber, sondern auch den Einzelhandel, denn die Eidgenossen gelten als „sehr umsatzstarke Gäste“, wie Dieterich erläuterte. Zweistellige Zuwachsraten gibt es auch bei den Gästen aus Italien und Frankreich. Insgesamt beträgt der Anteil der ausländischen Besucher an der Gesamtzahl der Übernachtungsgäste 28 Prozent.

Für das kommende Jahr hat sich die UNT unter anderem das Projekt „Tourismus für alle“ vorgenommen. Dabei geht es um barrierefreies Reisen. „Da wollen wir uns stärker profilieren“, sagte Wolfgang Dieterich. Auch der vor zwei Jahren unter dem Label „Zweilandstadt“ gegründete Tourismusfonds soll ausgebaut werden. Unter anderem solle der Verein „Wir in Neu-Ulm“ (Win) beitreten.

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