Bilanz am Ulmer Theater: „Terror“ war beliebtestes Schauspiel

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„Terror“, das Schauspiel von Ferdinand von Schirach, zog die meisten Besucher an.
„Terror“, das Schauspiel von Ferdinand von Schirach, zog die meisten Besucher an. (Foto: Kerstin Schomburg)
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Die erste Spielzeit des Ulmer Intendanten Kay Metzger war erfolgreich: Die Gesamtzahl der Theaterbesucher übertraf mit 190 657 die letzten beiden Spielzeiten von Andreas von Studnitz deutlich.

Dass Ulmer Gemeinderäte die Open Air-Aufführungen auf der Wilhelmsburg gern als jährliches Event statt – wie bislang – im zweijährigen Turnus sehen würden, empfindet Metzger als positives Zeichen. Dennoch: So einfach wird das mit einer Inszenierung auf der Wilhelmsburg jeden Sommer nicht. Dazu brauche es entsprechende personelle Ausstattung und im Grunde auch eine dauerhafte Tribüne. 2018/19 war ein Wilhelmsburg-Jahr – allein über 27.000 Zuschauer sahen „Evita“.

Das Große Haus bleibt Kern des Theaters. Hier liegen die Besucherzahlen deutlich höher als in den beiden Vorjahren, aber immer noch unter denen der Spielzeit 2015/16. Die Tendenz, dass das Theater bei Musiktheater- und Musicalaufführungen generell besser ausgelastet ist als bei solchen von Schauspiel und Operette, hält an, wobei sich das von Christian von Götz inszenierte Musical „My Fair Lady“ und die Donizetti-Oper „Lucia di Lammermoor“ (mit Maryna Zubko in der Titelrolle) mit über 95 Prozent respektive gut 83 Prozent Auslastung als Publikumsrenner der Spielzeit erwiesen.

Absoluter Gegenpol: Georg Kaisers expressionistisches Bühnenstück „Von morgens bis mitternachts“ brachte eine Auslastung des Hauses von weniger als 40 Prozent. Das beliebteste Schauspiel der Saison war Ferdinand von Schirachs „Terror“, bei dem die Zuschauer selbst das Urteil über das Handeln des Piloten eines von Terroristen entführten Flugzeuges fällen sollten.

Im Podium fanden Reiner Feistels Tanztheater „Der kleine Prinz“ und das Kammerspiel „Zeit der Kannibalen“ am meisten Zuspruch, das Bürgerbühnen-Stück „Arizona Lady“ kam sogar auf 100-prozentige Auslastung. Auffällig ist eine Entwicklung im CCU: Die Philharmonischen Konzerte verlieren an Besuchern. Die Zahl der Abos sei zwar gewachsen, die Karten seien im Freiverkauf aber nicht mehr so begehrt wie früher, und der Altersschnitt der Besucher sei hoch.

Die Mitglieder des Philharmonischen Orchesters gehen jetzt schon in Schulen, um Faszination für Musik bei den Kindern und Jugendlichen zu wecken. „Wir dürfen da nicht weiter zuwarten“, sagt Kay Metzger angesichts auch des geringen Stellenwerts, den Musikunterricht bei Schülern und in der Gesellschaft habe.

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