Berliner Liebe für die Schwaben

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 Von Wegen Lisbeth-Sänger und -Gitarrist Matthias Rohde im Ulmer Zelt.
Von Wegen Lisbeth-Sänger und -Gitarrist Matthias Rohde im Ulmer Zelt. (Foto: Brücken)
Sebastian Mayr

So ganz gelingt der Beweis nicht. „Ihr könnt uns zeigen, dass ihr unser neues Album genauso gut kennt“, ruft Matthias Rohde. Doch der Text sitzt bei den Songs der älteren Platte „Grande“ noch ein bisschen besser. Text hin oder her, das Publikum im ausverkauften Ulmer Zelt feiert Von Wegen Lisbeth von Anfang bis zum Ende. Rohde, Sänger, Gitarrist und Texter der Indie-Pop-Band, muss nur einmal „Na, geht’s euch gut?“ – sagen und das Zelt flippt aus.

Knappe zwei Stunden geht die Party im Zelt, knappe zwei Stunden lang spielen, tanzen, leben Von Wegen Lisbeth nahezu jeden Song ihrer beiden Platten und ein Stück von ganz ganz früher. Mit dabei: Synthesizer, Kinderglockenspiel, Omnichord und was sonst noch Töne machen kann. Das und ihre Texte ist das Besondere an den fünf Jungs aus Berlin. Texte, die melancholisch sein können und trotzdem nach guter Laune klingen. Texte, die bissig sind und Texte voll skurrilem Charme. „Jede Ratte der U8 wünsch’ ich mir zu dir aufs Dach“, singt Rohde. Und erzählt dann, dass es in dem Song um die Schwaben geht, die den Berlinern die Wohnungen wegkaufen: „Nette Leute, super Lage und ein Späti ist nicht weit. Klasse Kapitalanlage und ein prima Zeitvertreib.“ Die Schwaben, sagt Rohde, seien der natürliche Feind der Berliner. Das Publikum verzeiht ihm auch das und der Frontmann nimmt ein paar Lieder später alles zurück: „Es ist sehr schön in Schwaben, das werde ich meiner Mutter erzählen“, verspricht er.

Total schön ist es nicht nur in Schwaben in Allgemeinen, sondern im ausverkauften Zelt im Speziellen. Die Musiker schwärmen von der intimen Atmosphäre, die so viel toller sei als beim Auftritt zwei Tage davor auf einem Festival in Paderborn. Ob das stimmt oder nicht: Dass Von Wegen Lisbeth auf der Bühne so viel Spaß haben wie das Publikum davor, ist nicht zu übersehen. Die Berliner sind an der Donau so etwas wie Stammgäste: Zweimal haben sie im Roxy gespielt und im vergangenen Jahr auf dem Obstwiesenfestival in Dornstadt. Wer von Anfang an bei den Konzerten in Ulm dabei war, fragt Frontmann Rohde und zählt zwei „Hardcore-Fans“.

Ironisch um die Ecke

Die und fast alle anderen singen die Refrains und manchmal auch den kompletten Text mit, mal parolenartig und fast immer voller Alltagsbeobachtungen, oft ironisch und um die Ecke gedacht. Das geht auch politisch, wenn Von Wegen Lisbeth den drohenden „Untergang des Abendlands“ ins Lächerliche ziehen: „Was ist, wenn diese Linda von Tinder mich anlügt und eigentlich Kinder will?“ Eine Botschaft an alle, die bei der Europawahl was richtig Dummes gemacht haben, wie Rohde sagt.

Aus Ulm nehmen die Musiker mehr mit als die Erinnerung an einen intimen Abend: Synthie- und Percussion-Mann Robert Tischer erzählt, dass er auf dem Zelt-Flohmarkt ein Schild gekauft hat. „Wechselbad der Gefühle“ steht drauf. Sänger Rohde hängt es sich um den Mikrofon-Ständer, als Von Wegen Lisbeth „Komm mal rüber bitte“ spielen. „Doch im Wechselbad meiner Gefühle gibt es keinen Bademeisterjob“, heißt es da.

Der Abend im Zelt ist viel, doch ein Wechselbad der Gefühle ist er nicht. Er ist heiß, auch wenn es draußen kühl ist. Und er macht alle glücklich. Ein paar Mal nehmen Von Wegen Lisbeth den Dampf raus, bei „Bärwaldpark“ packen ein paar Fans sogar das Feuerzeug aus – bis genau dieser Song härter wird. Und zum Ende legen sie noch einmal richtig los. Nach „Wenn du tanzt“, wollen die glücklichen Gäste im Zelt vier Zugaben hören, sie bekommen sie.

Weiter geht es am Mittwoch, 12. Juni, um 20 Uhr mit einem Auftritt des Pantomime-Duos Bodecker & Neander, die ein „Best of“ ihrer Programme zeigen. Karten gibt es online auf ulmerzelt.de, in der Buchhandlung Jastram oder eine Stunde vor Vorstellungsbeginn beim Kartenwagen.

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