Bahn sichert nach Protesten Zwei-Stunden-Takt zu

Lesedauer: 6 Min
Bahn will Zusagen im Fernverkehr einhalten

Rudert die Bahn jetzt doch zurück? Im Werbevideo für Stuttgart 21 kommt man in weniger als 24 Minuten mit dem ICE von Ulm an den Stuttgarter Flughafen. Nach einer Anfrage des Baden-Württembergischen Landtagsabgeordneten Martin Rivoir wurde bekannt, dass die Deutsche Bahn im Fernverkehr zwischen Ulm und dem Flughafen nur jeweils drei Inter City in jeweils beide Richtungen am Tag schicken wollte. Sowohl in der Politik als auch bei den Projektpartnern stieß das auf heftige Kritik. Jetzt sagt die Bahn, sie will ihre Zusagen einhalten.

Chefreporter Ulm und Alb-Donau

Die Deutsche Bahn steht zu ihren Zusagen für die Anbindung des Stuttgarter Flughafens an das Fernverkehrsnetz. Mit der Zusage reagierte das Unternehmen am Dienstagabend auf Berichte aus dem Landesverkehrsministerium, wonach eine womöglich ausgedünnte Anbindung des geplanten Bahnhofs am Landesflughafen an die Neubaustrecke nach Ulm geplant sei. Damit scheint der Zwei-Stunden-Takt mit IC-Zügen zwischen Ulm und dem Landesflughafen gesichert zu sein: Dieser Takt war die Grundlage für den Stresstest vor dem Volksentscheid 2011.

Aussagen zur konkreten Ausgestaltung des Zugangebots können erfahrungsgemäß jedoch frühestens zwei Jahre vor der Inbetriebnahme getroffen werden: „Selbstverständlich werden diese Planungen der Deutschen Bahn für den Fernverkehr in engem Dialog mit den Projektpartnern entwickelt“, schreibt die Bahn weiter.

Nicht "hinnehmbar"

Zuvor hatte es massive Kritik an der Bahn gegeben. Eine schlechtere als die 2011 zugesagte Anbindung des geplanten Bahnhofs am Landesflughafen an die Neubaustrecke nach Ulm ist nach den Worten von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nicht akzeptabel. Eine getaktete Anbindung des Stuttgarter Airports mit Zeitgewinnen für die Fahrgäste sei eines der wichtigsten Argumente der Befürworter des Bahnprojektes Stuttgart 21 und Grundlage der Volksabstimmung gewesen, sagte der Regierungschef am Dienstag in Stuttgart. Wenn jetzt Versprechungen zurückgenommen würden, werfe das Legitimationsprobleme auf.

Auch der Stuttgart-21-freundliche Verein Bahnprojekt Stuttgart-Ulm sprach sich gegen die Pläne der DB Fernverkehr aus. „Wenn dort zukünftig keine ICE zumindest im Stundentakt halten, ernten wir zu Recht Unverständnis von allen Seiten“, sagte Vereinschef Georg Brunnhuber. Die Aussagen der DB Fernverkehr seien eine nicht nachvollziehbare Abkehr von allen bisher getroffenen Aus- und Zusagen. „Das ist weder für die Bahn noch für die Projektpartner hinnehmbar.“

Umfrage Fernzüge zum Stuttgarter Flughafen

In welchen Gemeinden die Wege am Längsten sind

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen