Bahn frei für Linie 2 – Darauf müssen Autofahrer achten

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Eine der letzte Testfahrten der neuen Linie 2. Am Samstag, 8. Dezember, steigen die ersten Fahrgäste zu.
Eine der letzte Testfahrten der neuen Linie 2. Am Samstag, 8. Dezember, steigen die ersten Fahrgäste zu. (Foto: Oliver Helmstädter)
Oliver Helmstädter

Der Tag X steht vor der Tür. Seit Jahren hat Ralf Gummersbach von den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm auf dieses Wochenende hingearbeitet: Der Bauingenieur und Familienvater ist Projektleiter für die Straßenbahnlinie 2, dem größten Bauvorhaben Ulms in der jüngeren Geschichte. Und am Samstag, wenn der erste Fahrgast um 11.35 Uhr eine Straßenbahn auf der Linie 2 betritt, muss alles passen.

Wir wollen ja am Samstag einen guten Eindruck machen. 

Ralf Gummersbach, Bauingenieur

Doppelcheck an jeder Schraube: Am Donnerstag wurde ab 14.30 Uhr noch einmal die komplette neue Strecke mit allen zwölf neuen, je 2,6 Millionen Euro teuren „Avenio-M–Straßenbahnen abgefahren. Parallel laufen an den Haltestellen noch kleinere Teer- und Aufräumarbeiten. „Wir wollen ja am Samstag einen guten Eindruck machen.“

Der Familienvater weiß jedoch, dass das letztlich Kosmetik ist. Auf was es ankommt, ist die Technik. Die heikelsten Stellen dabei sind die neu entstandenen Kreuzungspunkte. 33 Ampeln müssen so in das Netz eingebunden werden, dass der Verkehr reibungslos fließen kann. Diese mit Computermodellen unterstützte verkehrstechnische Planung sei nach dem „Acht-Augen-Prinzip“ erfolgt, damit sich hier ja kein Fehler einschleicht. Denn eine falsch programmierte Ampel kann fatale Folgen haben. Ein gewisser Risikofaktor ist auch der Mensch, der sich umgewöhnen muss. „Unsere Straßenbahnfahrer sind schließlich jahrelang nur im Kreis gefahren“, sagt Gummersbach. Abbiegen ist also Neuland für die Fahrer.

Wir hatten schon Autos im Gleisbett. 

Ralf Gummersbach, Bauingenieur

Neuland betreten auch die Autofahrer. „Wir hatten schon Autos im Gleisbett.“ Passiert ist nichts, schließlich waren in den vergangenen Wochen nur wenige Straßenbahnen im „Fahrschulverkehr“ unterwegs. Doch die Stadtwerke haben reagiert und zusätzliche Poller und Reflektoren angebracht, sodass nicht wieder plötzlich Autos auf den Gleisen fahren.

 Premiere in Ulm: Zum ersten Mal ist eine Straßenbahn auf der neuen Linie 2 durch die Donaustadt gefahren.
Bei der neuen Straßenbahnlinie 2 in Ulm geraten immer wieder Autos auf die Trasse, die an manchen Stellen nur für die Straßenbahn gemacht ist. Dann stecken sie fest. Entsteht hier ein neuer Unfallschwerpunkt?

Dass die Umgewöhnung Zeit brauchen dürfte, konnte der aufmerksame Beobachter bereits in der Testphase erkennen. Etwa wenn Autofahrer von der Neutorbrücke kommen und ihnen plötzlich Straßenbahnen den Weg kreuzen. Als eine besondere Gefahrenstelle hat die Ulmer Stadtverwaltung den Bereich vor dem Theater in der Olgastraße ausgemacht.

Bereits ab Freitag, 7. Dezember, ist eine Kehrtwende vor dem Theater in der Olgastraße nicht mehr zulässig. Die Verkehrsplaner installierten einen besonders auffälligen LED-Hinweis, weil befürchtet wird, dass dieses Manöver Autofahrer riskieren, die schnell zum Hauptbahnhof müssen. Ein gefährliches Unterfangen: Die neue Linie 2 hat, aus Richtung Hauptbahnhof kommend, beim Linksabbiegen in die Neutorstraße gleichzeitig „Grün“ mit dem aus der Olgastraße nach links in die Neutorstraße abbiegenden Verkehr. Bei einer Kehrtwende könnte es deshalb zur Kollision kommen.

Festakt im Ulmer Theater geplant

An Unfälle möchte Projektleiter Gummersbach nicht denken. Erste Priorität hat, dass die Premiere glückt. Nach einem Festakt im Ulmer Theater steigen am Samstag um etwa 11.35 Uhr SWU-Mitarbeiter, Stadträte, der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann und OB Gunter Czisch an der neuen Haltestelle „Stadtwerke“ ein und an der Universität wieder aus. Und Gummersbach wird zittern, ob die 33 Ampeln, 35 Kilometer Schienen, 230 Kilometer Kabelrohre und noch mehr Stein und Beton für unter dem Strich 270 Millionen Euro auch wirklich korrekt verbaut wurden.

Ein Fest auf ganzer Linie

Die Inbetriebnahme der Straßenbahnlinie 2 am Samstag, 8. Dezember, wird in der Stadt groß gefeiert, und zwar im wörtlichen Sinne „auf ganzer Linie“.

Aktionen Zwischen der Wendeschleife beim Schulzentrum Kuhberg und dem Science Park sind an diesem Tag zwischen 12 Uhr und 17 Uhr zahlreiche „Aktionspunkte“ aktiviert mit informativen, kulturellen oder spielerischen Angeboten und Aktionen rund um das Thema „Mobilität von morgen“. Mit dabei sind unter anderem die Hochschule Ulm, die Universität Ulm mit Partnern, das Ulmer Citymarketing, der Donau-Iller-Nahverkehrsverbund und Akteure des Radverkehrs.

Musik Besondere Höhepunkte sind Kulturpunkte in der Multscherschule sowie bei der Martin-Luther-Kirche. Der Singer-Songwriter Léon Rudolf , wird die neue Straßenbahnlinie musikalisch einweihen. Zwischen 16 und 17:30 Uhr wird eine der Bahnen zur Bühne. Das Comedy-Combo Flugfische ist ab 12.30 Uhr im Gemeindehaus der Martin-Luther-Kirche, Zinglerstraße 66, zu sehen.

Freifahrten An diesem Adventssamstag ist die Fahrt auf der Linie 2 für alle kostenlos. Die Freifahrten auf der Linie 2 starten zwischen 12 Uhr und 12.15. Letzte Fahrten starten gegen 17.30 Uhr an den beiden Endhaltestellen Kuhberg Schulzentrum und Science Park II jeweils in Richtung Innenstadt.

Linie Der Linienbetrieb auf der Linie 2 startet dann am Folgetag (Sonntag, 9. Dezember) mit Betriebsbeginn.

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