B10 in Ulm gesperrt: An zwei Wochenenden droht Chaos

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 Kaum mehr als 20 Meter lang ist das Bauwerk auf der B10 in Ulm und wer darüber fährt, bemerkt es nicht einmal. Doch weil es rep
Kaum mehr als 20 Meter lang ist das Bauwerk auf der B10 in Ulm und wer darüber fährt, bemerkt es nicht einmal. Doch weil es repariert werden muss, dürfte es gleich zweimal gewaltige Staus geben. (Foto: Alexander Kaya)
Sebastian Mayr

Arbeiten an einer Brücke, die keiner sieht, werden an den beiden Wochenenden nach Ostern heftige Staus auf der B10 verursachen. Davon sind die Brückenexperten der Stadt Ulm überzeugt.

In der Nähe des Schubart-Gymnasiums und der Esso-Tankstelle, also nicht weit vom Blaubeurer Ring, wird die Bundesstraße über zwei Brücken geleitet. Eine ist vor rund zehn Jahren repariert worden. Die andere, die für Autofahrer nicht erkennbar über die Große Blau in Richtung Neu-Ulm führt, ist dringend sanierungsbedürftig.

„Wir sind froh, dass die Brücke den Winter gut überstanden hat“, gesteht Gerhard Fraidel, der die städtische Abteilung Verkehrsinfrastruktur leitet.

Schutzbeton löst sich langsam auf

Das Bauwerk ist lediglich 21,20 Meter lang und 13,55 Meter breit. Durch Salzwasser und vermutlich auch wegen des Betons, der beim Bau verwendet wurde, ist der Schutzbeton angegriffen worden und löst sich langsam auf. Bevor die tragende Konstruktion beschädigt wird, muss die Brücke gerichtet werden.

Es gibt Autobahnen in Bayern, die geringer belastet sind.

Roswitha Schömig, Sachgebietsleiterin für Brückenbau

Normalerweise wird eine Straße in solchen Fällen mehrere Wochen lang gesperrt, um die alten Schichten abzutragen und neue aufzubringen. Doch dann wäre die Bundesstraße auf diesem Abschnitt für wahrscheinlich sechs Wochen auf eine Spur pro Richtung verengt – auch werktags im Berufsverkehr. Über die B10 rollen jeden Tag 61.000 Fahrzeuge. „Es gibt Autobahnen in Bayern, die geringer belastet sind“, sagt Roswitha Schömig, Sachgebietsleiterin für Brückenbau.

Die Ulmer Fachleute wählten einen anderen Weg, der schneller zum Ziel führt, aber meist deutlich teurer ist. Dabei werden Hohlräume im Asphalt gelassen und mit Kunstharz aufgefüllt. Wenn alles gut geht, genügen dafür die beiden Wochenenden nach Ostern: Von 26. bis 29. April und von 3. bis 7. Mai. Dann wird erst eine und dann die andere Spur in Richtung Neu-Ulm von Freitag, 21 Uhr, bis Montag, 5 Uhr, für die Arbeiten gesperrt.

Wegen der ungewöhnlichen Umstände ist die üblicherweise teurere Variante in diesem Fall günstiger: Allein für die Verkehrssicherung müsste die Stadt bei einer herkömmlichen Reparatur rund 200.000 Euro bezahlen. So viel soll nun die gesamte Maßnahme kosten. Die Arbeiten sind eng getaktet. Sicherheitshalber muss die Baufirma alle Geräte doppelt vorhalten. „Wenn es nicht Grotten hagelt, wird es funktioniert“, ist Fraidel sicher.

Kleiner Eingriff hat massive Folgen

Massive Folgen hat auch der eher kleine Eingriff. Autofahrer, die von der A8 über die B10 auf die A7 gelangen wollen, werden über Berliner Ring, Kurt-Schumacher-Ring und B311 umgeleitet. Denn die Stadt sperrt die Wallstraßenbrücke und die Brücke über das Blaubeurer Tor Richtung Süden. Wer sich nicht an die Umfahrung hält, muss durch den Blaubeurer Ring fahren.

Fraidel und Schömig fürchten, dass viele Fahrer die Umleitung ignorieren. Das ist der Grund für die Sperrung der beiden großen Brücken. Wären diese in Richtung Neu-Ulm geöffnet, dann würden sich bei der Baustelle drei Spuren auf eine verengen. Die Folge wäre wohl ein Stau im großen Blaubeurer Ring. Auch Fahrer, die über die Ludwig-Erhard-Brücke aus der Innenstadt beziehungsweise aus der Blaubeurer Straße kommen, würden darunter leiden. Durch die ungewöhnliche Verkehrsführung soll der Stau auf der B10 vor der Einfahrt in den Kreisel entstehen – und Abkürzer von der Autobahn treffen. Wer aus Lehr oder Jungingen in Richtung Ulm oder Neu-Ulm fährt, sollte die B10 meiden, rät Fraidel.

Wir haben mit Sicherheit einen Stau bis Lehr.

Gerhard Fraidel, Leiter Abteilung Verkehrsinfrastruktur

Ohne Auswirkungen auf den übrigen Verkehr dürften die Arbeiten dennoch nicht bleiben. „Der Samstag wird wehtun“, erwartet der Ingenieur. „Wir haben mit Sicherheit einen Stau bis Lehr.“ Man werde an zwei Tagen Chaos verursachen, doch das sei besser als mehrere Wochen lang. Weil die Arbeiten am letzten Osterferienwochenende beginnen, hofft Fraidel, dass mehr Verkehr nach Norden fließt als nach Süden.

Erste Maiwoche B311 gesperrt

Die beiden Wochenenden waren die einzig möglichen Termine. In der ersten Maiwoche ist die B311 gesperrt. Und am anschließenden Wochenende werden der durch einen Lkw-Unfall beschädigte Fußgängersteg über den Kurt-Schumacher-Ring zum Fort Oberer Kuhberg wieder eingehoben und Lärmschutzarbeiten an der Strecke nach Wiblingen vorgenommen. Davor machten Veranstaltungen in der Stadt und der verkaufsoffene Sonntag eine Sperrung unmöglich.

Die Sperrung der Wallstraßen Brücke und der Brücke über das Blaubeurer Tor nutzen die Fachleute für Untersuchungen dort. Bis Ende des Jahres soll feststehen, ob die beiden wichtigen Verkehrsachsen saniert werden können oder neu gebaut werden müssen. Die Staus nach Ostern dürften nur ein kleiner Vorgeschmack auf das sein, was Autofahrern dort noch droht.

B10-Brücke am Blaubeurer Tor beschädigt
Ulm hat scheinbar kein Glück mit seinen Brücken.
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