Bösartiger Gehirntumor: Ein Lehrer aus Ulm kämpft um sein Leben

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Ärzte bei der Operation eines Hirntumors. Der Ulmer Dietmar Keil hofft auf eine andere, neuartige Therapie mit einer Kombination
Ärzte bei der Operation eines Hirntumors. Der Ulmer Dietmar Keil hofft auf eine andere, neuartige Therapie mit einer Kombination aus neun Medikamenten. Doch die ist noch nicht zugelassen. (Foto: Symbol / Jan-Peter Kasper / dpa)
Sebastian Mayr

Informationen zur Kampagne unter gofundme.com/Dietmars-Chance. Dort sind auch Spenden möglich.

Schüler und ihre Eltern, Kollegen, Freunde aus Vereinen: Beinahe 250 Unterstützer haben gespendet, um die Therapie von Sport- und Werklehrer Dietmar Keil zu finanzieren. Der Vater dreier erwachsener Söhne leidet an einem Glioblastom – einem Gehirntumor des bösartigsten Grads.

Eine neuartige Behandlungsmethode könnte das Leben des Ulmers retten. Weil sie noch nicht zugelassen ist, müsste die Familie die Kosten selbst tragen. Allein die Medikamente kosten rund 3000 Euro im Monat, berichtet Dietmar Keils Ehefrau Susanne. Der Familie fehlen dafür die Mittel, deswegen will Susanne Keil über die Spenden-Plattform Gofundme.com sammeln. Etwas mehr als 20.000 Euro haben die Unterstützer schon gegeben.

Übliche Therapien sind selten nachhaltig

Glioblastome gehören bei Erwachsenen zu den häufigsten Gehirntumoren. Nach Angaben der Uni Ulm wachsen sie meist innerhalb weniger Monate deutlich und sind äußerst aggressiv. Übliche Therapien wie chirurgisches Entfernen, Bestrahlung und Chemotherapie seien selten nachhaltig erfolgreich. Meist trete der Tumor erneut auf.

Der Spenden-Aufruf für Dietmar Keil wurde im Dezember 2018 erstellt. Seither wurden bereits mehr als 20.000 Euro gespendet.
Der Spenden-Aufruf für Dietmar Keil wurde im Dezember 2018 erstellt. Seither wurden bereits mehr als 20.000 Euro gespendet. (Foto: Screenshot / GoFundMe)

Ein Team um Professor Marc-Eric Halatsch, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Ulm, hat bei einer Studie bereits Erfolge verzeichnet: Unter der Therapie mit einer erstmalig eingesetzten Medikamenten-Kombination stoppte das Tumorwachstum bei der Hälfte der behandelten Studienteilnehmer, in einem Fall für nun zwei Jahre und fünf Monate. Doch bei der anderen Hälfte der Patienten wuchs der Tumor weiter. Bei ihnen ist die erwartete Lebenserwartung sehr gering.

Man könne die Behandlung durchaus als ermutigend bezeichnen, sagt Halatsch. Er wolle aber keine Erwartungen beflügeln, für die er keine Antwort habe. Welche Patienten von der neuen Therapie profitieren, könne man noch nicht einschätzen.

Es ist ein komisches Gefühl, dass so etwas in einem Land wie Deutschland nötig ist.

Marc-Eric Halatsch, Leitender Oberarzt am Universitätsklinikum Ulm

Zum Spendenaufruf sagt er: „Es ist ein komisches Gefühl, dass so etwas in einem Land wie Deutschland nötig ist.“ Doch bis die Therapie alle formalen Hürden überwunden hat und von den Krankenkassen bezahlt wird, dürften nach seiner Einschätzung mindestens noch fünf Jahre vergehen.

Im April 2018 erhielt Dietmar Keil die Krebs-Diagnose. Nach Operation, Strahlenbehandlung und Chemotherapie schien er die Krankheit besiegt zu haben. Schnell ging es ihm besser – auch wenn die durch den Tumor im Gehirn verursachten Schäden spürbar waren.

Tumor ist wieder gewachsen

Doch im Oktober kam die Nachricht, dass der Resttumor wieder gewachsen ist. Nun hoffen Dietmar Keil und seine Familie auf die Wirkstoff-Kombination, die der Ulmer Professor Halatsch in seiner Studie derzeit zehn Patienten verabreicht.

Ziel dieser Therapie ist es, das Wachstumssignal der Krebszelle zu stören, statt sie abzutöten. Dafür werden neun Medikamente eingesetzt, die eigentlich zur Behandlung anderer Krankheiten verwendet werden. Zum Beispiel bei Alkoholabhängigkeit oder Gelenkerkrankungen. Doch Halatschs Studie ist kein Platz mehr frei und der Professor darf keine individuellen Heilungsversuche durchführen. Andernfalls könnte die Studie eingestellt werden. Möglich ist aber eine Behandlung über den Hausarzt.

Das Ziel ist aber noch lange nicht erreicht, es wird jetzt bereits diesen Monat sehr knapp ...

Susanne Keil

Dank der Spenden, die bereits zusammengekommen sind, habe ihr Mann die Therapie bereits beginnen können, schreibt Susanne Keil auf dem Spenden-Portal. „Das Ziel ist aber noch lange nicht erreicht, es wird jetzt bereits diesen Monat sehr knapp ...“

+++ Hier geht's zum Spenden-Portal für Dietmar Keil +++

Die Ulmerin beschreibt ihren Mann als einen Menschen, der immer für seine Familie und den eigenen Verein da war. Unermüdlich habe sich Dietmar Keil, der auch die erste historische Schwertkampfschule Ulms gegründet hat, für den Wiblinger Mittelaltermarkt engagiert.

Der Lehrer aus Ulm, ein naturverbundener und sportlich aktiver Mann, unterrichtete zudem eine Kinder- und Jugendgruppe in der Kampfsport-Stilrichtung Shotokan, ging gerne zum Wandern und Mountainbiken und ist staatlich lizenzierter ehrenamtlicher Gewaltschutztrainer. Er habe immer allen geholfen, die seine Unterstützung benötigten. Jetzt brauche er selbst für den Kampf gegen den Krebs Hilfe von vielen Menschen.

Informationen zur Kampagne unter gofundme.com/Dietmars-Chance. Dort sind auch Spenden möglich.

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