Auszubildende in der Region erhalten jetzt einen Studentenausweis

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Frau mit zwei Broten in den Händen
Auch im Bäckerhandwerk wird Nachwuchs gesucht. (Foto: MDR_Cine Impuls)
Sebastian Mayr

Auch wenn sich die Konjunktur eintrübt: Um seine Stelle muss sich bei den einheimischen Unternehmen erst einmal kein Beschäftigter grundsätzliche Sorgen machen. Davon ist Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ulm, überzeugt.

Er und seine Kolleginnen Martina Doleghs und Patrizia Grün werben mit Nachdruck für die duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule. Denn den Firmen in der IHK-Region Ulm fehlen die Fachkräfte, einer Prognose zufolge sind es bis 2030 im jährlichen Durchschnitt 16 200 Mitarbeiter.

Es sind nicht alle Branchen gleich in der Bezahlung. Otto Sälzle

Die IHK-Region umfasst die Stadt Ulm und die Landkreise Alb-Donau und Biberach. Bedarf besteht vor allem bei Angestellten, die eine Ausbildung gemacht haben, die IHK beziffert die Lücke mit 14 800 Frauen und Männern. Um sie zu schließen, will die IHK die Ausbildung attraktiver machen. Ein Ansatz: Lehrlinge sollen von ähnlichen Angeboten profitieren wie Studentinnen und Studenten.

Dass immer mehr junge Leute an die Universitäten und Hochschulen streben, hält Sälzle für einen Fehler. Die Abbrecherquoten dort seien viel höher als in der Ausbildung und die Verdienstmöglichkeiten bei weitem nicht so gut wie von vielen erwartet. Ein Industriemechaniker etwa verdiene nach der Ausbildung um die 40 000 Euro brutto im Jahr, mehr also als mancher Akademiker.

„Es sind nicht alle Branchen gleich in der Bezahlung“, räumt der Hauptgeschäftsführer ein, der sein Amt demnächst an Nachfolger Max-Martin Deinhard übergibt. Trotzdem wirbt er dafür, dass junge Leute und ihre Eltern nicht nur auf den Status des Akademikers schielen.

Wir setzen alles daran, dass die Ausbildung als gleichwertig zum Studium angesehen wird.

Patrizia Grün

Die IHK orientiert sich bei ihrer Azubi-Werbung verstärkt am Studium. Zum Beispiel mit der Azubi-Card, einer Art Studentenausweis für Lehrlinge. „Wir setzen alles daran, dass die Ausbildung als gleichwertig zum Studium angesehen wird“, sagt Patrizia Grün, Leiterin Ausbildung bei der Ulmer Kammer.

Ein QR-Code auf dem Plastikkärtchen führt direkt auf ein Internetportal, wo Ansprechpartner, Prüfungstermine, Prüfungstermine und Rechte eingesehen werden können. Zudem bietet die Karte vergünstigte Angebote. Die IHK Ulm ist die erste Kammer in Baden-Württemberg und die zwölfte in Deutschland, die die Azubi-Card einführt.

Auslandsaufenthalte und mehr

Die IHK-Verantwortlichen listen noch mehr Punkte auf, die eine duale Ausbildung attraktiv machen: Zusatzangebote wie Qualifizierungen und Auslandsaufenthalte, persönliche Weiterentwicklung durch eine Schulung zum Ausbildungsbotschafter samt Auftritten vor Schülern, besondere Veranstaltungen für Absolventen und eben gute Verdienstmöglichkeiten sowie Karrierechancen.

Daran änderten die Konjunkturaussichten nichts: „Die Krise wird alle Berufe treffen“, sagt Hauptgeschäftsführer Sälzle. Doch die Stellen für Absolventen der dualen Ausbildung seien besonders krisensicher, glaubt er. Denn die Firmen hätten gelernt, dass es teurer und aufwendiger ist, Fachkräfte zurückzugewinnen als sie in schlechteren Phasen weiter zu bezahlen.

Die IHK schaut sich nicht nur Ideen von Universitäten und Hochschulen ab, sie will auch Studienabbrecher begeistern. In „Blitz-Klassen“ können sie sich in zwei statt drei Jahren zum Fachinformatiker für Systemintegration oder für Anwendungsentwicklung ausbilden lassen. Begonnen hat das Kooperationsprojekt mit der Robert-Bosch-Schule 2018 mit einer Klasse, in diesem Jahr gingen bereits zwei Klassen an den Start.

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