Auch Ulmer Geld zerstört die Welt

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Sie setzen sich für einen bewussten Umgang mit Geld ein (von links): Kerstin Vollmar, Simone Bernecker, Volker Banzhaf und Dani
Sie setzen sich für einen bewussten Umgang mit Geld ein (von links): Kerstin Vollmar, Simone Bernecker, Volker Banzhaf und Daniela Fischer von der Gruppe „ivest Ulm“. (Foto: Helmstädter)
Oliver Helmstädter

Es ist gut, wenn genügend Geld da ist. Aber der ganze Papierkram drumherum ist nur lästig. So geht es wohl vielen Verbrauchern. Und auch Daniela Fischer. Doch vor vielen Jahren, als der Kauf der eigenen vier Wände anstand, begann die Regionalgeschäftsführerin des Ulmer Bund Naturschutz ihre Finanzen zu hinterfragen. Unterstütze ich mit meinem Geld etwa Umweltzerstörung, Waffenhandel? Die Folge: Fischer löste sämtliche Fonds und viele Versicherungen auf. Denn durch hartnäckiges Nachfragen erfuhr sie, dass mit dem Geld Dinge finanziert, die sie nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren könne.

Zusammen mit einem harten Kern von sieben Aktivisten gründete Fischer nun einen Verein: Divest Ulm will sich als Teil der weltweiten Divestment-Bewegung für einen Kapitalabzug aus ethisch fragwürdigen Wertpapieren einsetzen.

Zu den Adressaten gehörten auch die regionalen Banken, Stadt- und Gemeindeverwaltungen sowie die Stadtwerke. Was derartige Institutionen angeht, will sich die Gruppe unter dem Motto „Fossil Free“ auf Anlagen in klimaschädlichen Industrien konzentrieren. Wie Bund-Aktivist Volker Banzhaf erläutert, würden derzeit Informationen gesammelt, um gezielte Anfragen vorzubereiten. Ein Vorbild in dieser Sache sei Münster: Die Stadt in Nordrhein-Westfalen habe nach öffentlichem Druck ihr Geld komplett aus der Gas- & Ölindustrie abgezogen. Firmen wie RWE, Shell, Arcelor Mittal, BASF und Total gehören laut einer Mitteilung von „Fossil Free Deutschland“ nicht mehr zum städtischen Portfolio. 22 Millionen Euro aus Pensionsfonds seien desinvestiert worden.

Stadtwerke in der Pflicht

Auch die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) sehen die Aktivisten von Divest Ulm in der Verantwortung. Wie Fischer beklagt, schreiben sich die SWU zwar gerne das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen, doch gleichzeitig werde der Anteil an einem Kohlekraftwerk gehalten. Fischer betont: Die SWU hätten auch lobenswerte Ansätze. Die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) im Schwarzwald zeigten allerdings, dass es auch anders gehe.

Divest Ulm will transparent machen, dass jeder einzelne Verbraucher die Wahl habe, wie er mit seinem Geld umgehe: zwischen zerstörerischen oder zukunftsorientierten Angeboten. Die Bankenlandschaft teilt Divest in drei Kategorien ein. Auf der Seite des Guten stünden Institute mit einer ausgeprägt sozial-ökologischen Ausrichtung. Ausdrücklich nennen Fischer und Banzhaf die Tricos Bank, GLS Bank, Umwelt-Bank und die Ethik-Bank.

Großbanken wie der Deutschen Bank oder der Commerzbank steht Divest Ulm keinerlei nachhaltige Strategie zu. Hier werde allein auf Geldvermehrung gesetzt. Dazwischen werden die genossenschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Banken verortet. Ein Vorhaben von Banzhaf ist es, die Nachhaltigkeitsberichte der Sparkasse Ulm und der Volksbank Ulm-Biberach in naher Zukunft zu durchforsten, um dann einen Fragenkatalog zu erstellen.

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