Artensterben: So kann jeder Bienen retten

Lesedauer: 7 Min
 Das Volksbegehren hat gezeigt: Mehr Blumenwiesen sind nötig, damit Hummeln, Bienen und Schmetterlinge wieder Nahrung finden. Ab
Das Volksbegehren hat gezeigt: Mehr Blumenwiesen sind nötig, damit Hummeln, Bienen und Schmetterlinge wieder Nahrung finden. Aber nicht jeder hat einen Garten. Eine Landwirtin im Landkreis bietet deshalb Blühpatenschaften an. (Foto: Christoph Lotter)
Christoph Lotter

Für eine Blühpatenschaft und weitere Infos erreichen Sie Landwirtin Alexandra Zott per Mail an obsthof-zott@t-online.de oder unter der Telefonnummer 0151/50432532.

Summt und brummt es noch genug am Straßenrand? Das Insektensterben ist dieser Tage in aller Munde, wie das erfolgreiche Volksbegehren „Rettet die Bienen“ gezeigt hat.

Mehr Blumenwiesen seien nötig, damit Bienen, Hummeln und Schmetterlinge wieder genügend Nahrung finden, sagen die Initiatoren. Aber nicht jeder im Landkreis Neu-Ulm und der Stadt hat einen Garten vor der Haustüre oder kann sich aktiv für die Artenvielfalt einsetzen. Was also tun?

Eine Alternative für alle gartenlosen bieten sogenannte Blühpatenschaften. Und die funktionieren so: Landwirte säen auf Flächen, die sie normalerweise zur landwirtschaftlichen Produktion nutzen würden, speziell für Bienen und Insekten zusammengestellte Blühmischungen. Auf Dünger und Pflanzenschutzmittel wird auf den Flächen verzichtet. Um die Kosten für Pacht, Maschinen, Arbeitszeit und den Ernteausfall zu decken, erhalten sie im Gegenzug von den Blühpaten finanzielle Unterstützung.

Das passiert hier auf Eigeninitiative privater Betriebe. Wir beraten die Landwirte lediglich.

Kreisbäuerin Christiane Ade

Das Ganze geschieht in Kooperation mit dem Bayerischen Bauernverband. Im Landkreis Neu-Ulm bietet der Bauernverband allerdings keine Blühpatenschaften über die eigene Geschäftsstelle an, wie Kreisbäuerin Christiane Ade auf Nachfrage berichtet: „Das passiert hier auf Eigeninitiative privater Betriebe. Wir beraten die Landwirte lediglich.“

20 Euro für 25 Quadratmeter Blühfläche

Eine dieser Betriebe ist der Obsthof Zott in Weißenhorn. Für 50 Euro im Jahr bietet Alexandra Zott eine Patenschaft für 100 Quadratmeter Blühfläche an. Für 20 Euro werden 25 Quadratmeter Blühfläche gesät. Im Landkreis steht sie damit bislang allerdings noch alleine da. Außer ihr wird hier in den kommenden ein bis zwei Wochen kein Landwirt Blumen, statt Mais oder Getreide, für seine Blühpaten pflanzen.

Trotzdem ist noch eine Menge Platz, wie die Landwirtin erzählt: „Die geplante Fläche ist noch nicht voll, bisher habe ich 12 Patenschaften, also etwa 1200 Quadratmeter.“ Interessenten können sich aussuchen, ob sie eine Fläche am Radweg zwischen Weißenhorn und Witzighausen oder in der Blaubeurer Straße in Ulm bekommen.

Es wäre toll, wenn noch ein paar Paten hinzukämen

Alexandra Zott aus Weißenhorn

Für jede Patenschaft gibt es eine Urkunde. Falls erwünscht, wird jeder Unterstützer auch namentlich auf einem Plakat erwähnt, dass Zott am Feldrand aufstellen wird. „Es wäre toll, wenn noch ein paar Paten hinzukämen“, sagt sie. Zotts Ziel ist es, dass die gesamte Fläche von Blühpaten übernommen wird. Insgesamt sind das 4500 Quadratmeter – 3500 in Ulm und 1000 bei Weißenhorn.

Warum die gelernte Gärtnermeisterin der Fachrichtung Obstbau so viel Ackerland für die Blühpatenschaften zur Verfügung stellt? „Mir ist bewusst, wie wertvoll und wichtig der Erhalt der Natur ist“, lautet ihre Antwort. Auch die Initiatoren des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ begrüßen in einer Pressemitteilung, dass „etwas in Bewegung geraten ist“ – kritisieren befristete Blühpatenschaften jedoch als „Kleinstmaßnahmen“. Im Kampf gegen den Verlust von Lebensräumen seien sie zwar begleitend sinnvoll, aber keine Alternative zu einem neuen Naturschutzgesetz.

Auch die Blühpatenschaften in Weißenhorn und Ulm laufen zunächst nur ein Jahr. Zott betont allerdings, dass das Projekt nicht nur kurzfristig geplant ist, sondern auch in den nächsten Jahren Bestand haben soll, die Patenschaften könnten verlängert werden. Die Landwirtin wird dennoch einjährige BSV-Saatmischungen verwenden. Die seien vom Bayerischen Bauernverband und vom Imkerverband zusammengestellt und empfohlen worden.

Die Menschen verlassen sich gerne auf die Politik, aber die ist zu träge. So kann jeder etwas für die Artenvielfalt tun.

Alexandra Zott aus Weißenhorn

Viel Gewinn werfen die Patenschaften nicht ab, sagt Zott. Verlust mache sie aber natürlich auch keinen. Antrieb sei allerdings ohnehin nicht das Geld, betont sie. An ihren Erdbeer- und Himbeerselbstpflückfeldern käme sie oft ins Gespräch mit Kunden. Alexandra Zott: „Die Menschen verlassen sich gerne auf die Politik, aber die ist zu träge. So kann jeder etwas für die Artenvielfalt tun.“

Die Landwirtin wünsche ich zudem, dass die Menschen öfter das Gespräch mit den Landwirten vor Ort suchen, vieles werde missverstanden. „Mit den Blühpatenschaften wollen wir auch zeigen, dass wir konventionelle Landwirte viel für die Artenvielfalt machen“, berichtet Zott. Das werde oft nicht wahrgenommen. „Wir sind bereit, viel für die Bienen. Gerade für mich, ich baue Obst an, sind die Bienen überlebenswichtig.“

Für eine Blühpatenschaft und weitere Infos erreichen Sie Landwirtin Alexandra Zott per Mail an obsthof-zott@t-online.de oder unter der Telefonnummer 0151/50432532.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen