Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Was zwei Ulmer auf der Aida erleben

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Zwei Ulmer auf hoher See: Annika Dehning und Nicolai Scheel – hier am Pooldeck der Aidablu – genießen ihr Leben und ihre Arbeit
Zwei Ulmer auf hoher See: Annika Dehning und Nicolai Scheel – hier am Pooldeck der Aidablu – genießen ihr Leben und ihre Arbeit auf den Meeren dieser Welt. (Foto: Brigitte Geiselhart)
Brigitte Geiselhart

Als Ulmer oder Ulmerin entwickelt man in der Regel eine gewisse Affinität zum Wasser, liebt die Donau, ist gern beim „Nabada“ mit von der Partie. Aber müssen es gleich die großen Ozeane sein? Für Annika Dehning und Nicolai Scheel schon. Sie wollen auf den Meeren dieser Welt unterwegs sein – nicht als Urlauber, sondern in beruflicher Mission. Bis vor wenigen Monaten kannten sie sich noch gar nicht und saßen dann plötzlich gemeinsam in einem Boot – zusammen mit 2100 Kreuzfahrtgästen und 620 anderen Crewmitgliedern.

Am 4. November 2018 gingen sie in Kreta an Bord des Kreuzfahrtschiffes Aidablu. Luft 28 Grad, Meerestemperatur 29 Grad und genügend Wasser unter der Kiel. Das waren seither ihre durchschnittlichen Umgebungsbedingungen. Vom Mittelmeer und dem Roten Meer kommend steuerte ihr Schiff im Indischen Ozean im zweiwöchigen Rhythmus Traumziele wie die Seychellen, Madagaskar, Mauritius und La Réunion an.

An Bord traf man auf „Activities Supervisor“ Annika Dehning und „Chef de Partie“ Nicolai Scheel – allerdings in der Regel an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten. Grund, mit der tropischen Sonne um die Wette zu strahlen, schienen die Leiterin der sportlichen Ausflugsaktivitäten und der Koch aber immer zu haben – und das trotz einer anstrengenden Sieben-Tage-Woche.

Erfahrene Seefahrerin trifft auf Kreuzfahrt-Neuling

Für Annika Dehning ist die Seefahrt nichts Neues mehr. Sport – und vor allem auch Wassersport – war schon immer ihr Ding. Schon mit 17 Jahren fing sie beim DLRG mit dem Rettungstauchen an. Als Tauchlehrerin zu arbeiten und möglichst viele Tauchplätze auf der ganzen Welt zu sehen, diese Gelegenheit wollte sie wahrnehmen, als sie im September 2015 erstmals bei der Aida-Kreuzfahrtflotte anheuerte. Mit dem Reisevirus war sie bereits zuvor schon infiziert.

Annika Dehning (rechts) und ihre Teammitarbeiter rüsten sich für einen Fahrradausflug im Hafen von Mahé, der größten Seychelleni
Annika Dehning (rechts) und ihre Teammitarbeiter rüsten sich für einen Fahrradausflug im Hafen von Mahé, der größten Seychelleninsel. (Foto: Brigitte Geiselhart)

Nach dem Abschluss an der Albert-Einstein-Realschule in Wiblingen und der Ausbildung zur Grafik-Designerin hatte sie sechs Jahre in einer Ulmer Werbeagentur gearbeitet, war zwischendurch auf eine achtmonatige Backpacker Weltreise gegangen, hatte in Thailand ihren Dive-Master gemacht und dort zwei Jahre als Tauchlehrerin gearbeitet.

Als Activities Supervisor hat Annika Dehning Offiziersstatus, ist die rechte Hand des Activity Managers – und für ein rund zwölfköpfiges Team von Tauchlehrern, Fahrradguides und Golflehrern verantwortlich. Höhlen in den Cenoten Mexikos, spannende Felsformationen im Mittelmeer, spektakuläre Tauchgänge in Kolumbien, Panama, Costa Rica – all das durfte die 30-Jährige schon erleben und freute sich in diesem Winter besonders auf die Begegnung mit Meeresschildkröten und intakten Korallen auf den Seychellen.

Auf Deck 12 wird Basketball gespielt

Ausflüge begleiten, organisieren und immer ein Auge darauf haben, was man noch verbessern könnte, das gehört zu ihren Aufgaben – natürlich auch die Erstellung von Dienstplänen und die Präsentation von neuen Ausflügen vor großem Publikum im bordeigenen Theater. „Man muss flexibel sein. Nicht zuletzt hat die Wetterlage auch Einfluss auf die Ausflugsgestaltung“, erklärt sie. Natürlich ist auch ihre Präsenz bei öffentlichen Anlässen und der Kontakt zu den Gästen gefragt. „Mir gefällt das Bordleben sehr gut“, sagt die Wiblingerin. „Ich komm auch prima mit den Crewmitgliedern aus Ostasien aus. Das liegt sicher auch daran, dass ich durch meine früheren Reisen deren Lebensverhältnisse gut kenne.“

Für Nicolai Scheel hingegen ist die Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff absolutes Neuland. „Unglaublich viele Eindrücke“, sagt der 27-Jährige mit sichtlicher Begeisterung. Gleich beim ersten Landgang in der israelischen Hafenstadt Haifa durfte er mit dem Küchenchef auf den Markt zum Einkaufen. „Lokale Produkte ins Menü einbauen, das kommt meiner Philosophie perfekt entgegen“, erzählt Scheel und schwärmt auch vom guten Miteinander innerhalb der Crew. „In Aqaba habe ich einen privaten Ausflug mit Kollegen gemacht. Wir verstehen uns super“, sagt er und freut sich, dass er als leidenschaftlicher Basketballer der TSG Söflingen auch auf Deck 12 des Kreuzfahrtschiffes ab und zu ein paar Körbe werfen kann.

Er liebt es kreativ, zu sein: Nicolai Scheel (vorne) beim Vorbereiten der Vorspeisen im bordeigenen Spezialitätenrestaurant Ross
Er liebt es kreativ, zu sein: Nicolai Scheel (vorne) beim Vorbereiten der Vorspeisen im bordeigenen Spezialitätenrestaurant Rossini. (Foto: Brigitte Geiselhart)

Als Chef der Partie im Spezialitätenrestaurant Rossini arbeiten zu dürfen, sieht er für sich als Herausforderung und Chance zugleich. „Hier wird mit gleichem Anspruch wie in einem Sternerestaurant an Land gekocht“, betont der Ulmer, der seinen ursprünglich nur bis Ende Januar laufenden Vertrag um drei weitere Monate verlängert hat.

„Hier kann ich jeden Tag mein Wissen und Geschick verbessern“, sagte er vor wenigen Tagen. „Dadurch, dass unsere wechselnden Menüs ständig variieren und für mich als Koch immer etwas Neues zuzubereiten ist, jagt für mich ein Highlight das Andere“.

Schon während seiner Schulzeit in der Waldorfschule Kuhberg hat Nicolai Scheel in der Gastronomie als Tellerwäscher ausgeholfen und hat irgendwann „Feuer gefangen“. Seine Kochausbildung hat er im „Fleur de Cuisine“ in Jungingen absolviert, auch eine Zeit lang im „Hotel Lago“ gearbeitet. „Mal was anderes“ hat er gemacht, als er als Klauenpfleger im Allgäu ein Jahr von Bauernhof zu Bauernhof gefahren ist. Warum jetzt Aida? „Ich wollte reisen und mich als Koch weiterentwickeln“, sagt Nicolai Scheel und ist sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Jahreswechsel unter tropischer Sonne

Weihnachten und den Jahreswechsel erlebten die beiden Ulmer nicht in heimischen Gefilden, sondern unter tropischer Sonne. Ein Gefühl, das Annika Dehning bereits aus dem Vorjahr kannte. „Dann rückt die Crew noch näher zusammen. Es wurden Weihnachtslieder in unterschiedlichen Sprachen gesungen. Der Kapitän hielt seine Ansprache und überreichte persönlich Weihnachtsgeschenke. Das war sehr stimmungsvoll“, erzählt sie. „Natürlich habe ich die familiäre Nähe vermisst, den Besuch bei meinen Eltern, auch dass ich meine Brüder und mein Patenkind, auch unsere Border Collie Hündin Dina, nicht sehen konnte. Der Besuch der Christmette im Ulmer Münster fehlte mir ebenso – und die traditionelle Gänsekeule mit Klößen und Grünkohl am ersten Weihnachtsfeiertag.“

Zum ersten Mal an Weihnachten nicht in Ulm war Nicolai Scheel. Also gab’s keine Kartoffelpuffer von Oma, kein Wiedersehen mit seinem Vater und seinen drei Schwestern. „In Ulm fühle ich mich wohl, hier werde ich auch immer gern zurückkommen“, sagt er.

Annika Dehning war bis Ende März an Bord der Aidablu, für Nicolai Scheel geht’s erst Anfang Mai nach Hause. Danach heißt es erst einmal, Heimatluft zu genießen. Und doch gilt es schon bald wieder, die Koffer zu packen und sich für neue Abenteuer auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff zu rüsten. Dass sie die Karriereleiter noch ein wenig nach oben klettern möchte, daraus macht Annika Dehning kein Hehl. „Ich würde gern noch Activitiy Manager werden“, sagt sie. Auch Nikolai Scheel hat sich weitere berufliche Ziele gesetzt. Vom Leben und der Arbeit auf hoher See scheinen die beiden Ulmer noch lange nicht genug zu haben.

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