Anzeige gegen Gaffer nach tödlichem Unfall

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Erklärvideo: So funktioniert die Rettungsgasse
Erklärvideo: So funktioniert die Rettungsgasse
Deutsche Presse-Agentur
Schwäbische Zeitung

Vor den Augen von Kindern hat ein Vater nach Polizeiangaben das Geschehen nach einem tödlichen Autobahnunfall mit seinem Smartphone gefilmt. Gegen den Mann und neun weitere Gaffer seien Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, teilte die Polizei in Ulm am Freitag mit. Sie sollen am vergangenen Samstag an der A8 unweit der Anschlussstelle Ulm-West während der Rettungsarbeiten Filmaufnahmen gemacht und dabei teils für Verkehrsbehinderungen und sogar Beinaheunfälle gesorgt haben.

Bei dem Unfall war ein 66 Jahre alter Mann aus Bayern getötet worden. Er wurde von einem Feuerwehrauto erfasst, nachdem er aus seinem wegen eines Defekts liegengebliebenen Autos ausgestiegen war. Während der Rettungs- und Bergungsarbeiten sei das Verhalten etlicher Gaffer dokumentiert worden, gegen die nun Anzeigen erstattet werden, sagte Polizeisprecherin Claudia Kappeler der Deutschen Presse-Agentur.

Als erschütternd hätten die Polizisten das Verhalten des Vaters empfunden. Während seine Ehefrau vom Beifahrersitz und drei Kinder von der Rückbank aus zuschauten, habe der am Steuer sitzende Mann das Geschehen gefilmt.

Eine solche Sensationsgier macht uns sprachlos“

sagte Kappeler.

Bei dem Unfall beklagten die Rettungskräfte vor Ort vor allem auf der Gegenfahrbahn zahlreiche Schaulustige, deren Verhalten fast zu mehreren weiteren Unfällen geführt hätten. Krönung war eine Gruppe junger Männer in einem Mercedes, die auf der Gegenfahrbahn eine Panne simulierten, um optimalen Blick auf die Rettungsmaßnahmen zu haben. 

Immer wieder beklagten Einsatzkräfte, dass Gaffer „mit ihrem Verhalten das Tempo von Rettungseinsätzen drosseln“. In der Regel drohe solchen Leuten eine Ordnungsstrafe in Höhe von 125 Euro.

„Es ist schlimm, wenn Gaffer jeglichen Respekt vor den Opfern an einer Unfallstelle vermissen lassen“, sagte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) laut Mitteilung zu dem Fall. „Wenn jemand aber schon vor seinen eigenen Kindern Anstand und Respekt verliert, dann gibt es da kein Pardon.“ Filmen oder Fotografieren von hilflosen Unfallopfern sei eine Straftat. Er appelliere an Autofahrer: „Fahren Sie auf der Gegenseite ganz normal weiter und lassen Sie das Handy in der Tasche.“

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