Anwohner befürchten Verkehrschaos

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 Die Brachfläche östlich der Reuttier Straße zwischen Bahntrog und Bahnhofstraße soll mit einem Hotel und sechs Wohnhäusern beba
Die Brachfläche östlich der Reuttier Straße zwischen Bahntrog und Bahnhofstraße soll mit einem Hotel und sechs Wohnhäusern bebaut werden. Bei einem Informationsabend im Johanneshaus konnten Anwohner darüber diskutieren. Vor allem den zunehmenden Autoverkehr sehen viele kritisch. (Foto: Alexander Kaya)
Michael Ruddigkeit

Es ist einer der letzten Bausteine von NU 21: Das seit Jahren brachliegende Grundstück östlich der Reuttier Straße zwischen Bahntrog und Bahnhofstraße soll mit neuem Leben erfüllt werden. Unter anderem sollen dort ein Hotel und 100 Wohnungen gebaut werden. Stadt und Investor haben lange um Details gerungen. Inzwischen gibt es für das Großvorhaben zwei Bebauungspläne. Bei einem Bürgerinformationsabend im Johanneshaus stellten Mitarbeiter der Verwaltung Details vor. Etwa 70 Bürger hörten sich das an – und hatten einige Einwände. Vor allem die Ein- und Ausfahrt an der Reuttier Straße könnte aus Sicht vieler Anwohner zum Problem werden.

Das Plangebiet ist etwa einen Hektar groß. Direkt an der Reuttier Straße, gegenüber vom Bürogebäude der Kanzlei Schneider Geiwitz, soll ein 27,5 Meter hohes Hotel mit 130 Zimmern entstehen. Daran schließen sich insgesamt sechs Wohnhäuser an, die vier- bis achtgeschossig gebaut werden. Insgesamt 100 Wohnungen sollen so neu entstehen, darunter 23 Sozialwohnungen. Im alten Fabrikgebäude der Firma Leplat sind außerdem 65 Studentenappartements vorgesehen. Investor ist die Familie Cam, die das Grundstück bereits im Jahr 2013 erworben hat. Sie investiert eine zweistellige Millionensumme in das Vorhaben.

Erschließung kontrovers diskutiert

Über die Erschließung des schmalen Grundstücks haben bereits die Neu-Ulmer Stadträte kontrovers diskutiert. Geplant ist der Bau einer neuen Stichstraße, die bis zum Pennymarkt reicht. Darüber werden sowohl die neuen als auch die bestehenden Gebäude erschlossen. Die Stellplätze sollen größtenteils in einer Tiefgarage nachgewiesen werden, beim ehemaligen Leplat-Gebäude soll es auch oberirdische Parkplätze geben. Gutachter prognostizieren für das Gebiet etwa 650 Kfz-Fahrten pro Tag. Für die Ein- und Ausfahrt an der Reuttier Straße gilt die Regelung: „Rechts rein, rechts raus“.

Die Verkehrsbelastung geht zulasten aller Anwohner.

Nachbar in Neu-Ulm

Das geht nicht gut, fürchten viele Anwohner. „An der Ausfahrt wird’s ein Chaos geben“, sagte ein Bürger bei der Informationsveranstaltung. „Die Verkehrsbelastung geht zulasten aller Anwohner“, gab ein anderer Nachbar zu bedenken. „In der Reuttier Straße ist jeden Tag Kollaps“, beklagte eine Anwohnerin. „Jetzt kommen 650 Fahrzeuge, die sich irgendwo reinquetschen sollen.“ Dabei sei die Luftqualität jetzt schon schlecht. Ein weiterer Anlieger sagte, dass es bereits heute schwierig sei, einen Parkplatz in der Bahnhofstraße zu finden.

Jeder schreit: Rettet die Bienen. Und Neu-Ulm baut eine schöne Grünfläche zu.

Anwohnerin

Manche Besucher der Veranstaltung kritisierten das Projekt an sich. „Ich frage mich, warum an dieser Stelle gebaut wird“, sagte ein Mann. Eine Grünfläche an dieser Stelle würde der Stadt guttun. „Warum setzt man Leute in diesen Lärm? Machen Sie das rückgängig, wickeln Sie das ab“, forderte er unter Beifall einiger Anwohner. Eine Neu-Ulmerin meinte: „Jeder schreit: Rettet die Bienen. Und Neu-Ulm baut eine schöne Grünfläche zu.“

 Nach einem Wasserrohrbruch im Neu-Ulmer Stadtteil Ludwigsfeld sind etwa 400 Haushalte ohne Wasser.
Nach einem Wasserrohrbruch im Neu-Ulmer Stadtteil Ludwigsfeld sind etwa 400 Haushalte ohne Wasser. (Foto: SWU)

„Wir haben einen starken Zuzug. Es gibt einen großen Druck auf die Stadt, Wohnflächen zu entwickeln“, gab Stadtbaudirektor Markus Krämer zu bedenken. „Es ist wichtig, Brachflächen zu konvertieren. Die Leute wollen irgendwo wohnen.“ Und als Park sei das Gelände wirklich nicht gut geeignet. Es handle sich um eine innerstädtische, gut erschlossene Fläche. Die Leute, die dort künftig wohnen, könnten deshalb viel zu Fuß oder mit dem Rad machen.

Autoverkehr nähme noch mehr zu

Würde stattdessen auf der grünen Wiese neu gebaut, nähme der Autoverkehr noch mehr zu. Stadtrat Reinhard Junginger (CSU) als Stellvertreter des Oberbürgermeisters äußerte Verständnis für die Sorgen der Anlieger. Auch im Stadtrat sei über das Thema sehr lange diskutiert worden. „Man muss aber auch die andere Seite sehen“, sagte er. Für die künftigen Bewohner entstehe am Bahntrog ein Quartier der kurzen Wege, mit Schule, Kindergarten und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe. Und die Probleme beim Ein- und Ausfahren? „Das wird sich einspielen“, zeigte sich Markus Krämer überzeugt.

Eine Anwohnerin vermisste in der Planung Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Die müssten selbstverständlich gebaut werden, versicherte Krämer. Eine weitere Frage zielte auf das Thema Blindgänger ab. Das Gebiet ist im Zweiten Weltkrieg nicht so stark bombardiert worden wie etwa das Areal des Südstadtbogens. Sondierungen wird es trotzdem geben müssen. Der Satzungsbeschluss für die beiden Bebauungspläne soll noch vor der Sommerpause gefasst werden. „Wir wollen so schnell wie möglich loslegen“, sagte Bekir Cam auf Nachfrage unserer Redaktion. Voraussichtlicher Baubeginn werde 2020 sein.

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