Abriss oder Neubau – was passiert mit Ulms Traditionsgeschäft Abt?

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Was passiert mit dem Haushaltswarengeschäft Abt am Münsterplatz? Es soll offenbar saniert oder durch einen Neubau ersetzt werden
Was passiert mit dem Haushaltswarengeschäft Abt am Münsterplatz? Es soll offenbar saniert oder durch einen Neubau ersetzt werden. (Foto: Alexander Kaya)
Michael Ruddigkeit

Der Ulmer Einzelhandel steht vor einer weiteren großen Veränderung – und möglicherweise einer zusätzlichen großen Baustelle. Das alt eingesessene Haushaltswarengeschäft Abt zieht demnächst um.

Medienberichten zufolge soll das Kaufhaus übergangsweise in der Hirschstraße 10 unterkommen, wo bis Ende des Monats der Räumungsverkauf von K&L Ruppert läuft. Was der Ulmer Drogeriekönig Erwin Müller am Münsterplatz vorhat, ist unklar. Eine Anfrage unserer Redaktion blieb bis Dienstagabend unbeantwortet.

Im Grunde kommen nur zwei Optionen infrage: Entweder das in die Jahre gekommene Abt-Gebäude am Münsterplatz wird grundlegend saniert. Oder es wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

„Dass da was passieren muss und das nicht mehr zeitgemäß ist, ist jedem klar“, sagte Citymanager Henning Krone über die 60 Jahre alte Immobilie. „Wir hoffen nur, dass es ganz schnell geht, wenn es sich bewahrheiten sollte, dass Abt auszieht und ein Neubau entsteht.“

Längerer Leerstand am Münsterplatz wäre nicht gut

Ein längerer Leerstand am Münsterplatz wäre aus Sicht der Ulmer City Marketing überhaupt nicht gut. Müllers Pläne kennt Krone allerdings auch nur vom Hörensagen. Der Unternehmer habe sich gegenüber den Händlern in der Innenstadt noch nicht zu seinen Plänen geäußert.

Herr Müller ist Eigentümer des Gebäudes. Er muss wissen, was er da machen will.

Gunter Czisch, Ulms Oberbürgermeister 

„Gerüchte kommentiere ich nicht“, sagte Oberbürgermeister Gunter Czisch zu der anstehenden Veränderung am Münsterplatz. „Herr Müller ist Eigentümer des Gebäudes. Er muss wissen, was er da machen will.“ Natürlich habe es Gespräche mit der Firma Müller gegeben. Die Stadt habe ein großes Interesse daran, dass an der prägnanten Stelle etwas Hochwertiges entsteht. „Wir werden das positiv begleiten“, sagte Czisch.

Das Kaufhaus Abt ist eines der bekanntesten Geschäfte Ulms und ein Frequenz-Bringer in der Innenstadt. Der Günzburger Geschäftsmann Erwin Hutter hatte es nach der Abt-Pleite im Jahr 2004 mit einer Investorengruppe übernommen, komplett umgebaut und neu aufgestellt. Der Umsatz hat sich in der Folgezeit mehr als verdoppelt, das Traditionsunternehmen wurde ausgezeichnet. Branchenkenner sprachen von „einem Premiumhaus, einem Flaggschiff“.

Verkauf vor zwei Jahren kam überraschend

Umso überraschter waren viele, als Abt vor knapp zwei Jahren verkauft wurde – eben an Drogeriekönig Erwin Müller. Hutter blieb zunächst noch mit seiner Schreibwarenabteilung in dem Gebäude am Münsterplatz. Ende vorigen Jahres zog er sich ganz zurück.

Seitdem betreibt Müller das Geschäft komplett, in dem nach der Übernahme das Sortiment beispielsweise um Parfüm erweitert und so manches Detail verändert wurde – bis hin zum Glockenspiel an der Außenfassade, wo der Spatz am Pendel durch das Müller-Logo ersetzt wurde. Jetzt stehen erheblich größere Veränderungen ins Haus, die nicht nur von Kunden und Mitarbeitern mit Spannung verfolgt werden, sondern auch von der Stadt. Zumindest Teile des Vorhabens, wie der mögliche Bau einer Tiefgarage, bergen erheblichen Zündstoff.

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