450 neue Wohnungen entstehen an der Messe Ulm

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Auf dem Parkplatz Stockmahd (mit den Baumreihen) soll ein Wohngebiet entstehen. Die Wielandstraße soll dafür ein Stück nach Nord
Auf dem Parkplatz Stockmahd (mit den Baumreihen) soll ein Wohngebiet entstehen. Die Wielandstraße soll dafür ein Stück nach Norden verlegt werden und näher am Wohnpark Friedrichsau und an den Bahnschienen vorbeiführen. (Foto: Alexander Kaya)
Sebastian Mayr

Als vor zwei Jahren erstmals ein neues Wohngebiet auf dem Parkplatz Stockmahd bei der Ulmer Messe ins Gespräch kam, war noch von rund 250 Wohnungen die Rede. Nun könnten es fast doppelt so viele werden. Denn ein Planungsbüro aus Tübingen hat eine neues Konzept vorgelegt, durch das sich mehr Fläche bebauen lässt. Gleichzeitig, so das Urteil der Stadtverwaltung, werde das Wohnen dadurch attraktiver als beim ursprünglichen Plan.

Das mögliche Wohngebiet ist durch die Straßenbahn öffentlich gut angeschlossen, ein Halt für die geplante Regio-S-Bahn könnte die Anbindung noch weiter verbessern. Die nahe Friedrichsau bietet zudem hohen Freizeitwert für zukünftige Bewohner der Mehrfamilienhäuser. Deren Autos könnten in einem Parkhaus abgestellt werden, das den Parkplatz ersetzen und auch von Messebesuchern und Pendlern genutzt werden soll.

Im ersten Konzept nur 345 Wohnungen

In einem ersten Konzept, das die Stadt erarbeitet hat, waren bis zu 345 Wohnungen vorgesehen. Die Planer des Tübinger Büros Hähnig-Gemmeke schlagen vor, die Wielandstraße ein Stück nach Norden zu verlegen. Dadurch entstünde mehr Platz für die Wohnhäuser. Die Straße ist beschädigt und muss sowieso in näherer Zukunft saniert werden. Wird sie verlegt, entstehen lediglich sogenannte Sowiesokosten: Geld, das die Stadt für die Sanierung sowieso hätte ausgeben müssen.

Der Ulmer Bauausschuss hat entschieden, dass auf Grundlage dieses neueren Konzepts weiter geplant werden soll. Noch in diesem Jahr soll ein städtebaulicher Entwurf vorgelegt werden, 2019 soll das Bebauungsplanverfahren beginnen. Gebaut wird frühestens 2021. Die Stadt behält damit ihr Ziel im Blick, jedes Jahr 700 neue Wohnungen zu schaffen, um dem Druck auf dem Mietmarkt gerecht zu werden.

Nur zwei Räte gegen Planungen

Bei der Abstimmung im Bauausschuss sprach sich eine deutliche Mehrheit für die weiteren Planungen auf; mit den CDU-Politikern Siegfried Keppler und Winfried Walter enthielten sich lediglich zwei Räte. Doch unumstritten ist das Projekt nicht.

Denn wenn die neuen Häuser gebaut werden, kann die Friedrichsau nicht mehr erweitert werden. Auch die Bewohner des bestehenden Wohnparks Friedrichsau dürften die Pläne kritisch sehen. Wird die Wielandstraße versetzt, läuft sie näher an diesen Wohnhäusern vorbei.

Die CDU-Stadträte Keppler und Walter hatten in der Sitzung im Juli andere Sorgen im Blick: Freie Flächen in der Stadt sind rar. Das Gebiet auf dem Parkplatz Stockmahd könnte auf viele Arten genutzt werden. Neben der Erweiterung der Friedrichsau halten sie einen Ausbau der Messe für denkbar – oder einen Donau-Hafen für die Binnenschifffahrt. Entsteht das neue Wohngebiet, wären diese Varianten endgültig vom Tisch. Gehör fanden die Bedenkenträger nicht. Kepplers Sorge um den Donau-Hafen rief vielmehr Belustigung bei etlichen Kollegen im Gremium hervor – auch, weil der Wasserstand der Donau in diesem Jahr so niedrig war, dass an Schifffahrt nicht zu denken gewesen wäre.

Jedes Vorhaben auf einer freien Fläche verhindere andere Möglichkeiten, argumentierte Baubürgermeister Tim von Winning gegen die Einwände. Dass die Friedrichsau mit dem jetzigen Parkplatz Stockmahd sinnvoll erweitert werden kann, glaubt er nicht. Denn der Abschnitt wäre durch die Straßenbahn vom bestehenden Parkgelände abgetrennt und könnte kaum gleichwertig genutzt werden.

Für Busbahnhof nicht geeignet

Auch als möglicher neuer Fernbusbahnhof war die Fläche im Gespräch. Doch dafür ist sie aus Sicht der Stadtverwaltung und der Fernbusbetreiber nicht geeignet: Die öffentliche Anbindung ist nicht besser als am oft kritisierten Standort in Böfingen, zudem sind die Fernverkehrsstraßen weiter entfernt.

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