30-Millionen-Euro-Neubau: Hier soll in Institut für Quantentechnologien entstehen

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Prof. Dr. Wolfgang Schleich bei der Vorstellung des neu gegründeten DLR-Instituts.
Prof. Dr. Wolfgang Schleich bei der Vorstellung des neu gegründeten DLR-Instituts. (Foto: Kaya)
Oliver Helmstädter

Ein Jahr nachdem Ulm den Zuschlag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) für ein Institut rund um Quantentechnologien in Raumfahrtanwendungen bekommen hat, begannen die Forscher mit der Arbeit. Noch werden die Laboratorien im Alten Röhrenwerk eingerichtet.

Doch um was es geht, wurde der Ulmer Bundestagsabgeordneten Ronja Kemmer (CDU) bei einem ersten Besuch am Montag auf den ersten Blick verdeutlicht: Das Signet der zentralen Mission hängt im Flur: „BECCAL“. In der Langform dieser Abkürzung steht das „E“ für Einstein.

Für Normalsterbliche ist kaum verständlich, wie die Forscher Quantentechnologien und Einstein-Theorien zusammenbringen. Und für was die elf Millionen Euro jährlich (zehn Millionen vom Bund und eine vom Land) ausgegeben werden.

Dass es „nicht ein paar Knallköpfe sind, die sich im Weltraum austoben, betonte der Vizepräsident der Universität Ulm, Professor Joachim Ankerhold. Vielmehr würde durch die Ansiedlung des Instituts die Innovationskraft der gesamten Region gestärkt. Durch die elf Millionen Euro jährlich, mit denen sieben Professuren mit insgesamt 150 Stellen finanziert werden, hätten Forscher und Wirtschaftsvertreter der Region direkten Zugang zu einer der Zukunftstechnologien.

Wie Professor Wolfgang Schleich, der kommissarische Institutsdirektor, sagte gingen die Forscher nicht aus Spaß mit ihren Geräten in das All. Doch im dortigen Vakuum sei es viel einfacher.

Beispielsweise gehe es um sichere Kommunikation auf Basis der Quantentechnologie. Während Glasfaser nach 50 Kilometern an Grenzen komme, gelinge Quantenkommunikation über tausende Kilometer.

Damit würden erstmals Kommunikationsverbindungen möglich, deren Sicherheit physikalisch basiert – und nicht lediglich mathematisch berechnet – ist. „Wenn wir hier nichts machen, müssen wir am Ende Sicherheit in China kaufen“, sagte Schleich.

Eine weitere praktische Anwendung, an der in Ulm geforscht werde, seien Präzisionsinstrumente, wie sie etwa für Satellitennavigation auf der Erde Sinn machen könnten. Mit Quantensystemen lassen sich physikalische Größen wie Druck, Temperatur, Position, Zeit, Geschwindigkeit, Beschleunigung oder die Gravitation mit einer nie da gewesenen Präzision messen.

Das Ulmer Institut schlage eine Brücke zwischen Grundlagenforschung und Industrie. Im Zentrum stehen vier Forschungsbereiche: Quantenmetrologie, Quanteninformation und -kommunikation, Quantennanophysik und Quantensteuerung Zusammen mit dem Institut für Satellitengeodäsie und Trägheitssensorik in Hannover und dem Galileo Kompetenzzentrum in Oberpfaffenhofen habe das Institut in Ulm eine Vorreiterrolle in diesen Feldern.

Ein gebürtiger Ulmer spielt in dem nun neu in Ulm angesiedelten Forschungsfeld eine Schlüsselrolle: Albert Einstein war es, der mit seiner Grundlagenforschung in den 1920ern zu quantenmechanischen Zuständen die Grundlagen legte.

Mit einer in Ulm mitentwickelten Anlage zu Untersuchung ultrakalter Quantengase werden auf der Raumstation ISS künftig Experimente ausgeführt, die in Ulm entwickelt wurden. Und das nahe am absoluten Temperaturnullpunkt, also bei minus 273,15 Grad Celsius.

Das DLR-Institut zu Quantentechnologien im Ulmer Westen wird nun durch die Anmietung von zusätzlichen Stockwerken im „Alten Röhrenwerk“ bis kommendes Jahr auf 3800 Quadratmeter erweitert.

Doch auch das ist nach den Worten von Schleich nur eine Zwischenlösung: Es gebe bereits die Finanzierungszusage für einen Neubau an der Universität Ulm auf dem Eselsberg an der Uni West. Doch es werde noch mindestens fünf Jahre dauern, bis mit dem auf 30 Millionen Euro geschätzten Neubau begonnen werden könne.

Wie Professor Hansjörg Dittus der Vizepräsident der DLR, sagte, sei seine Institution gekommen, um zu bleiben. Das Deutsche Zentrums für Luft- und Raumfahrt gründe grundsätzlich nur ein Institut, wenn mindestens Arbeit für 25 Jahre vorhanden sei.

Dies sei im Falle der Quantentechnologien mehr als gegeben. „Das ist super für Ulm“, sagte die CDU-Politikerin Ronja Kemmer. Auch wenn das Thema für Fachfremde schwer zu begreifen sei, komme der Quantenforschung in der Zukunft eine immense Bedeutung zu.

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