234 Brücken und viele Sorgenkinder

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Jüngstes Sorgenkind ist die Gänstorbrücke.
Jüngstes Sorgenkind ist die Gänstorbrücke. (Foto: Andreas Brücken)
Sebastian Mayr

Als wäre da ein Springteufelchen, das immer wieder mit boshafter Miene aus seiner Kiste hüpft. Immer, wenn sich die Ulmer damit abgefunden haben, dass eine Brücke für viel Geld saniert oder sogar neu gebaut werden muss, geht die nächste kaputt. Jüngstes Sorgenkind ist die Gänstorbrücke, die nun bis auf Weiteres nur auf einer Spur pro Richtung befahrbar ist.

Die Verwaltung war gerade dabei, für den Gemeinderat einen neuen Bericht über den Zustand sämtlicher Brücken in der Stadt zu erstellen. Doch dafür ist nun keine Zeit mehr. „Jetzt müssen wir schauen, dass wir die Gänstorbrücke in den Griff bekommen“, sagt Gerhard Fraidel, der zuständige Leiter der Abteilung Verkehrsinfrastruktur.

Ulm hat im deutschlandweiten Vergleich überdurchschnittlich viele Brücken. Das liegt an den Bergen, den Gewässern und der Bahn. Nahezu die Hälfte der 234 Brücken und Unterführungen ist in den 60er- und 70er-Jahren gebaut worden, dort stehen nun nach und nach Generalsanierungen an. Betroffen sind vor allem die Bauwerke entlang der B10 und im Donautal sowie die Zuwege zur Uni. Derzeit plant die Stadt, jährlich sieben Millionen Euro für Sanierungen und Neubauten auszugeben. Nun fordert die CDU-Fraktion im Gemeinderat, wegen der wiederholten Probleme zusätzlich 7,5 Millionen Euro pro Jahr bereitzustellen. SPD-Rat Martin Rivoir, der auch im Landtag sitzt, hat derweil beim baden-württembergischen Verkehrsministerium nach Fördergeld für die Gänstorbrücke angefragt. Ein Überblick über große Brücken der Stadt und die Probleme, die Ulm mit ihnen hat:

Gänstorbrücke Die Gänstorbrücke ist aus Sicherheitsgründen teilweise gesperrt, nur zwei der vier Spuren sind noch für Autos befahrbar. Denn Spannglieder im Inneren des Bauwerks sind an mehreren Stellen vom Rost zerfressen. Die Stadt ist nun dabei, herauszufinden, was genau gemacht werden muss, um die Brücke wieder funktionstüchtig zu machen – oder ob sie komplett neu gebaut werden muss. Dazu öffnen Mitarbeiter nach Angaben von Fraidel die Brücke an bestimmten Stellen, um verlässliche Informationen zu gewinnen. In den kommenden Wochen soll feststehen, wie es dort weitergeht.

Brücke über das Blaubeurer Tor Die Brücke ist 1971 errichtet werden. 40 Jahre, rechnen Ingenieure und Stadtplaner, muss ein solches Bauwerk halten. Dann steht eine Sanierung an. Doch ist die auf der viel befahrenen Brücke wirtschaftlich? Das wird untersucht. Eine umfangreiche Nachberechnung ist nötig. Sie soll Ende des Jahres vorliegen, sagt Abteilungsleiter Fraidel. Dann entscheidet sich, ob die Brücke über das Blaubeurer Tor saniert oder gleich neu gebaut wird.

Wallstraßenbrücke 62 600 Autos fahren jeden Tag über die Wallstraßenbrücke. Das geht aus dem Brückenzustandsbericht 2016 hervor. Für das Bauwerk gilt das gleiche wie für die benachbarte Brücke über das Blaubeurer Tor. Sie ist ähnlich alt (Baujahr 1972) und in ähnlich schlechtem Zustand. Schon vor zwei Jahren erkannte die Stadt bei beiden Überwegen „dringenden Handlungsbedarf“. Auch hier ist ein Ersatzneubau denkbar.

Ludwig-Erhard-Brücke Der Verkehrsweg zwischen Karlstraße und Blaubeurer Tor ist erst 1989 erbaut worden und hätte viel länger halten sollen. Doch die Brüstung an den Gehwegen ist absturzgefährdet. Bei den Untersuchungen hat die Stadt auch einige weitere Mängel entdeckt. Derzeit läuft eine Ausschreibung, bei der das neue Aussehen der Brücke bestimmt wird. Gerhard Fraidel rechnet damit, dass die Arbeiten 2019 vorgenommen werden können. Allein die provisorische Schutzmaßnahme für Radler und Fußgänger kostet 300 000 Euro. Für die Sanierung fallen wohl je Seite rund 2,5 Millionen Euro an.

Adenauerbrücke Die bayerische Seite der Adenauerbrücke gehört der Bundesrepublik Deutschland, die baden-württembergische der Stadt Ulm. Derzeit läuft das Verfahren, nach dem beide Hälften des Bauwerks dem Bund gehören sollen. Der soll dann den voraussichtlich 20 bis 26 Millionen teuren Ersatzneubau der B10-Brücke bezahlen. Dieser ist, Stand jetzt, in spätestens acht Jahren fällig, so Fraidel. Bis zu 10 000 Fahrzeuge am Tag rollen über die Adenauerbrücke.

Beringerbrücke Für Autos ist die Beringerbrücke aus Sicherheitsgründen bereits gesperrt, nur Fußgänger und Radfahrer dürfen die Bahnschienen auf diesem Weg überqueren. Das Bauwerk ist keiner der Hauptverkehrswege der Stadt. Der nötige Ersatzneubau wird trotzdem immens teuer. Denn die Beringerbrücke steht unter Denkmalschutz, deshalb müssen strenge Auflagen eingehalten werden. Kostenpunkt laut Brückenzustandsbericht 2016: etwa 30 Millionen Euro.

Herdbrücke Im April vorigen Jahres sind die Arbeiten an der Herdbrücke zu Ende gegangen. In erster Linie hatte die nicht intakte Abdichtung die Sanierung nötig gemacht, die die Lebensdauer der Brücke verlängern soll. Am Sonntag, 15. Juli, wird die älteste Donaubrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm wieder gesperrt. Aber nur zwischen 8 und 15 Uhr – und nur für das Brückenfrühstück, das zum Programm des Donaufests gehört.

Blautalbrücke Mit mehr als 12 200 Quadratmetern Fläche ist die Blautalbrücke am Berliner Ring die größte der Stadt. Errichtet wurde sie 2002, Probleme sind derzeit nicht bekannt.

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