200 Einsätze wegen Corona-Verstößen seit Juni

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Anderen ins Gesicht zu husten, geht gar nicht. Die Ulmer Polizei kündigt an, Verstöße gegen die Corona-Regeln weiter zu ahnden.
Anderen ins Gesicht zu husten, geht gar nicht. Die Ulmer Polizei kündigt an, Verstöße gegen die Corona-Regeln weiter zu ahnden. (Foto: SZ)
Schwäbische Zeitung

Regelmäßig muss die Polizei nach eigener Auskunft einschreiten, weil Menschen gegen die Corona-Verordnungen verstoßen. Dies geschehe zwar nicht allzu häufig, aber oft genug, so die Polizei am Mittwoch. Und sie kündigt an: Ihre Kontrollen fort- und Schwerpunktkontrollen durchzuführen.

Seit Ende Juni meldet das Polizeipräsidium Ulm knapp 200 Einsätze im Zusammenhang mit der Pandemie in seinem Bereich. Diesen umfassen die Landkreise Alb-Donau, Biberach, Göppingen, Heidenheim und die Stadt Ulm. 47 Ordnungswidrigkeiten waren die Folge, aber auch zehn Strafanzeigen, so die Polizei.

Aus nächster Nähe ins Gesicht gehustet

Ein recht heftiger Verstoß geschah Ende August in Laupheim. Ein 35-Jähriger wurde angezeigt. Er habe einer Kundin in einem Geschäft aus nächster Nähe ins Gesicht und in den Nacken gehustet. Als die Frau ihn ansprach, habe er sie „aufs Gröblichste“ beleidigt, schilderte sie später der Polizei. Auch draußen auf der Straße, wo sich die Auseinandersetzung fortsetzte, habe der Mann ihr aus kürzestem Abstand ins Gesicht gehustet. Die Polizei stellte den 35-Jährigen kurz darauf. Zunächst fanden die Polizisten bei ihm ein verbotenes Messer, dann nahmen sie ihn mit zur Wache, weil er stark betrunken war. Das bestätigte ein Alkoholtest. Zudem schien der Verdächtige unter Rauschgifteinfluss zu stehen. Er musste eine Blutprobe abgeben und sich ärztlich untersuchen lassen, bevor der Mann auf freien Fuß gesetzt wurde. Das Ergebnis der ärztlichen Untersuchung sorgte für Beruhigung: Der Mann war nicht krank.

Einer Strafanzeige sieht auch ein 56-Jähriger entgegen. Anfang September betrat er ein Geschäft in Göppingen ohne den vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz. Zunächst habe er gar nicht reagiert, als er aufgefordert wurde, eine Maske aufzusetzen, dann habe er sie nicht richtig aufgesetzt. Einen Kunden, den ihn darauf angesprochen hatte, habe er schließlich aus kürzester Entfernung angehustet. Auf dem Parkplatz schließlich habe der 56-Jährige den Kunden noch bedroht, schilderte dieser später der Polizei. Die Polizei ermittelte den Verdächtigen kurz darauf.

Ebenfalls ohne Maske war Anfang September ein 38-Jähriger in einem Nattheimer Geschäft (Kreis Heidenheim). Er weigerte sich, den Schutz aufzusetzen und wollte ohne Einkauf das Geschäft nicht verlassen.

Ohne Maske im Zug

Am selben Tag waren in Königsbronn zwei Jugendliche aufgefallen, weil sie im Zug keine Mund-Nasen-Bedeckung trugen. Als der Lokführer sie darauf ansprach, seien sie aggressiv geworden, so die Polizei. Die holte einen der Burschen aus dem Zug, der andere war bereits geflüchtet. Im Rahmen der Kontrolle erfuhr der 20-Jährige, dass er ein Bußgeld zu erwarten hat.Nach der Kontrolle war der Zug abgefahren, ohne den 20-Jährigen.

Aggressiv in Ulm und Ehingen

Anfang September wollte ein 40-Jähriger ohne Mund-Nasen-Bedeckung in ein Ulmer Geschäft, was das Personal ihm verwehrte. Sofort wurde er ausfällig und beleidigte einen Angestellten. Der Begleiter des 40-Jährigen beruhigte ihn und brachte den aggressiven Mann nach draußen. Dort kontrollierte die Polizei dann den Betrunkenen.

Bereits Ende August soll eine 45-Jährige eine Tankstelle in Ehingen betreten haben, ebenfalls ohne Mund-Nasen-Bedeckung. Als die Angestellte die Frau darauf ansprach, zeigte sie sich aggressiv und beleidigte das Personal. Die Polizei ermittelte die 45-Jährige kurz darauf als mutmaßliche Täterin.

„Unverantwortlich und gefährlich“

Die relativ geringe Zahl an Verstößen zeige, so die Polizei, dass sich die meisten Menschen an die Vorschriften der Corona-Verordnungen halten. Es seien nur Einzelne, die sich weigern oder sorglos mit der Tragepflicht umgehen. Wer aber den Infektionsschutz missachte, handele unverantwortlich und gefährde sich und andere, betont die Polizei. Deshalb werde sie auch in der nächsten Zeit die Kontrollen der Maskentragepflicht im öffentlichen Personennahverkehr fortsetzen.

Diese finden in enger Abstimmung mit den zuständigen Ordnungsämtern statt und sollen die Bürger für das pflichtbewusste Einhalten der Corona-Regeln sensibilisieren. Denn die Polizei setzt auch weiterhin auf eine breite Prävention und Information, etwa durch Gespräch mit den Menschen.

Bußgeld bis zu 250 Euro

„Es ist nicht unsere Absicht, jemanden zur Kasse zu bitten. Wir wollen die Menschen sensibilisieren und überzeugen“, sagt die Polizei. Deshalb gehe sie regelmäßig mit Augenmaß vor. Wer allerdings unverbesserlich die Regelungen missachte, der müsse mit Konsequenzen rechnen. Das bedeutet, dass in solchen Fällen ein Bußgeld verhängt wird, das bis zu 250 Euro betragen kann. In Einzelfällen könne auch eine Straftat vorliegen, was eine Freiheitsstrafe oder Geldstrafe zur Folge haben können, sagt die Polizei. Jede und jeder Einzelne könne und müsse seinen Beitrag im Kampf gegen die Pandemie leisten. Das sei recht einfach, mit der AHA-Regel: Abstand, Hygiene und Alltagsmaske.

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