13-jähriger Waisenjunge aus Kenia in Ulmer Klinik operiert

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 Joshua lebt in einem Kinderdorf, das eine Familie aus der Region aufgebaut hat. Er litt an schweren Hüftproblemen und wurde jet
Joshua lebt in einem Kinderdorf, das eine Familie aus der Region aufgebaut hat. Er litt an schweren Hüftproblemen und wurde jetzt im RKU in Ulm operiert. (Foto: RKU)
Schwäbische Zeitung

Joshua aus Kenia hat seine Hüft-Operation im RKU in Ulm gut überstanden. Der 13-Jährige wohnt in dem afrikanischen Kinderdorf „Nice View“ in Msambweni, das von der Familie Dürr aus Ingstetten vor 20 Jahren aufgebaut wurde und seitdem geleitet wird.

Bei Joshua wurde ein schwerer Abrutsch des linken Hüftkopfes diagnostiziert, der in Kenia nicht operiert werden konnte. Lange litt der Junge deshalb unter Schmerzen. Das RKU hat gemeinsam mit dem Roggenburger Verein „Projekt Schwarz-Weiß“ jeweils die Hälfte der Kosten für Operation und Reha übernommen.

Ende April kam Joshua, ausgerüstet mit einem dreimonatigen Visum und in Begleitung von Denise Dürr, der Tochter der Kinderdorf-Gründer Gudrun und Edmund Dürr, nach Deutschland. Am 29. April wurde Joshua im RKU von der Kinderorthopädin Dr. Rita Taurman operiert.

„Bei Joshua haben wir eine so genannte Imhäuser-Osteotomie vorgenommen, eine komplexe Korrektur des hüftnahen Oberschenkelknochens“, erklärt Oberärztin Dr. Taurman. Dabei wird nach einer Korrektur der Knochen eine Winkelplatte eingebracht.

Knochen muss jetzt heilen

Der Knochen muss nun in den nächsten Wochen heilen. Die rechte hüftgelenksnahe Wachstumsfuge wurde in derselben Operation vorsorglich verschraubt, denn in bis zu 50 Prozent der Fälle kann auch diese Seite im Verlauf abrutschen.

Seine Operation hat Joshua, der neben Englisch und Kisuaheli auch etwas Deutsch spricht, gut überstanden. Nach einigen Tagen Bettruhe auf der kinderorthopädischen Station im RKU wurde er von Physiotherapeut Eberhard Nill erstmals mobilisiert, er durfte aufstehen und mit Hilfe von Unterarmgehstützen seine ersten Schritte machen. Noch etwas schwindelig war dem 13-jährigen Jungen dabei.

Joshua schaut vielleicht noch im Legaland vorbei

Die kommenden Tage wird Joshua weiterhin intensive Physiotherapie und Gehübungen machen und dann das RKU vorerst in Richtung Roggenburg verlassen, wo er bei Marcel Dürr, einem Sohn der Kinderdorf-Gründer, wohnen wird. Wenn er wieder auf den Beinen ist, hat Joshua vielleicht auch noch einmal Gelegenheit, das Legoland in Günzburg zu besuchen, wo er vor seiner OP schon einmal gewesen ist. Die Achterbahn dort würde er auf jeden Fall gerne noch einmal fahren.

Joshua sei als Neugeborenes in einem kalten Brutkasten gefunden worden, berichten die Dürrs. Sein Gesicht sei von Moskitostichen geschunden gewesen, das Baby von Ameisen und Termiten angefressen. Mit fünf Tagen habe er gerade einmal etwa zwei Kilo gewogen. Die Familie Dürr nahm den Säugling im Kinderdorf aus, die anderen Kinder suchten den Namen Joshua aus. Der heute 13-Jährige besucht mittlerweile die achte Klasse und will nach seiner Rückkehr nach Kenia seinen Abschluss machen können.

„Projekt Schwarz-Weiß“ wurde 1997 gegründet, 2000 nahm das aufgebaute Kinderdorf die ersten Kinder auf. Seitdem finden verwaiste und verwahrloste Buben und Mädchen dort Schutz, werden medizinisch versorgt, erhalten Schulbildung und werden auch handwerklich ausgebildet. Das Projekt finanziert sich durch Spenden.

Ulmer Klinik entwickelt Pflegeausbildung weiter
In Pflegeberufen herrscht seit Jahren Fachkräftemangel. Das wirkt sich auch auf die Kliniken in unserer Region aus. Die Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU) haben sich einen neuen Ansatz überlegt, um ihre Azubis weiter zu qualifizieren.
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