Mitarbeiter bespuckt und beleidigt: Walter Haimerl schließt Läden in Schelklingen und Öpfingen

Zum Anfang waren alle noch zuversichtlich. Das Ehepaar Haimerl mit Schelklingens Bürgermeister Ulrich Ruckh im Jahr 2018, als di
Zum Anfang waren alle noch zuversichtlich. Das Ehepaar Haimerl mit Schelklingens Bürgermeister Ulrich Ruckh im Jahr 2018, als die alte Postfiliale schloss und der Blumenladen die Tätigkeiten übernahm. (Foto: arc/Jon)
Redakteur

Wer Walter Haimerl kennt, weiß, dass der Geschäftsmann aus Allmendingen stets bemüht ist, alle Kunden zufriedenzustellen. Entsprechend gut sei die Auftragslage, wie der Blumenhändler selbst bestätigt. Die aktuelle Schließung seiner Ladengeschäfte in Schelklingen und jetzt auch in Öpfingen will im ersten Moment nicht recht zu dieser Aussage passen.

Doch Haimerl erklärt: Es seien einerseits betriebswirtschaftliche Gründe, andererseits aber auch ein stetiger Ärger durch den Postbetrieb, der am Ende mehr als nur „nicht rentabel“ gewesen sei.

Das Postgeschäft rechne sich einfach nicht als Dependance in einem Blumenladen. Haimerl macht eine einfache Rechnung auf: „Ein Mitarbeiter kann aufgrund des Computersystems maximal 30 Pakete in der Stunden annehmen, oder ausgeben. Dafür bekommen wir 40 Cent pro Vorgang von der Post, das wären in der Spitze 12 Euro pro Stunde. Aber meine Mitarbeiter verdienen alle mehr als Mindestlohn.“

Auch bei anderen Dienstleistungen, wie beispielsweise dem Briefmarkenverkauf oder ähnlichem, würden Aufwand und Vergütung in keinerlei Relation stehen. Es würde viel erwartet und es gebe wenig Zugeständnisse.

Postkunden sind kontraproduktiv für Floristen

Besonders nachdem sich das Paketgeschäft in der Pandemie verdreifacht hätte und Haimerl sogar extra neue Mitarbeiter dafür angestellt habe, sei dies immer deutlicher geworden. „Wir haben natürlich auch damit gerechnet, dass das Postgeschäft ein Frequenzbringer für unser Blumengeschäft ist, aber wir mussten lernen, dass, wer bei Amazon bestellt, keine drei Euro für eine Rose ausgibt.

Vielleicht einer von 100 Postkunden hat bei uns auch Blumen gekauft“, berichtet Haimerl deutlich ernüchtert. Generell sei das Postgeschäft wohl eher für Läden mit Lotto, Zigaretten, Getränken und ähnlichen Waren geeignet, da hier wohl eher etwas mitgenommen werde. Vielmehr hätten sich die Posttätigkeiten sogar negativ auf den Blumenladen ausgewirkt. Teilweise lange Schlangen und Unruhe im Laden hätten dafür gesorgt, dass Stammkunden aus Schelklingen lieber nach Allmendingen gekommen wären, um in Ruhe einzukaufen.

In Öpfingen habe sich das Blumengeschäft nicht wie erwartet entwickelt. So sei der Laden neben dem Rathaus von den Bürgern eher als Post mit Blumen wahrgenommen worden, als Blumenladen mit Postfiliale. Und auch hier hätten die beiden Geschäftsbereiche nicht zusammengepasst. Um einen Blumenstrauß zu binden oder ein Gesteck zu erstellen, brauche es Kreativität und auch Zeit. Mit den Hufen scharrende Postkunden, die der Floristin im Nacken säßen, wären da mehr als kontraproduktiv.

Anspucken und Beleidigen

Ein weiterer Punkt für den Rückzug aus dem Postgeschäft und der Schließung des Ladens in Schelklingen sei der Umgang mancher Postkunden mit Haimerls Mitarbeitern gewesen. Die Postkunden seien einfach eine andere Klientel, als die Kunden eines Blumenladens.

„Ich musste schon an den Standort fahren, weil eine Mitarbeiterin in Tränen aufgelöst war und eine andere bespuckt wurde. Das war zwar nicht die Regel im Umgang, viele Kunden waren höflich. Aber es gab auch einen nennenswerten Teil, der ruppig wurde“, so Haimerl.

Wenn Pakete nicht rechtzeitig vor Ort waren oder später abgeholt worden seien, weil der Post-Lastwagen beispielsweise eine Panne hatte, bekamen das immer die Mitarbeiter des Allmendinger Geschäftsmanns ab, ohne dass sie etwas dagegen tun hätten können oder gar dafür verantwortlich gewesen wären. „Deswegen war die Stimmung im Laden immer häufiger sehr angespannt. Gerade für einen Blumenladen ein Unding.“

Ein Geschäft macht einfach keinen Sinn, wenn man am Ende noch Geld drauflegen muss.

Walter Haimerl

Auch die Partnerschaft mit der Post als Unternehmen habe stetig abgebaut. Habe es am Anfang noch Kalender, Bleistifte und anderes Büromaterial gegeben, so stellte das Unternehmen in den Hochphasen der Pandemie nicht einmal einen Spuckschutz für die Filialen. Die rund 450 Euro an Grundvergütung für Heizung, Strom und Versicherungen seien ohnehin schon knapp bemessen gewesen.

Auf mehrfache Anfrage nach einer Anpassung, wegen des erhöhten Kundenaufkommens und der steigenden Preise, wurde Haimerl immer wieder abgewiesen oder vertröstet. „Ein Geschäft macht einfach keinen Sinn, wenn man am Ende noch Geld drauflegen muss“, stellt Walter Haimerl am Ende seiner rund vierjährigen Erfahrungen mit der Postfiliale in seinem Laden in Schelklingen fest.

Als Danke eine Tafel Schokolade

Dem Fass den Boden hätte dann aber das „Dankesschreiben zum Ende der Pandemie für die Mehrarbeit“ im vergangenen Jahr ausgeschlagen. Anstatt eines Corona-Bonus für Filiale und Mitarbeiter hätte es gerade einmal ein paar warme Worte und eine einzige Tafel Ritter-Sport-Schokolade gegeben. In Summe hat Walter Haimerl dann rechtzeitig die Notbremse gezogen, wie er sagt, und der Post noch deutlich vor seiner Kündigungsfrist mitgeteilt, dass er aus seinem Vertrag aussteige.

So verhält sich einfach kein verlässlicher Geschäftspartner.

Walter Haimerl

Er hatte sich zudem eine kurze Übergangsfrist erbeten, um Schelklingens Bürgermeister Ulrich Ruckh seine Entscheidung und seine Gründe mitzuteilen. „Das Ende vom Lied war, dass ein Mitarbeiter der Post gleich am nächsten Tag in der ganzen Schelklinger Innenstadt umhergesprungen ist und nach einem neuen Standort gesucht hat. So verhält sich einfach kein verlässlicher Geschäftspartner.“

Post müsse Geschäftsmodell überarbeiten

Generell kann sich Walter Haimerl nicht vorstellen, dass ein Unternehmen eine Filiale ohne Probleme in ein Ladengeschäft integrieren könne. „Wenn kleine Kommunen weiterhin eine Post-Filiale haben möchten, wird es darauf hinauslaufen, dass die Gemeinden hohe Beträge für den Abmangel einplanen müssen“, prognostiziert Haimerl, um wirtschaftlich zu arbeiten, müsse die Post ihr jetziges Geschäftsmodell deutlich überarbeiten.

Generell tue ihm die Schließung der Geschäfte in Schelklingen und Öpfingen leid, denn er und seine Frau hätten die Kommunen gerne unterstützt und auch die meisten Bewertungen der Kunden im Internet seien positiv gewesen, aber irgendwann sei einfach Schluss.

Sämtliche Floristen aus Schelklingen und Öpfingen wechseln im Übrigen mit den Schließungen an den Standort nach Allmendingen und werden dort weiterbeschäftigt.

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