Viele Kreuze an den Wegen beeindrucken Wanderreiterin Julia Krüger

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Julia Krüger öffnete den Blick auf Kreuze am Weg.
Julia Krüger öffnete den Blick auf Kreuze am Weg. (Foto: SZ- kurt efinger)
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„Evangelisch“, antwortet Julia Krüger kurz und bündig auf die Frage nach ihrer christlichen Religionszugehörigkeit. Am Freitag berichtete sie in der Kirche von Sondernach vor 50 interessierten Zuhörern von Wegkreuzen, die ihr bei Wanderritten im katholischen Umland auffielen.

Julia Krüger wuchs im Bergischen Land auf und richtete sich vor einigen Jahren auf einem alten Bauernhof bei Mehrstetten einen Wanderreitbetrieb ein. Nordwestlich des Ortsteils Greuth findet man sie und ihr aus 14 Mulis und vier Pferden bestehendes Team am Kohlweg in Richtung Münsingen, wenn sie gerade zuhause ist. Das ist nicht immer der Fall, denn Julia Krüger ist oft mit Wanderreitgruppen unterwegs und macht sie mit Natur und Leben der Schwäbischen Alb vertraut.

Bei ihren Wanderitten mit Gästen durchstreift sie vielfach den südöstlichen Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Besuchern des Landstrichs fallen in etlichen Orten und auf ihren Fluren Kreuze am Rand der Wege auf. „Das sind katholische Orte“, klärt Julia Krüger die Mitreiter auf. In evangelischen Gemeinden sucht man Weg- oder Flurkreuze vergebens.

Weg- oder Flurkreuze in einem Dorf oder drumherum können aus Holz, Stein oder Metall bestehen. Häufig sind sie als Kruzifixe, das heißt mit der Darstellung des gekreuzigten Christus, gestaltet. Sie sind Zeichen christlichen Glaubens nach katholischer Tradition. D ie Anlässe für ihre Errichtung sind vielfältig. Eine große Menge von ihnen hat Julia Krüger fotografiert. Allein in Bremelau und Umgebung hat sie 18 Kreuze in verschiedener Ausführung gefunden. Selbst ein unscheinbares und von Gebüsch umwuchertes Exemplar an einer Schuppenwand blieb ihr beim langsamen Ritt durchs Dorf nicht verborgen.

Warum in und um katholische Orte so viele Wegkreuze aufgestellt sind, erklärt Julia Krüger mit der Kirchengeschichte. „400 Jahre lang haben die Christen ohne Kreuz gelebt“, sagt sie in Bezug auf den Beginn. Der Fisch sei Symbol und Erkennungszeichen der Glaubensgemeinschaft gewesen. Nachweisen lässt sich das Kreuz als generelles christliches Symbol erst seit der Zeit der Völkerwanderung (375–568). Als erste Kruzifixdarstellung gilt das Enghausener Kreuz, entstanden um 890. Nach der Reformation intensivierte sich die Kreuzaufstellung auf katholischer Seite. Im reformierten Raum beschränkte man sich auf ein Kreuz über dem Altar der Kirche. In Rathäusern evangelischer Gemeinden ist es nicht üblich.

„Es lohnt sich, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen“, sagt Julia Krüger. Heute greife man auch auf evangelischer Seite wieder mehr auf christliche Symbole zurück. Uta Dannecker, die in Sondernach wohnende Leiterin des Biosphäreninformationszentrums in Hütten, hatte Julia Krüger im Rahmen des Projekts „Kirchen im Biosphärengebiet – Entwicklungsräume für Mensch und Natur“ zu dem Vortrag in der einzigen evangelischen Kirche im Schmiechtal bewogen. Als das Herzogtum Württemberg 1582 in der ein Jahr zuvor eingegliederten Herrschaft Neusteußlingen die Reformation eingeführte, wurden die Sondernacher Christen der evangelischen Kirchengemeinde Mehrstetten zugeschlagen. Weil sie gegen den weiten Weg zur Kirche protestierten, erhielten sie 1598/99 eine eigene Kapelle und einen Friedhof im Ort.

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