Solveig Senft schafft Alltagskunst

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Schwäbische Zeitung

Filigrane Porzellangesichter, die als Flaschenkorken benutzt werden können, sind die neuesten Werke der Schelklinger Kunsterzieherin Solveig Senft. Die 52-Jährige probiert gerne neue Materialien aus, arbeitet aber hauptsächlich mit Zement und Ton. Wichtig ist ihr, dass „man Kunst auch im Alltag benutzen kann“.

Von unserer Redakteurin   Regine Reibling

Die Wand in ihrer Wohnung hat sie vor neun Jahren bemalt. „Damals haben noch Freunde von mir hier gewohnt“, erzählt Solveig Senft. „Sie haben mir bei der Gestaltung freie Hand gelassen.“ So sind neben einem Telefonhäuschen, in das die Gegensprechanlage integriert ist, mehrere Figuren zu sehen. Auch im Garten finden sich Senfts Eigenkreationen. Sie hat mehrere Sonnenschirme mit Textilfarbe bemalt. „Kunst sollte in den Alltag einfließen“, betont Solveig Senft.

So kam sie auch auf die Idee, Porzellangesichter zu gestalten, die als Flaschenkorken genutzt werden. Die Figuren werden noch bis Ende August im Schelklinger Stellwerk ausgestellt. Als Vorbild dienten die klassischen griechischen Statuen, sagte Senft. Pro Gesicht braucht Senft zwischen fünf bis zwölf Stunden, die sie in der Töpferwerkstatt im Schelklinger Museum verbringt. Dort stellt sie auch Vasen und andere Gefäße aus Ton her. „Ich probiere gerne Neues aus, auch neue Materialien aus“, sagt die gebürtige Bayerin, die in München aufwuchs.

Begonnen hat sie als Jugendliche mit der Malerei. In den 80er Jahren studierte Solveig Senft in München an der Kunstakadamie. Der Jugenstil der Stadt, der italienische Einfluss, aber auch der Expressionismus habe sie geprägt, erzählt Senft. Ihren Stil beschreibt sie als „figurativ“ und „verspielt“.

Hauptberuflich arbeitet Senft seit sieben Jahren als Kunstlehrerin am Johann-Vanotti-Gymnasium in Ehingen. Davor unterrichtete sie elf Jahre an der Urspringschule und zog vor 18 Jahren nach Schelklingen.

„Problematischer Werkstoff“

Ihre Freizeit nutzt sie für ihre Kunstwerke und verschiedene Kunstprojekte unter anderem mit der Volkshochschule Ulm. Seit einigen Jahren arbeitet sie vorrangig mit Zement. „Es ist ein problematischer Werkstoff", der in Deutschland selten verwendet werde, weiß Solveig Senft. Denn bei Minusgraden könne etwas wegsprengen.

Die Arbeit mit Zement sei auch körperlich angstrengend, beschreibt die Künstlerin die Herausforderung des Werkstoffs. Die Schelklingerin hat vor allem liegende Figuren aus Zement geschaffen, wie Echsen und Schlangen, die mit Mosaiksteinen verziert sind. Eine Figur steht beispielsweise am Himmelreich in Blaubeuren. Die meisten Zement-Plastiken fertigt Solveig Senft aber in Griechenland bei Freunden. Auch in diesen Sommerferien will sie wieder ans Mittelmeer reisen – diesmal hat sie sich aber ein Gemälde vorgenommen.

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