So will sich die Urspringschule optisch verändern

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Vorsitzender und Leiter der Urspringschule, Rainer Wetzler, an der Stelle, an der spätestens zum 90-jährigen Jubiläum nächstes J
Vorsitzender und Leiter der Urspringschule, Rainer Wetzler, an der Stelle, an der spätestens zum 90-jährigen Jubiläum nächstes Jahr das Wasserrad stehen soll. (Foto: SZ- Sven Koukal)
Sven Koukal

Wie lässt sich eine alte Klosteranlage Schritt für Schritt mit selbst produzierter, klimafreundlicher Energie versorgen – und wie entsteht daraus gleichzeitig ein pädagogisches Projekt? Über diesen beiden Fragen brütete der Leiter der Urspringschule, Rainer Wetzler, vier Jahre lang. „Es kann nicht sein, dass in der Sekunde 300 Liter Wasser aus der Urspringquelle weglaufen, ohne das etwas damit passiert“, erklärt er.

Die Lösung: Bald soll sich inmitten des Geländes ein Wasserrad drehen, das rund ein Fünftel des Energieverbrauchs der Anlage liefert. Es soll Baustein des Konzepts „Energie 2030“ sein, für das sich die Schule einsetzt.

 Die alte Turbine in einem Keller auf dem Gelände ist schon lange nicht mehr in Betrieb.
Die alte Turbine in einem Keller auf dem Gelände ist schon lange nicht mehr in Betrieb. (Foto: SZ- Sven Koukal)

Hinter dem Konzept steht die Idee, dass in der Anlage verbrauchter Strom dort künftig auf umweltfreundliche Art erzeugt werden soll. Auf den Hallendächern könnten Photovoltaikanlagen angelegt werden. Hinzu kommt, dass neue Gebäude nach neuesten Energiestandards gebaut sowie die bestehenden sukzessive umgerüstet werden. Das Wasserrad symbolisiere das Konzept auch sichtbar nach außen, erklärt der Schulleiter.

Fischzuchtbetrieb spielt Rolle

Von seiner Ursprungsidee, die alte Turbine in einem Keller unter der Schneiderei aus den 60er-Jahren zu reaktivieren, habe er sich schnell wieder verabschiedet: zu aufwendig, zu teuer – und durch den Einsatz von Öl auch nicht umsetzbar. Denn flussabwärts wird Fischzucht betrieben. Der Inhaber des Betriebs ist auch Inhaber des Wasserrechts für diesen Bereich. „Verständlicherweise äußerten die Betreiber Bedenken, denn die Wasserqualität ist ausgezeichnet“, erklärt Wetzler. Das Einzugsgebiet der Urspringquelle reicht bis zum Truppenübungsplatz Münsingen.

Man muss ja in die Zukunft denken.

90-Jähriger ehemaliger Schüler

Hilfe und weitere Ideen fand Wetzler durch einen Tipp an der Hochschule Biberach. Prof. Dr.-Ing. Gerhard Haimerl, dessen Lehrgebiet auch Wasserbau und -kraft umfasst, rief daraufhin ein Seminar für Masterstudenten ins Leben. 15 Studenten kümmerten sich unter Anleitung des Professors um ein neuartiges Konzept, das den Wünschen und Ansprüchen der Urspringschule gerecht wird: Durch eine Röhre wird der Urspringtopf mit einem rund zwei Meter hohen Betonturm, in dem sich das Wasser später aufstaut, verbunden – anschließend läuft es auf das Wasserrad und setzt dieses in Bewegung. Das Wasserrad soll dreieinhalb Meter groß und im Bachbett der Urspring installiert werden. Die durchschnittliche Jahresleistung werde auf rund 55 000 Kilowattstunden geschätzt und damit auf „rund ein Fünftel unseres Bedarfs“. Die Studenten haben sich, so Wetzler, auch mit den Behörden abgesprochen und entsprechende Unterlagen und Dokumente vorbereitet.

90-Jähriger ehemaliger Schüler unterstützt Projekt

Unterstützung für das Projekt Wasserrad, das rund 200 000 Euro kosten wird, hat die Schule auch durch einen ehemaligen Urspringschüler. Der inzwischen 90-Jährige steuere einen großen Teil des benötigten Betrags bei und das mit den Worten: „Man muss ja in die Zukunft denken.“ Die Stromerzeugung durch das Wasserrad soll auch ein Zeichen für die aktuellen Schüler sein, verantwortungsvoll mit dem Thema regenerative Energien umzugehen – mit dem Wasserrad werden sie täglich daran erinnert. Passend zum 90-jährigen Jubiläum nächstes Jahr solle sich das Wasserrad dann zum ersten Mal drehen. „Das wäre mein Wunsch“, sagt Wetzler.

Einhergehend mit dieser Änderung soll auch der Urspringtopf umgestaltet werden: Er werde von vielen Besuchern auf den ersten Blick nicht wahrgenommen, weil sich davor der Lehrerparkplatz befinde. „Statt Parkplatz einen Park und vielleicht die Mauer vor dem Topf weg und schon steht er mehr im Fokus“, sagt der Schulleiter. Die alte Turbine soll zunächst unberührt bleiben. „Vielleicht wird sie ja in ein paar Jahren wieder interessant und der Keller dann zum Museum“, erklärt er. Doch das habe Zeit, wichtig sei ihm und dem Team jetzt das Projekt Wasserrad passend zum Jubiläum fertigzustellen.

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