Schelklingens Bürgermeister: „Es war für uns ein arbeitsreiches Jahr“

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Bürgermeister Ulrich Ruckh spricht über das vergangene Jahr in Schelklingen.
Bürgermeister Ulrich Ruckh spricht über das vergangene Jahr in Schelklingen. (Foto: SZ- Burghart)
Nina Lockenvitz

Einige Projekte, die schon viele Jahre geplant, aber aus finanziellen Gründen lange zurückstehen mussten, sind vergangenes Jahr in Schelklingen begonnen worden. Im Jahresinterview verrät Bürgermeister Ulrich Ruckh auch, wie es mit dem Infozentrum am Hohle Fels weitergehen wird.

Herr Ruckh, was waren die wichtigsten Projekte, die 2018 begonnen wurden?

Es war für uns ein arbeitsreiches Jahr. Wir haben einige Maßnahmen begonnen, die schon lange diskutiert worden waren. Dazu gehört unter anderem die Sanierung der Blaubeurer Straße, die bis Ende 2019 fertiggestellt sein wird. Hier dimensionieren wir stellenweise die Wasserleitungen auf und reorganisieren Hausanschlüsse, was sehr zeitaufwendig ist. Auch in Schmiechen, wo die Sanierung der Ortsdurchfahrt schon 20 Jahre diskutiert, aber immer wieder verschoben wurde, wird nun gebaut. Hier werden auch Geh- und Radwege gebaut und wir verbessern den Hochwasserschutz an der Schmiech. Ich bin stolz, dass es gelungen ist, die Maßnahmen aufzugreifen

Gehen die Arbeiten gut voran?

In Schmiechen haben wir das Problem, dass die Umleitung schwer zu organisieren ist. Wir müssen deshalb abschnittsweise bauen und die Anlieger über sehr schmale Straßen umleiten. Trotz der Sperrung versuchen ortsfremde Fahrer immer wieder durch die Absperrungen zu kommen. Teilweise werden die Abschrankungen einfach zur Seite gestellt. Das belastet vor allem die Anwohner. Sogar der Schwerverkehr versucht durchzufahren. Da fängt man an, an der Vernunft der Fahrer zu zweifeln.

Wird auch der Schulhof in Schmiechen 2019 saniert?

Ja, wir werden 2019 auch den Schulhof herrichten. Schelklingen ist eine Flächengemeinde mit vielen Ortsteilen, in denen vieles gebraucht wird. Dabei handelt es sich um viele Kleinigkeiten, die oft sehr emotional sind. Da nicht alles umsetzbar ist, müssen wir priorisieren und abwägen. Solange beispielsweise der Schulhof funktioniert, fällt so etwas zu Gunsten dringlicherer Vorhaben hinten runter. Wir müssen immer versuchen, unser Geld so einzusetzen, dass es für Bürger den möglichst größten Nutzen bringt.

Welche Projekte stehen 2019 außerdem an?

Die beiden großen Straßensanierungen werden beendet. Wir werden im Herbst mit der Ausschreibung für das Baugebiet Baumgartenweg in Justingen beginnen, damit wir 2020 die Bauplätze vermarkten können. Auch die Fertigstellung der Erschließung des Industriegebietes Leimgrube/Breitlen ist geplant. 2019 will dort eine Firma bauen. Für das Baugebiet Oberes Berntal haben wir den Aufstellungsbeschluss gefasst und prüfen aktuell die Einwände und Anregungen der Träger öffentlicher Belange und der Bürger.

Wegen des Gebiets Oberes Berntal gab es im Vorfeld viele Diskussionen. Wird hier 2019 gebaut?

Soweit rechtlich möglich, wollen wir dieses Jahr den Bebauungsplan festsetzen und mit der Erschließung beginnen. Sollte es ein rechtliches K.-o.-Kriterium für dieses Gebiet geben, müssen wir das hinnehmen. Aber der politische Wille ist, dass dort ein Baugebiet entsteht.

Wie weit ist die Umsetzung des Feuerwehrbedarfsplans gediehen?

Die Feuerwehr in Hausen wird ein mittleres Löschfahrzeug bekommen, das wir Anfang 2019 ausschreiben wollen, da die Lieferzeiten aktuell sehr lang sind. Das Fahrzeug wird erst 2020 in Dienst gestellt. Die Feuerwehrhäuser in Sondernach und Gundershofen werden übergeprüft, denn auch diese Abteilungen sollen mittelfristig ein Einsatzfahrzeug bekommen. Wir müssen jetzt schauen, wie wir diese unterbringen können. In Schmiechen ist die bestehende Garage zu niedrig für die Unterbringung eines mittleren Löschfahrzeugs. Hier müssen wir sehen, wie wir das Feuerwehrhaus ertüchtigen können, um mittelfristig ebenfalls ein mittleres Löschfahrzeug unterstellen zu können.

2017 sind Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen worden. Wie wird sich Schelklingen touristisch aufstellen?

Seit September ist Laura Gobs als Tourismusbeauftragte bei der Stadt angestellt und erarbeitet ein Konzept, wie wir uns touristisch präsentieren und neben dem Hohle Fels auch das Obere Schmiechtal und die Albhochfläche miteinbeziehen können. In Schelklingen gibt es den Verbund mit dem Biosphärengebiet und dem Geopark. Frau Gobs bündelt alle ehrenamtlichen Kräfte und wird uns beispielsweise auch besser mit dem Schwäbische-Alb-Tourismusverband vernetzen. Zudem wollen wir auch intensiver mit NachbarKommunen wie Blaustein und Blaubeuren zusammenarbeiten. Wir sehen uns mit der Donautalbahn und der Schwäbischen-Alb-Bahn als eine Art Drehpunkt des Schienenverkehrs mit vielen Anlaufpunkten wie dem Schmiechener See, dem ehemaligen Kloster Urspring mit Quelltopf, heute Urspringschule, dem Achtopf oder dem historischen Wasserwerk in Gundershofen. Das Welterbe ist aufgrund seiner Bedeutung eine tolle Geschichte, aber die meisten Touristen auf der Schwäbischen Alb haben die Natur im Fokus, suchen Ruhe, das Naturerlebnis, gutes Essen und Kultur. Die Eiszeitkunst kommt als Alleinstellungsmerkmal dazu. Es kommen eben nicht alle nur wegen des Hohle Fels auf die Schwäbische Alb und nach Schelklingen.

Gibt es denn schon neue Pläne für ein Info-Zentrum?

Wir suchen leider immer noch den passenden Standort. Der Wunsch ist, das Zentrum in nächster Nähe zur Höhle zu bauen. Leider gibt es dagegen Bedenken. Mein Ziel ist, 2019 den Standort festzulegen. Aus heutiger Sicht wäre wohl ein Gebäude hinter der Kläranlage möglich, aber das ist, um im Bild zu bleiben, etwas anrüchig für ein so bedeutendes Thema. Hinzu kommt, dass wir nicht wissen, ob wir diesen Platz nicht mittelfristig brauchen, um die Kläranlage zu erweitern. Der Wunsch ist nach wie vor, das Infozentrum im direkten Blickbereich zur Höhle zu bauen.

Dieses Jahr ist Kommunalwahl. Was erwarten Sie vom neuen Gremium?

Ich rechne wieder fest mit drei Fraktionen. Der Großteil der Räte wird voraussichtlich wieder kandidieren. Ich persönlich bin gespannt, ob die drei Fraktionen ihre Listen vollbekommen. Man darf nicht vergessen, dass der Gemeinderat als Hauptorgan der Stadt die Schwerpunkte setzt. Das ist mit viel Grundlagenarbeit verbunden und deshalb ein zeitlich forderndes Ehrenamt. Es ist als Bürgermeister schön, wenn man bereits zu Beginn einer Amtsperiode des Gemeinderats die Akteure kennt, aber es ist eine große Chance, wenn sich die Zusammensetzung ändert. Dadurch kommen neue Lebenswirklichkeiten, Gedanken und Erfahrungen in unsere Diskussionen. Ich wünsche mir von der Wahl einen Querschnitt der Gesellschaft für das Gremium, um möglichst viele Sichtweisen in unsere Entscheidungen einbinden zu können. Gemeinsam werden wir wieder versuchen, etwas für Schelklingen zu bewegen. Mir ist wichtig, dass Gemeinderat und Verwaltung weiter gut zusammenarbeiten.

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