Renovierung wird mit Beisetzung abgeschlossen

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Pater Hubertus Freyberg hielt zusammen mit Pater Anthony Kavungal das Requiem in Justingen.
Pater Hubertus Freyberg hielt zusammen mit Pater Anthony Kavungal das Requiem in Justingen. (Foto: SZ- Elisabeth Sommer)
Elisabteh Sommer

Die Beisetzung der Gebeine von drei Verstorbenen in der Justinger Kirchengruft hat am Samstagnachmittag stattgefunden. Vor fünf Jahren war bei der Innenrenovierung der Zugang zur Gruft neu gefasst und die Gruft in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt untersucht worden. Knochen von drei oder auch vier Verstorbenen wurden festgestellt, die etwa 300 Jahre alt sind, wie die Untersuchungen ergaben. Die Kleidungsstücke wurden vom Landesdenkmalamt in Verwahrung genommen. Die verfallenen und zerstörten Särge aus der Gruft sind jetzt durch sogenannte Ossuarien (Knochenkästen) ersetzt worden.

In die Justinger Kirchengruft führt vom Eingang vor dem Altarraum eine steile Treppe in die Gruft hinunter. Diese ist in Backstein gemauert und etwa zwei auf vier Meter groß, sodass in der unteren Nische der Sarg eines Mannes neben dem Sarg einer Frau einst Platz gefunden hatte. Am Samstagvormittag konnten einmal Interessierte in die Gruft hinabsteigen. Am Nachmittag sorgten Pater Hubertus Freyberg und Schelklingens Pfarrer Pater Anthony Kavungal für eine würdige Bestattung der Gebeine nach den wissenschaftlichen Untersuchungen. Pater Freyberg, ein Nachfahre der einstigen Freybergschen Patronatsherren der Justinger Kirche, sprach mehrfach das Wort „Vergebung“ aus, das den Verstorbenen gewährt werden sollte, weil sie vielleicht als adlige Herrschaft auch Schuld in ihrer Regenschaft auf sich geladen haben könnten. Ob in der Kirchengruft nur von Freyberg ruhen, könne aber nicht definitiv gesagt werden, meinte der Pater. Die christliche Bestattung sieht er als Menschenrecht an, weil selbst nach vielen hundert Jahren noch würdig mit den sterblichen Überresten umgegangen wurde. Von moderner anonymer Bestattung hält der Pater wenig. Sie beraube die Überlebenden beim Gang über den Friedhof, an die Einzelnen zu denken, sich an Begebenheiten zu erinnern und auch Abschied zu nehmen.

Die Sängerinnen und Sänger des Kirchenchores unter Leitung von Dirigent und Organist Horst Braun umrahmten das Requiem, unter Mitwirkung von Kirchengemeinderatsvize Harald Bloching. Der Kirchengemeinderat widmete den ganzen Samstag der Kirchengruft und ihrer Historie. So folgten der Besichtigung und dem Requiem eine Zusammenkunft zu Kaffee und Kuchen im katholischen Gemeindehaus, wo anschließend Beate Schmid vom Landesdenkmalamt auf die Erkenntnisse über die Justinger Gruft und die darin vorgenommenen Bestattungen einging. Die Grabnischen mit den drei Ossuarien sollen zum Schutz vor dem Verfall verschlossen werden.

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