Prüfungen im Weichenstellen zum Tag des Denkmals

Lesedauer: 3 Min
Besucher erfuhren am Sonntag im Stellwerk Schelklingen, was die unterschiedlichen Zeichen bedeuten.
Besucher erfuhren am Sonntag im Stellwerk Schelklingen, was die unterschiedlichen Zeichen bedeuten. (Foto: SZ- Elisabeth Sommer)
Freie Mitarbeiterin

Zum Spaß wurden am Sonntag im historischen Bahnstellwerk in Schelklingen Urkunden ausgehändigt. Die Schriftstücke gab es beim Tag des offenen Denkmals für ausgewählte Besucher, die sozusagen die Prüfung des Weichenstellens bestanden hatten. Georg Renz und Emanuel Königer überreichten die Urkunden diesmal auch als Andenken an Erwachsene, die Hand an die Schalthebel anlegten. Das Stellwerk 1, das für die Regelung der Ein- und Ausfahrten von und nach Blaubeuren diente, wurde 1901 fertiggestellt und bis 1992 benutzt.

Beim Denkmaltag bekamen die Besucher zwanglos die Funktionsweise erklärt und man konnte immer wieder Zwischenfragen stellen. Die Stellwerker benutzten Schilder mit Buchstaben und auch verschiedenfarbige Leuchten, um den Lokführern ganz unterschiedliche Befehle zu übermitteln. Bemerkten Rangierarbeiter mal nicht wichtige Kommandos, dann konnte man sie auch durch den Gebrauch einer Schalmei alarmieren.

Anderthalb Tage bis Hamburg

Schickte die frühere Zellstofffabrik in Ehingen einen Güterzug los, dann mussten die Schelklinger Stellwerker auch mal mit Hamburg telefonieren und den Zug dort avisieren. Anderthalb Tage durfte dieser in etwa für die Fahrt nach Norden benötigen, erklärte Georg Renz, weil unterwegs Güter an- und abzuhängen waren. Neugierige wollten wissen, wie die Stränge des Stellwerks verlaufen. Ausnahmsweise gab es Einblick in das unaufgeräumte Erdgeschoss mit den dort gekappten Drahtseilen.

Zu den Anekdoten gehörte auch die Mitteilung, dass die Stellwerker morgens stets als erste auf dem Bahnhofsgelände waren und deshalb im Winter auch im Büro des Bahnhofvorstehers den Ofen anzuheizen und den Bahnsteig vom Schnee zu räumen hatten. Der Dienst der Stellwerker sei so weit gegangen, dass sie sogar für das Nachschüren im Laufe des Tages im Büro des Chefs zuständig gewesen seien. Das historische Stellwerk 1 birgt vermutlich noch einige Geschichten, die in Zukunft erzählt werden können.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen