Ortsdurchfahrt bereitet Anwohnern Kopfschmerzen

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Frank Ludwig (rechts), Geschäftsführer des Ingenieurbüros „Pfeiffer + Pirker“ aus Münsingen, erläuterte am Montagabend die Plän
Frank Ludwig (rechts), Geschäftsführer des Ingenieurbüros „Pfeiffer + Pirker“ aus Münsingen, erläuterte am Montagabend die Pläne zur Ortsdurchfahrt Schmiechen in der Turn- und Festhalle. (Foto: Johannes Nuß)

Die Sanierung der Ortsdurchfahrt Schmiechen kommt. Es ist ein wegweisendes Projekt für den ganzen Teilort, das in den kommenden zwei bis drei Wochen endlich angegangen werden soll. Knapp 20 Jahre lang haben die Bürgerinnen und Bürger des Schelklinger Teilorts im Schmiechtal für das Projekt gekämpft. Nach zwei krachenden Niederlagen in 1999 und 2006 geht es jetzt aber endlich los. Bei einer Infoveranstaltung in der Turn- und Festhalle wurden die Anwohner nun im Detail über die Pläne informiert (die „Schwäbische Zeitung“ berichtete mehrfach ausführlich), von denen sie in den kommenden 17 Monaten direkt und indirekt betroffen sind.

Dichtes Gedränge herrscht in der Schmiechener Turn- und Festhalle. Hektisch stellen noch einige Ortschaftsratmitglieder Stühle auf und erweitern die Sitzreihen. Rund 300 Einwohner des Schelklinger Teilorts sind an diesem Montagabend in die Halle gekommen, um sich über die Pläne zur Sanierung der Ortsdurchfahrt zu informieren – anscheinend deutlich mehr, als von der Verwaltung erwartet. „Es wird rund anderthalb Jahre Einschränkungen für Sie im Verkehr geben“, leitet Bürgermeister Ulrich Ruckh den Abend ein, sagt aber auch gleich: „Die Maßnahme ist es wert. Auch wenn nicht jeder Wunsch berücksichtigt werden konnte, wird es durch die Sanierung eine deutliche Verbesserung der Qualität hier vor Ort geben.“

Vieles noch unklar

Schließlich leitet Ruckh über zu Frank Ludwig, Geschäftsführer des Ingenieurbüros „Pfeiffer + Pirker“ aus Münsingen, der mit der Planung der Ortsdurchfahrt beauftragt ist. Nachdem dieser erneut die Pläne in Kurzvariante vorgestellt hat, kommen endlich die anwesenden Einwohner zu Wort. Vieles ist noch unklar, etliche sind verunsichert, wie es in den kommenden gut anderthalb Jahren verkehrstechnisch im Schmiechtal aussehen wird.

Skeptisch gegenüber der Verkehrsführung

Vor allen Dingen der Bus- und Lastwagenverkehr gibt den Anwohnern zu Beginn der Veranstaltung Anlass, um skeptisch zu sein. Ein anwesender Kraftfahrer im Publikum gibt zu bedenken, dass eine sechs Meter breite Straße zu eng sei, um zwei Lastwagen mit einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer aneinander vorbeifahren zu lassen: „Die weichen doch dann auf den Bürgersteig aus, und dann wird es gefährlich, dort zu laufen.“ Dem entgegnete Bürgermeister Ruckh, dass dies Absicht sei: „Wir haben alle in der Fahrschule gelernt, dass man immer nur so schnell fahren kann, wie es möglich ist. 50 Stundenkilometer sind hier nicht die Richt-, sondern die Höchstgeschwindigkeit.“ Die Kraftfahrer müssten dann halt eben abbremsen, um aneinander vorbei zu kommen. Damit nicht auf den Gehweg ausgewichen wird, werden extra hohe Bordsteine gesetzt, die rund zwölf Zentimeter hoch sind.

Es wird eng in Schmiechen

Bauamtsleiter Markus Schmid ist an diesem Abend der Ansprechpartner für die Umleitungen, die eingerichtet werden müssen, damit die Anwohner und der Durchgangsverkehr im Schmiechtal die Bauarbeiten nicht beeinträchtigen. Schmid gibt direkt zu Beginn seiner Ausführungen die Losung aus: „Meiner Meinung nach ist es eine gute Lösung!“ Er gibt aber auch mit Blick auf den Busverkehr zu: „Es wird eng, aber wir haben keine bessere Lösung.“

Angst um die Kinder im Ort

Es ist vor allen Dingen die Angst um die Kinder im Ort, die die anwesenden Bürger in Bezug auf den Verkehr umtreibt. „Eine neue Straße gibt Anlass genug, um zu rasen“, gibt ein Anwohner zu bedenken. Ein anderer will konkrete Vorschläge hören, wie verhindert werden soll, dass auf den Umleitungsstrecken gerast oder schlicht falsch gefahren wird. Vor allen Dingen der Sonnenberg gibt den Anwohnern zu denken. „Zur Not müssen wir da die Polizei einschalten“, sagt Bürgermeister Ruckh, verweist aber auch direkt darauf, dass innerhalb von Schmiechen fast ausschließlich Anwohnerverkehr in den kommenden anderthalb Jahren zugelassen ist: „Fahrt doch wenigstens für die eigenen Kinder rücksichtsvoll.“ Applaus brandet auf.

Nach rund anderthalb Stunden ist Schluss in der Turn- und Festhalle. Die Stühle werden wieder zusammengeräumt und die Anwohner gehen nach Hause. Jetzt kommen die Bagger.

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