Krankenpflegeverein ohne Führung

Lesedauer: 4 Min

Der Krankenpflegeverein ist derzeit nur unter kommissarischer Führung.
Der Krankenpflegeverein ist derzeit nur unter kommissarischer Führung. (Foto: dpa)

Der Vorsitzende, die stellvertretende Vorsitzende, die Kassiererin und der Schriftführer des Krankenpflegevereins Ingstetten/Justingen haben alle das Handtuch geschmissen. Dies kam aber nicht aus heiterem Himmel oder wegen einer Verärgerung, nein, sie haben einfach genug, weil sie teilweise fast 25 Jahre im Amt sind und ein Alter haben, in dem man an Jüngere übergibt.

Bereits vor zwei Jahren war dieser Schritt ernsthaft angekündigt worden. Anton Schwerdtle, der Vorstandsvorsitzende, sagte dies in seinem Rechenschaftsbericht bei der Mitgliederversammlung im Sportheim Justingen. Er berichtet auch von einer Spende an die Sozialstation Erbach zur Anschaffung eines Busses. Der Verein fungiert als Förderverein für die Sozialstation. Er bezuschusst Essen auf Rädern mit 15 Prozent und unterhält eine Seniorengymnastikgruppe, die von einer professionellen Therapeutin geleitet wird.

Der Kassenbericht der Kassiererin Erika Glökler brachte keine Überraschungen. Im vergangenen Jahr schrumpfte das Vereinsvermögen jährlich um zirka 2000 Euro. Trotzdem liegen noch etwas mehr als 40 000 Euro auf der hohen Kante.

Vorstand entlastet

Schriftführer Alfons Blankenhorn verlas das Protokoll der letzten Mitgliederversammlung. Bei dieser Versammlung berichtete Werner Schatz von der Sozialstation Erbach über dessen Tätigkeiten und ganz ausführlich über die Geschichte der Sozialstation.

Ingstettens Ortsvorsteher Dieter Schmucker aus Ingstetten wurde vorgeschlagen, die Entlastung vorzunehmen. Diese wurde einstimmig erteilt. Zuvor hatten die Kassenprüfer Irmina Schubauer und Jürgen Stoll eine einwandfreie Kassenführung bescheinigt.

Keiner will kandidieren

Die Wahlen leitete Justingens Ortsvorsteher Jürgen Stoll. Trotz vieler Gespräche im Vorfeld und des Bemühens des Wahlleiters, Kandidaten aus Reihen der Versammlungsteilnehmer zu finden, stellte sich niemand zur Wahl.

Folglich wurde diskutiert, wie es ohne Vorstand weitergehen kann. Es wurden verschiedene Szenarien aufgezeigt, die aber zu keinem gemeinsamen Ergebnis führten. Die Befürchtung, dass sich die Sozialstation zurückziehen könnte, wurde aber zerschlagen, weil dies mit dem Bestehen des Krankenpflegevereins nichts zu tun hat, zumal der Kooperationsvertrag 1980 mit der katholischen Kirchengemeinde Justingen abgeschlossen worden war und der Krankenpflegeverein als „Mittelbeschaffer“ eingebunden wurde.

Harald Bloching, zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderates, der laut Satzung kraft Amtes dem Vereinsausschuss angehört, und Ortsvorsteher Jürgen Stoll schlugen letztlich vor, zunächst Gespräche mit Fachleuten zu führen. Dazu gehört hauptsächlich die Kirchenverwaltung. Diese Gespräche werden dann sicherlich zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung führen.

Führung nun kommissarisch

Zwischenzeitlich leiten die Vorstandsmitglieder kommissarisch den Verein weiter. Dies beschloss die Mitgliederversammlung einstimmig. Die Betroffenen waren damit einverstanden, zumal in der Satzung beim Paragraf „Wahlen“ der Absatz steht: „Nach Ablauf der Wahlperiode führt der Vorstand die Geschäfte so lange weiter, bis das Ergebnis der Neuwahl feststeht“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen