Jagdpächter machen grausige Entdeckung

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 Mitten auf freiem Feld bei Hütten liegt dieser verendeter Rehbock.
Mitten auf freiem Feld bei Hütten liegt dieser verendeter Rehbock. (Foto: Privat)
Sven Koukal

Im Jagdrevier Hütten haben die Jagdpächter um Max Raiber in der Vorwoche morgens um 9 Uhr eine grausige Entdeckung gemacht: Mitten auf freiem Feld lag ein verendeter Rehbock. Sofort schrillten bei den Jagdpächtern die Alarmglocken. Zunächst vermuteten sie, dass der Riss von einem Luchs stammen könnte.

In seinen vier Jahrzehnten als Jäger sei im so ein Fall noch nicht unterkommen, sagt Raiber. Die Jäger meldeten den Fall dem Landratsamt. Wolfgang Bierer, Wildtierbeauftragter für das Gebiet, war noch am selben Mittag vor Ort, um den Rehbock genauer zu untersuchen. „Man schaut sich den Kadaver nach einer gewissen Entscheidungsmatrix an“, erklärt er. Das heißt: Stimmen die Bissspuren mit dem eines Luches überein, ist das Vorgehen spezifisch zuordenbar? Bierers Antwort: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit war es kein Luchs, sondern ein Hund – vielleicht auch zwei.“

Gleich mehrere Faktoren sprechen aus seiner Sicht nicht für den Luchs. Ein Luchs würde ausschließlich Muskelfleisch fressen, immer wieder zum toten Tier zurückkehren und auch nicht an die Eingeweide des Rehbockes gehen. „Dazu passen auch die Spuren am Kampflatz nicht überein.“ Aus den verschiedenen Indizien habe sich ein „gewisses Bild dargestellt“.

Aufwand ist zu hoch

Weil Bierer im Vorjahr bereits einen ähnlichen Fall behandelt hatte, habe ihm seine Erfahrung ebenfalls geholfen. „Wenn man aber zu 100 Prozent sicher sein will, dann müsste man einen genetischen Test machen, etwa nach Speichelspuren suchen und diese prüfen lassen“, sagt er. Dieser Aufwand jedoch sei zu hoch. Fälle wie in Hütten seien definitiv die Ausnahme, auch wenn die Dunkelziffer durchaus höher sein könnte.

Die Jagdpächter suchen daher den Dialog mit Wanderern und Spaziergängern mit Hund. „Leider passiert es immer wieder, dass freilaufende, unkontrollierte Hunde im Wald und auf Feld unterwegs sind“, sagen sie. Das Problem sei, dass die Hundebesitzer ohne Leine keinerlei Möglichkeit hätten einzuwirken. „Die Hunde stöbern Wild auf, hetzen diese Tiere oder reißen sie gar im Extremfall“, warnt Raiber.

Vor allem hoch trächtige Rehe, die in ihrer Bewegungsfreiheit und Fluchtmöglichkeiten stark eingeschränkt sind, sind betroffen.

Max Raiber, Jagdpächter

Insbesondere in der Brut-und Setzzeit können Hunde dann zur tödlichen Bedrohung werden. „Vor allem hoch trächtige Rehe, die in ihrer Bewegungsfreiheit und Fluchtmöglichkeiten stark eingeschränkt sind, sind betroffen“, erklärt er. Oftmals reiche es schon, dass ein Hund ein Junges nur berührt, der fremde Geruch irritiere die erwachsenen Tiere und das könne dazu führen, dass sie den Nachwuchs verstoßen.

Die Jagdpächter wollen jedoch nicht anklagen, betonten sie, sondern hinweisen: „Gegenseitige Rücksicht und die Beachtung der geltenden Regeln ermöglicht allen Beteiligten ein harmonisches Miteinander. So können Mensch und Tier die Natur gemeinsam genießen“, sagen sie.

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