Schwäbische Zeitung

Der Landschaftserhaltungsverband (LEV) Alb-Donau-Kreis hat mit Peter Detzel die Heuschrecken-Fauna am Schmiechener See und in Hütten erkundet. Der Experte hat die Teilnehmer in einer spannenden Exkursion in die fachlichen Grundlagen der Heuschrecken-Faunistik eingeführt.

Eine wichtige Art, die Große Goldschrecke, fehlt noch. Peter Detzel, eine Koryphäe unter den Heuschrecken-Experten in Baden-Württemberg, motiviert die Mitarbeiter des Landschaftserhaltungsverbands Alb-Donau-Kreis erneut „auszuschwärmen“ und in den Feuchtwiesen des Schmiechener Sees nach der Goldschrecke zu suchen. Bereits seit dem Vormittag sind die vier Mitarbeiter des LEV mit Detzel unterwegs. Die Stellvertretende Geschäftsführerin Melanie Schober-Mühlberger hat den Kontakt zu Detzel hergestellt und prompt eine Zusage für eine Fortbildung bekommen, die speziell auf die Teilnehmenden ausgerichtet ist. Detzel ist Honorarprofessor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen und leitet ein Büro für ökologische Gutachten.

Der LEV initiiert und fördert Maßnahmen des Arten- und Biotopschutzes im Alb-Donau-Kreis. „Wir möchten bei unseren Naturschutzmaßnahmen verstärkt auf die Heuschrecken und ihre Lebensräume Rücksicht nehmen“, so die Geschäftsführerin des LEV Romy Werner. Denn klar ist, dass auch diese Insektengruppe zunehmend in ihrem Vorkommen bedroht ist. Peter Detzel ist derzeit mit der Überarbeitung der Roten Liste der Heuschrecken für Baden-Württemberg beschäftigt. Soviel gibt er vorab preis: Es werden künftig deutlich mehr Heuschrecken-Arten in der Roten Liste stehen als bisher – und damit gefährdet sein. Temperaturanstieg, moderne Mähtechnik und die Zerschneidung der Lebensräume sieht Detzel als wichtige Ursachen für den Rückgang der Heuschreckenfauna an. In Baden-Württemberg gibt es insgesamt 75 Heuschrecken-Arten.

Wie bestimmt man Heuschrecken und wie kann man sie voneinander unterscheiden? Ganz grob unterteilt man Heuschrecken in Kurzfühlerschrecken und Langfühlerschrecken. Darüber hinaus gibt es viele weitere Bestimmungsmerkmale. Beispielsweise sind die Weibchen der Langflügeligen Schwertschrecke an ihrer markanten langen Legeröhre gut zu erkennen. Die Legeröhre ist annähernd so lang wie der Hinterleib, die Schwertschrecke legt damit ihre Eier in den Blattscheiden von Sauergräsern ab.

Auf einem Magerrasen in Hütten konnte die Gruppe 13 Heuschrecken-Arten finden, darunter die stark gefährdete Rotflügelige Schnarrschrecke. Weitere acht Arten tummelten sich in den Feuchtweisen des Schmiechener Sees. Detzel ist mit dem Ergebnis zufrieden. Und kurz bevor die Naturschützer die Suche aufgegeben haben, fängt Melanie Schober-Mühlberger noch ein Exemplar: es ist die gesuchte Große Goldschrecke.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen