Das Bluegrass Quartett New Aliquot rockt das Stellwerk

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 Das Quartett New Aliquot: Große musikalische Bandbreite und geniale Mandolinenläufe.
Das Quartett New Aliquot: Große musikalische Bandbreite und geniale Mandolinenläufe. (Foto: SZ- Friedrich Hog)
Friedrich Hog

Das seit drei Jahren bestehende „new acoustic music quartet“ New Aliquot aus Tschechien bestach am Freitag mit einem nicht enden wollenden musikalischen Feuerwerk und riss die Gäste im Stellwerk mit. Vom Bluegrass und Folk über Gypsy Jazz bis zu den Beatles reichte die musikalische Bandbreite dieser dynamischen Formation, die auf allen Instrumenten in Weltklassebesetzung auftritt. Dieses Jahr ist zudem das erste Album „It Takes Time“ erschienen.

Gitarrist und Leadsänger Ondra Kozák, Mandolinist Vitek Hanulík, Dobrospieler Karel Zacal und Pavel Duda am Kontrabass fanden 2016 als Quartett zusammen. Bandleader Ondra Kozák war zuvor bei Formationen wie Kreni oder G-runs ’n Roses und beherrscht auch Mandoline und Geige. Sein Gesang erinnert an Randy Travis oder Chris Jones, die meisten seiner Lieder schreibt er selbst, oft gemeinsam mit Ralph Schut, dem Chef von G-runs ’n Roses.

Mit Liedern aus der CD „It Takes Time“ haben sie begonnen, „Ain’t Gonna Work Tomorrow“ ist ein kraftvoller Bluegrass Klassiker. Das Tempo nahmen sie raus bei „Nobody said it would be easy“. Meisterhaft der dreistimmige Harmoniegesang von Ondra, Vitek und Pavel, alles über ein einziges Gesangsmikro, filigran die Instrumentierung. Jazzige Mandolinenläufe kennzeichneten das Instrumental „Tico-Tico no fubá“. Das absolut präzise und mitreißende Spiel der Band veranlasste einen Zuschauer zu einem Kniefall vor der Bühne.

Bei „A Story“ von Ondra Kozák und Ralph Schut eröffnete die Formation ganz großartige neue Klangwelten, new acoustic music in Vollendung. Progressive Ausgestaltung einer Musik, die 1945 in der Band von Bill Monroe entstanden ist und seinerzeit bereits revolutionär war durch die Kombination von weißer Stringband Musik und dem afrikanischen Blues, ebenso durch die Einräumung von Soli für alle Instrumente. Die irische und schottische Folk Tradition ist die Grundlage der Stringband-Musik, und neben zeitgenössischen Autoren wie Tim O’Brien kam der Vater des Bluegrass Bill Monroe als Autor natürlich auch vor, wie in „Blue Night“ oder beim flotten „I’m on my way back to the old home“. Viel Szenenapplaus gab es für die genialen Mandolinenläufe von Ondra. „Sekaná“ aus der Feder von Vitek Hanulík war Gypsy Jazz in Vollendung, und Lieder von John Hartford brachten philosophisches Flair auf die Bühne, wie bei „Where does an Old Time River Man go“, wo es um den Tod geht.

Glasklar war der Sound, jedes Instrument und jede Stimme waren bei optimaler Lautstärke differenziert zu hören. Chick Corea’s „Spain“ entführte abermals in den Jazz, und Freude bereitet hat auch „Can’t buy me love“ von den Beatles. Nach zwei ausführlichen Sets wurde die Band erst nach der dritten umjubelten Zugabe von der Bühne gelassen.

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