Beim Theater in Schelklingen geht es wild zu

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Dem Pfarrer schmeckt das in seinem Haus nicht erlaubte Bier bei der Feuerwehr besonders.
Dem Pfarrer schmeckt das in seinem Haus nicht erlaubte Bier bei der Feuerwehr besonders. (Foto: Efinger)
Kurt Efinger

Die in der Weltgeschichte nicht vorkommenden Kleinstädte Sodom und Gomorra hat der ewige Weltenherrscher angeblich einst zerstört, weil sie der Sünde anheimgefallen waren. Dem Dorf Hausen ob Urspring blieb dies erspart, weil sich alles, was danach aussah, am Ende als Irrtum herausstellte und sich in Wohlgefallen auflöste.

Wie das zuging, ist noch diese Woche am Donnerstag und Samstag in der Schelklinger Schulturnhalle beim dreiaktigen und auf hiesige Verhältnisse zugeschnittenen Schwank „Feurio – Aufruhr im Spritzenhaus“ von Jürgen Schuster zu erleben. Am Freitag war Premiere. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen wäre rein zufällig, hieß es am Anfang. Dieser ließ ein bisschen auf sich warten, weil erst einmal eine Feuerwehrlehrlingsprüfung vor dem Vorhang in das Geschehen einstimmte. Dabei erwies sich der junge Fritz Hinterwäldner aus Hausen als gelehriges Bürschchen, das seinen Kommandanten ganz schön alt aussehen ließ.

In Unterwäsche

In Unterwäsche sieht man im ersten Akt den Feuerwehrvereinsvorsitzenden Florian Brandner (Helmut Kannemann) sich im Feuerwehrhaus mit seiner Frau Brigitte (Ulrike Bachner) zanken. Diese hat ihn der gemeinsamen Wohnung verwiesen und in spärlicher Verhüllung durchs Dorf getrieben, weil er nach berauschter Heimkehr die Bettwäsche erbrechenshalber zu verschmutzen pflegte. Kaum ist sie nach ergiebiger Entladung ihres Zorns verschwunden, erscheint der prachtvoll stotternde Feuerwehrkassierer Bernhard Kälble (Raphael Witt) und wundert sich über Florians Kostümierung. In traditionellem Schwarz von oben bis unten erscheint Pfarrer Kaslinger (Bernhard Bachner) und fragt nach dem Problem. „Mei Problem hoissd Brigidde ond isch dahoim“, erfährt Hochwürden und trinkt das angebotene Bierfläschchen und noch ein zweites auf einen Zug leer.

Im Pfarrhaus ist er nämlich dank seiner resoluten Haushälterin Anna Rehbein (Kim Neiß) zu totaler Abstinenz gezwungen. Einen Feuerwehrhelm hält sich Florian in Gegenwart des Geistlichen vor’s Gemäch. Bernhard fürchtet, seine Frau Petronilla falle aus allen Wolken, wenn sie erfährt, dass er beim kommenden Feuerwehrfest einen Stripper spielen werde. „Hoffentlich hat sie einen Fallschirm dabei“, kommentiert Schriftführer Johannes Schöninger (Johannes Scheuing) die Aussicht ironisch. Zwangsweise übernachtet Florian in der Feuerwehrstube auf einer bierkistengestützten Trage. Schlag Mitternacht geistert es und er bekommt einen Schlag auf den Kopf.

Vater mit blutendem Kopf

Am anderen Morgen verbindet Florians und Brigittes gemeinsame und einzige Tochter Eva Brandner (Nicole Bachner) zu Beginn des zweiten Akts dem Vater den blutenden Kopf. Als Florian vom nächtlichen Überfall berichtet, bleibt Evas Feststellung unwidersprochen: „Das Unglück kommt auf leisen Sohlen außer der Mutter, die kommt auf trampelnden Waden.“

Johannes balzt Eva an und bezieht von ihr für eine anzügliche Bemerkung eine Backenschelle. Es bleibt nicht die einzige. Bernhard erscheint ebenfalls mit Kopfverband. Seine Petronilla hat ihn mit dem Nudelholz bearbeitet, als er ihr beichtete, dass er sich beim Feuerwehrfest ausziehe. Er macht sich daran, seine Entkleidungsszene à la Chippendale zu proben, als des Priesters Anstandswächterin dazukommt und in den schrillsten Tönen „Sodom und Gomorra im Feuerwehrhaus!“ von sich gibt. Die Schuld an dem Sittenverfall schiebt sie Schöningers Johannes zu: Erst habe er allen Mädchen im Dorf den Kopf verdreht und jetzt seien auch noch die Kerle dran. Der Pfarrer lässt sich für das Mitmachen bei einem Gesangsvortrag der Feuerwehr gewinnen, weil ihm das Lied gefällt. Dieses entartet dank des bei jedem Wort um eine Silbe zu spät kommenden Stotterers zum grauslichen Gekrächze.

Im dritten Akt bekommt auch Johannes einen Kopfverband und die von ihm notorisch als Rehhaxe diskreditierte Pfarrköchin einen unfreiwilligen Rausch. Jetzt auch noch den Rest zu erzählen, wäre unfair gegenüber Theaterbesuchern, die sich das umwerfende Vergnügen erst anzutun gedenken. Sie werden es nicht bereuen, dafür ein paar Euro aufzubringen.

Ganz zum Schluss stellte Regisseuse Nicole Bachner die Mitschauspieler vor und übergab den Erlös von 600 Euro in Form eines Schecks an Fricka Mayer vom Ehinger Tafelladen für das „Café Life“ in der Oberschaffnei.

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