Aufstieg auf den Schelklinger Schlossberg lohnt sich

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Blick vom Schlossturm auf Schelklingen.
Blick vom Schlossturm auf Schelklingen. (Foto: sz- Elisabeth Sommer)

Der Aufstieg auf den Schlossberg lohnt sich. Jeden ersten Sonntag im Monat wird der Schlossturm über Schelklingen geöffnet, was dem Turmbesteiger einen erhabenen Rundumblick auf Schelklingen und Urspring ermöglicht. Seit bald 20 Jahren übernehmen Freiwillige aus dem Verein zur Pflege des Brauchtums – anfangs in Kooperation mit der inzwischen nicht mehr aktiven Schelklinger Albvereinsgruppe – die Öffnung und bieten Einheimischen und Auswärtigen ein besonderes Erlebnis.

Im 11. Jahrhundert nach Christus wurde die Burg vom Adelsgeschlecht der Herren von Schelklingen erbaut. Nach Aussterben dieses Adelsgeschlechts übernahmen die Grafen von Berg den Besitz. 1127 ist Schelklingen urkundlich erstmals erwähnt. 1234 erhielt Schelklingen das Stadtrecht. Die Herrschaft verlegte ihren Sitz und nannte sich ab 1242 dann auch Grafen von Schelklingen-Berg. Um 1265 wurde der Turm in seiner heutigen Form errichtet, dafür sprechen die in dieser Zeit üblichen Buckelquader und die frühgotische Form eines Fensterchens. Im Jahr 1343 übernahmen die österreichischen Habsburger die Herrschaft über Schelklingen, die bis zum Jahr 1806 währte. Sie verpfändeten aber wegen Geldmangels die Burg immer wieder. 1530 versuchte Pfandherr Konrad von Bemelberg den Verfall zu stoppen, scheiterte aber. Vermutlich wurden die Gebäude im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) bei den unzähligen Truppendurchmärschen endgültig zerstört. 1893 erwarb die Stadt mit dem Kauf von 1160 Morgen Wald das Burggelände. Heute zeugt noch der Burgfried von der Schelklinger Adelsgeschichte. Im Stadtmuseum gibt es ein Modell. Von einer noch älteren Burg am Schlossberg ist nichts mehr übrig.

Beim Aufstieg im Turm kann der Interessierte die spannenden, wechselhaften Geschichtsdetails in einer etwas dunklen Ecke nachlesen. Auf der Aussichtsplattform wird er zuerst von der Schelklinger Fahne begrüßt. Ist die Fahne gehisst und weiter unten am Schlossberg noch eine zusätzliche Fahne, dann sind das die Hinweise darauf, dass der Schlossturm geöffnet ist. Beim Rundumblick suchen die Schelklinger gerne ihr Wohnhaus und öffentliche Einrichtungen. Das Zementwerk, jetzt mit Baustelle und Riesenkran, gehört zum prägenden Bild des modernen Schelklingens. Ein Blick im Talkessel auf Urspring und auf die Sportplätze im Längental ist möglich.

Am vergangenen Sonntag taten der frühere Vereinsvorsitzende Eugen-Alexander Herrmann und sein Bruder Heinz Dienst. Und immer wieder mal ergeben sich äußerst interessante Gespräche mit Wanderern. So erinnerte ein Turmbesteiger, dass er einst mit einem Sponsor eine Ausflugsgastronomie am Schlossberg plante, was gleich am Gemeinderat scheiterte. Des Weges kam eine Tübinger Schriftstellerin, die die Herrschaft von Hohenschelklingen in ihrem nächsten Buch thematisieren möchte. Für die Einlasskontrolle besteht Bedarf an einem Plateau am Fuß des Turms, um eine Sitzgruppe aufstellen zu können. Diesen Wunsch äußerten die Vereinsmitglieder unlängst in der Hauptversammlung gegenüber dem Bürgermeister.

Geöffnet wird der Schlossturm bei gutem Wetter jeden ersten Sonntag bis einschließlich Oktober. Fahnen am Berg und Turm zeigen die Öffnung an. Der Einlass kostet einen Euro, Kinder bezahlen 50 Cent. Sonderführungen können beim Vereinsvorsitzenden Engelbert Heuschmid (07394/897) gebucht werden.

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