Auf den Spuren von Schelklingens Stadtgeschichte

Lesedauer: 8 Min
Elisabeth Sommer
Freie Mitarbeiterin

Das Biosphärenzentrum Hütten plant für 2019 wieder solch eine Stadtführung ins Jahresprogramm aufzunehmen. Der Schlüssel für die Kapelle St. Afra kann im Café „Vis à Vis“ gegen Ausweisvorlage ausgeliehen werden.

Schelklingen hat für einen Stadtrundgang sehr viel zu bieten. Das hat sich beim Rundgang mit Winfried Hanold gezeigt. Zweieinhalb Stunden lang informierte das bekannte Museumsgesellschaftsmitglied über interessante Details der Stadtgeschichte, aber damit ist noch lange nicht alles erwähnt. Genau 30 interessierte Bürger, vorwiegend aus Schelklingen selbst, gingen bei der Führung mit. Hanold widmete sich intensiv den Fresken in der St.-Afra-Kapelle und dann den Bauwerken am ehemaligen Verlauf der Schelklinger Stadtmauer. Zum Beispiel steht der Rennhof auf der Stadtmauer, was an der dicken Außenwand erkennbar ist. Das Gebäude liegt an der Einmündung des Riedwiesenweges in die Straße „Hinter dem Weiher“.

Die Stadtführung begann für die rund 30 Interessierten und Winfried Hanold am Bahnhof.
Die Stadtführung begann für die rund 30 Interessierten und Winfried Hanold am Bahnhof. (Foto: Sz-Fotos (3): Elisabeth Sommer)

Winfried Hanold kündigte einige Vorhaben an. Geplant ist eine Alemannen- und Keltenausstellung. Außerdem soll der Nepomuk nach Möglichkeit bald an die Achbrücke zurückkehren. Die Figur hat einiges erlebt, auch Stürze in den Bach, wenn polternde Traktoren mit Anhänger drüberfuhren. So kam Nepomuk zum Bauhof und dann ins Rathausfoyer, wo er von einer Venus in Bronze verdrängt wurde und nun im Museum auf seinen nächsten Standort wartet. Zwei Achläufe gab es bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Schelklingen, dann wurde der Kleinere zugeschüttet. Die Bahnhofstraße war, erinnerte Hanold, im 20. Jahrhundert schon wie heute eine wichtige Geschäftsstraße mit Betrieben, die inzwischen nicht mehr existieren: Café Bachner, Baufirma Götz, Tankstelle Seitz, Schuhhaus Roser, eine Drogerie und das Gasthaus „Linde“. Hier sind nun andere Gewerbe angesiedelt.

Pflastersteine zeigen Verlauf der Stadtmauer

Was mancher Schelklinger erst bei Hanolds Führung wahrnahm, ist die Tatsache, dass die groben Pflastersteine zwischen Rathaus und Altenpflegeheim „nicht dafür da sind, alte Leute mit Rollator zu ärgern“, wie der Stadtführer scherzte, sondern den Verlauf der Stadtmauer anzuzeigen. Das tut dann auch ein Markstein vor dem Eingang zum Pflegeheim. Darauf steht: „Stadtmauer am Vorderen Tor um 1300 erbaut. 1834, 35 abgebrochen. 1984 zur 750-Jahr-Feier dargestellt.“ In der Müllergasse wurden mit einem sogenannten Grubenhaus die ältesten Besiedlungsspuren der Stadt Schelklingen – natürlich abseits der Venus vom „Hohle Fels“ gemeint – gefunden, die aus der Latènezeit und damit dem fünften bis vierten Jahrhundert vor Christus stammen, informierte Hanold. In der Schlossgasse wurden alemannische Reihengräber gefunden. Der Stadtführer hat in den vergangenen Jahrzehnten oft Baustellen besucht und auch für die Fundsicherung gesorgt.

Winfried Hanold vor den Fresken in St. Afra.
Winfried Hanold vor den Fresken in St. Afra. (Foto: Elisabeth Sommer)

Hanold wies die Interessierten auf das frühere Waschhäuschen zwischen Ach und Achstraße hin, einen einstigen Diebsturm und auf das große Badehaus an der Ecke Achstraße/Färbergasse, was die Pfarrer aufregte, weil sich hier Männer und Frauen trafen. Bemerkenswert sind in Schelklingen „Ackerbürgerhäuschen“ neben Stadthäusern von Adligen, wie der erwähnte Rennhof der Renner von Allmendingen, der Schelklinger Sitz des Malefizschenks von Castell und das Bemelberger Schlössle, erbaut 1530, weil Konrad von Bemelberg Hohenschelklingen nicht retten konnte, erbaute er diese Alternative im Städtle. In die Gebäude der Adligen reiht sich auch das einstige „Rößle“ ein, das den Reus von Reusenstein gehörte.

Habsburger verpfändeten Schelklingen

Die Grafen von Schelklingen-Berg waren 1360 im Mannesstamm ausgestorben. Schelklingen gehörte dann den Habsburgern und zu Vorderösterreich mit Altdorf, Freiburg, Innsbruck und schließlich Wien als übergeordneten Gerichtsorten. Die Habsburger verpfändeten Schelklingen bis 1806 aus Geldmangel recht oft. Das Obere Tor (Blaubeurer Tor) befand sich an der heutigen Münsinger Straße/Ecke Stadtschreibereigasse, wo noch das Torwärterhäuschen steht. So hat Schelklingen viele Geschichten und viel Geschichte zu bieten. Ganz eigene Kapitel sind zum Beispiel die Häfnergeschichte und die Zementherstellungsgeschichte. Schelklingen exportierte früher auch mal Schnecken, berichtete Hanold.

Gestartet hatte Winfried Hanold den Stadtrundgang am Bahnhof, wo Claudia Reichel als Mitarbeiterin des Biosphäreninfozentrums die Gäste begrüßte. Zuerst führte Hanold die Teilnehmer zur St.-Afra-Kapelle zu den beeindruckenden und erschreckenden Inhalten der Fresken. „Die Fresken sind nichts für zarte Gemüter“, betonte Hanold. Es geht darin unter anderem um Diskriminierung von Juden und Folter an ersten Christen, auch an Afra, die vor ihrer Bekehrung in Augsburg „eine Dame mit vielen Männerbekanntschaften“ gewesen sein soll, wie Hanold etwas verblümt wissen ließ. Winfried Hanold wandelt, was die Schelklinger Stadtgeschichte anbelangt, auf den Spuren seiner direkten Vorväter. Seine Großväter und der Vater waren Lehrer, wie er dann auch. Hanolds Großvater mütterlicherseits, Josef Zoller, hat Beschreibungen der Fresken in St. Afra vorgenommen, die dessen Schwiegersohn Eugen Hanold im Nachlass fand und veröffentlichen lassen konnte. Dem Großvater sind in Schelklingen der Zollerplatz und die Zollerlinde gewidmet. Winfried Hanolds persönliche Vorliebe gilt den Naturwissenschaften und dabei der Geologie und Mineralogie.

Ältester Holzbalken stammt aus dem 13. Jahrhundert

An der Stelle der heutigen steinernen Kapelle soll zwischen 800 und 1000 eine Holzkapelle gestanden sein. Der älteste Holzbalken im heutigen Gebäude stammt aus dem 13. Jahrhundert. Eine Verknüpfung mit Augsburg bestand durch die Grafen von Schelklingen-Berg, die am Ort ihre Residenzstadt einrichteten. 1881 kamen bei einer Sanierung die Fresken zum Vorschein, die nur erhalten waren, weil es sich um Erdfarben und nicht um Pflanzenfarben handelt. Der Freskenzyklus muss um 1330 entstanden sein und beginnt mit der Darstellung der heiligen drei Könige. Fliesen aus Urspringer Produktion zieren den Fußboden. Die Fällung der Linden um das Kirchlein im Jahr 1971 führte zu Feuchtigkeit im Mauerwerk. Markant außerhalb der Kapelle ist das unterhalb des Firsts befestigte Holzkreuz mit schrägem Querbalken. Bei der Kapelle befinden sich die Statue „Die Trauernde“ und der Gedenkstein für den Stadtschultheißen Anton Fischer (1840-1906).

Das Biosphärenzentrum Hütten plant für 2019 wieder solch eine Stadtführung ins Jahresprogramm aufzunehmen. Der Schlüssel für die Kapelle St. Afra kann im Café „Vis à Vis“ gegen Ausweisvorlage ausgeliehen werden.

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