Rottenacker ist Vorzeigegemeinde

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Regierungspräsident Hermann Strampfer (rechts) schaut sich die Fischtreppe des Wasserkraftwerks in Rottenacker, anlässlich des I
Regierungspräsident Hermann Strampfer (rechts) schaut sich die Fischtreppe des Wasserkraftwerks in Rottenacker, anlässlich des I (Foto: Sz- eis)
Schwäbische Zeitung

Regierungspräsident Hermann Strampfer vom Regierungspräsidium Tübingen hat am Dienstag Rottenacker und vor allem das erweiterte Wasserkraftwerk der Familie Meyer besucht. Anlass dafür war der Internationale Tag der Donau.

„An diesem Tag soll auf die Eigenschaften der Donau aufmerksam gemacht werden“, sagt Strampfer zur Einführung. So sei der Fluss Energiespender, touristisches Ziel und Lebensraum zugleich. Der Internationale Donautag steht unter dem Motto „Aktiv werden für eine lebendige Donau“. „Dieses Motto wird mit dem Wasserkraftwerk in Rottenacker beispielhaft umgesetzt“, so der Regierungspräsident.

Die Donau bestimme schon immer das Leben Rottenackers, sagte Bürgermeister Karl Hauler – oft im positiven Sinne, aber manchmal auch im negativen. Die Gemeinde habe in den vergangenen Jahren allerdings einiges in Sachen Hochwasserschutz getan, damit nur noch selten diese schlechten Zeiten eintreten.

Insgesamt fünf Millionen Kilowattstunden Strom werden seit der Fertigstellung der neuen Turbine mit dem Wasserkraftwerk erzeugt. Hinzu kommen noch einmal zwei Millionen mithilfe von Photovoltaikanlagen der Gemeinde. „Rottenacker selbst verbraucht aber nicht mehr 3,5 Million Kilowattstunden“, erklärt Hauler. Den übrigen Strom könne die Gemeinde verkaufen. „Deshalb kann Rottenacker durchaus als Vorzeigegemeinde bezeichnet werden, was die regenerativen Energien betrifft“, so Strampfer.

Die Ertüchtigung des Wasserkraftwerkes war für die Eigentümer-Familie Meyer an bestimmte Auflagen geknüpft, so musste eine sogenannte Fischtreppe, also ein Nebenstrom neben dem eigentlichen Kraftwerk eingerichtet werden, der es Fischen ermöglicht, zu ihren angestammten Laichplätzen zurück zu schwimmen. „So können sich die Fische auch genetisch regenerieren, was wichtig für einen gesunden Bestand ist“, erklärt der Regierungspräsident.

Die Fischtreppe in Rottenacker sei vorbildlich. Zwar müsse es noch kleiner Änderungen geben, aber schon jetzt würden die ersten Fische die Treppe passieren. Sogar die seltenen Fische Huche und Streber seien schon wieder in diesem Bereich der Donau gesichtet worden.

Der obligatorische Fischpass stoße nicht bei allen Betreibern von Wasserkraftwerken auf Begeisterung. Schließlich fließen 1,5 Kubikmeter Wasser, die zusätzliche Energie erzeugen könnten und damit zusätzlichen Verdienst bringen würden an den Turbinen vorbei durch die Fischtreppe. Außerdem werde der Bau des Passes nicht mehr gefördert und die Betreiber müssen diesen auf eigene Kosten errichten. „Dafür erhalten Betreiber aber die EEG-Umlage“, so Andreas Stegmaier, Referatsleiter Landesbetrieb Gewässer.

„Die Firma Meyer hat die Vorgaben sogar übererfüllt“, lobt Hermann Strampfer. Der sogenannte Rechen, ein Quergitter, das Tiere und Unrat von der Turbine abhalten soll, hat in Rottenacker nur einen Durchlassbreite von zwei Zentimetern, die Mindestanforderung wären fünf. „Die schmaleren Schlitze gewährleisten, dass kleine Fische und vor allem die gefährdeten Aal nicht in die Turbine geraten können“, hebt Strampfer hervor.

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