Museumssaison in Rottenacker ist eröffnet

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Der Museums- und Heimatverein hat am Sonntag seine Saison im Museum Rottenacker eröffnet. Damit startete auch eine neue Sonderausstellung. Parallel dazu startete eine Gruppe von Motorradliebhabern an dem Tag eine Sternfahrt.

Ein Dutzend historische Maschinen trafen sich dafür vor dem Museum in Rottenacker. Eines der Motorräder wurde von Bürgermeister Karl Hauler gesteuert, eine BMW R25/3 von 1953. Ziel der Fahrt war der Ostermarkt in Emeringen.

Das Museum selbst gehört der Gemeinde, wird aber vom Museumsverein und seinen rund 70 Mitgliedern betrieben. Einige von ihnen bieten auch Führungen durch die vier Etagen des ehemaligen landwirtschaftlichen Gebäudes an, dem eine Schankwirtschaft und eine Scheune angeschlossen waren. Daher die Bezeichnung „Wirtleshaus“ für das Gebäude aus der Zeit des 30-jährigen Kriegs. Bruno Haaga präsentierte im ersten Raum das Thema bäuerliche Landwirtschaft, insbesondere historische Hausschlachtung.

Sonderausstellung

Hierzu wird ein Film gezeigt, der große Bildschirm ist neu. Neben Utensilien wie Fleischwolf, Prüfsiegel für Fleischbeschauer oder Abfüllgeräte für Hausmacher Leber- oder Blutwurst ist auch ein Schwein zu sehen, das in München nach der Methode von Professor Gunther von Hagen präpariert wurde. Nebenan ist ein Teil der Sonderausstellung „Bürger und ihre Hobbys“ untergebracht, wie historische Fahrräder, ein Motorrad oder ein Webstuhl. Hier entdeckt man ein Exemplar des Flickenteppichs, der als „Rottenacker Perser“ bekannt ist. Da im evangelischen Rottenacker landwirtschaftliche Grundstücke bei Erbvorgängen jeweils geteilt wurden, waren die Parzellen zu klein geworden, um ihre Eigentümer zu ernähren. So hat das Handwerk in Rottenacker eine lange Tradition.

Der Handel war erschwert, da Rottenacker innerhalb des vorderösterreichischen Gebiets lag, aber stets zu Württemberg gehörte. Das bäuerliche Leben ist auch in einem Wohnzimmer und einer Küche dargestellt, mit Schüttstein zum Entsorgen von Wasser nach draußen. Neu ist die Leseecke mit Büchern zum Ausleihen und Einstellen. Sichtbar ist die Bauweise der Decke aus Lehm und Kuhmist. Die Vorratshaltung wird im Keller gezeigt, Mostfässer oder Steinguttöpfe für die Lagerung von Eiern in Kalk.

Berühmte Persönlichkeiten

Im Geschichtszimmer findet sich ein Zeitstrahl von 1085, als Rottenacker erstmals urkundlich erwähnt wurde, bis 2000. Im Flur befinden sich Portraits berühmter Rottenacker Persönlichkeiten wie Konrad Sam, der die Thesen von Luther unterstützte, oder Gerhard Storz, dem in Rottenacker geborenen späteren Kultusminister von Baden-Württemberg. Franz Carl Hiemer arbeitete in Tübingen als Künstler im Umfeld von Hölderlin. Ein Raum ist dem Separatismus gewidmet, dem Rottenacker Auswanderungsströme zu verdanken hatte. Bruno Haaga wandelte mit Vereinsvorstand Hermann Huber und Stellvertreterin Inge Brucker 2017 in Zoar, Ohio, auf den Spuren jener Auswanderer, anlässlich des 200. Jahrestages der Atlantiküberquerung.

Im Donauzimmer trifft man unter anderem auf Robi, den ausgestopften Rottenacker Biber, und auf die Geschichte des Unglücks an der Donaubrücke von 1709. Die Sonderausstellung präsentiert zudem in einem großen Raum Fasnetsfiguren, Münzen oder Stickarbeiten.

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