Dirigent des MV Rottenacker verabschiedet sich mit fulminantem Konzert

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Benedict Waldmann (r.) führt in Rottenacker Peter Mundings Erfolgsgeschichte fort.
Benedict Waldmann (r.) führt in Rottenacker Peter Mundings Erfolgsgeschichte fort. (Foto: SZ- kurt efinger)
Kurt Efinger

Mit einem berauschenden Abschiedskonzert hat Peter Munding am Samstag seine Dirigententätigkeit beim Musikverein „Edelweiß" Rottenacker beendet. Mit der Ernennung zum Ehrendirigenten würdigte der Verein die Verdienste des Musikers, der die Musikkapelle innerhalb von fünf Jahren von der Mittelstufe zur Höchststufe geführt und seit 13 Jahren auf diesem Niveau gehalten hat.

In der Höchststufe „mit hervorragendem Erfolg teilgenommen“ zu haben wurde dem Musikverein Rottenacker seit 2006 alljährlich bei Wertungsspielen bescheinigt. Mit außergewöhnlicher Präzision meisterte das hoch motiviert und konzentriert musizierende Blasorchester auch seinen letzten Auftritt unter der Stabführung seines bisherigen Dirigenten. Nur vier Blasorchesterwerke hatte Peter Munding für sein Abschiedskonzert einstudiert, aber die hatten es in sich. Mit einer großartigen Leistung stellte er noch einmal sein überragendes Können unter Beweis. Stehend quittierte das von der betörenden Klangentfaltung überwältigte Publikum die fantastische Leistung am Ende mit tosendem Applaus. Mit Bürgermeister Karl Hauler war man überzeugt, einem ganz großen Ereignis in der Geschichte der Gemeinde beigewohnt zu haben.

Das Zusammenwirken der Kräfte aller Mitwirkenden ergab schon beim energiegeladenen Start mit „Synergy Rising“ von Ryan Nowlin eine geballte Kraftentfaltung. In einem mit einzelnen Tönen und akustischen Effekten wie Fingerschnippen und Klatschen sparsam ausgestatteten Mittelteil verdichtete sich die Spannung, um sich am Ende in einer Klangorgie zu entladen.

Mit dem rund 20 Minuten dauernden sinfonischen Gedicht für Blasorchester „El Arca de Noé“ gewann der 1981 geborene spanische Komponist Óscar Navarro González 2006 beim Concurso Internacional de Composición de Música para Banda „Adolfo Ventas" in der südostkatalonischen Stadt Amposta einen ersten Preis. Einen solchen verdient hätte sich auch Peter Munding mit der meisterhaften Wiedergabe der akustischen Ausmalung der biblischen Erzählung vom Überleben von Menschen und Tieren in einem vom Patriarchen Noah auf Gottes Geheiß gebauten schwimmfähigen Kasten. Mitten drin in der spannenden Geschichte von Bau, Beladung, anschwellender Flut, Sturm und sanftem Aufsetzen ist das Tröten von Elefanten zu vernehmen.

Eine himmlische Heldenreise in die griechischen Götterwelt illustrierte das mit Damenvokalise angereicherte dramatische Werk „Perseus“ vonn Satoshi Yagisawa. Die raumfüllende Schwingung eines lauten Gongschlags ging in die leise Weiterführung durch eine Tuba über. Am Ende strahlte eine heroische Coda.

Schlussakzent mit „The Ghost Ship“

Einen großartigen Schlussakzent zum Ende seiner erfolgreichen künstlerischen Arbeit mit dem von ihm geformten Orchester des Musikvereins Rottenacker setzte Peter Munding mit dem alle Nuancen des musikalischen Ausdrucks ausschöpfenden Konzertstück „The Ghost Ship“ von José Alberto Pina.

In dem im Auftrag des Gran Canaria Blasorchesters komponierten musikalischen Drama verarbeitete der 1984 geborene Spanier das Ende des im Januar 1994 am Strand Playa de Garcey an der Küste von Fuerteventura auf Grund gelaufenen Schiffs „Amercican Star“. Es befand sich auf Schleppfahrt nach Thailand, um dort als Hotelschiff verankert zu werden. Im Sturm rissen die Trossen, das Schiff strandete und zerbrach.

Bis 2007 gab das weithin sichtbare Wrack Anlass zu Spekulationen und animierte den Musiker José Alberto Pina zu einer fantasievollen Geschichte. Dissonanzenreiche Soundverdichtung und harmonische Fülle ergeben einen wuchtigen Effekt nach dem anderen. Das dringt durch das Gehör weit ins Bewusstsein ein und hinterlässt nach mehr als einer Viertelstunde einen imposanten Eindruck.

Dirigent kann Tränen nicht ganz verdrücken

Stehend applaudiert das Publikum vor allem dem seinen Dienst quittierenden Orchesterleiter. Dieser kann sich die Tränen der Rührung nicht ganz verdrücken und nimmt den Dank entgegen. Blumen für seine Frau und eine Ruhebank für das Ehepaar reichen nicht. Die Musiker singen laut von der Bühne: „Du bist ein klasse Typ, wir sagen Dankeschön, es war so wunderschön.“

Das Volk im Saal jubelt vor Begeisterung. So einen Abschied gibt es nicht gleich wieder. Die Ernennung zum Ehrendirigenten ist die logische Folge. Die Vereinsvorsitzenden Stefan von Sybel, Verena Huber und Alexander Schelkle übergeben die Urkunde und dazu ein großes Fotoalbum mit vielen Erinnerungen. Mit dem Marsch „Danubia“ von Julius Fucik als erster Zugabe geht die Ära Peter Munding zu Ende. Nach der schwungvollen Einleitung übergibt er den Taktstock seinem 21-jährigen Nachfolger Benedict Waldmann. Mit federndem Elan deutet dieser die Fortsetzung der Geschichte auf höchstem Niveau an.

Wer sich an das fröhliche Lächeln Peter Mundings bei seinem ersten Konzert erinnert, versteht den Erfolg des höchst talentierten Mannes, der von Musik weit mehr als eine Ahnung hat und dessen intuitives Erfassen harmonischer Schwingungszusammenhänge sich unmittelbar auf die ihm gegenüber sitzenden Musiker überträgt. Er lächelte auch bei seinem letzten Konzert.

Diesem voran ging die Eröffnung eines langen Blasmusikabends durch das von Vanessa Lehmann geleitete Vororchester mit 15 Nachwuchsmusikern. Mit „Star Wars“ und „Sun Calypso“ hatten sie ihren ersten Auftritt und genossen den Applaus. Fortgeschrittenes Können bewies das von Philipp Neher dirigierte leistungsfähige Jugendblasorchester bei der klangvollen Wiedergabe der an Richard Wagner erinnernden und die Oberstufe tangierenden Ouvertüre „Valhalla“ von James L. Hosay. Einen starken Einruck hinterließen die 40 Jungmusiker mit „All Glory Told“ von James Swearingen und einem Arrangement der Balllade „Perfect“ von Ed Sheeran als Zugabe.

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