Bohnacker: IG Metall bestätigt Insolvenz

Lesedauer: 4 Min
Schwäbische Zeitung

Die Rottenacker Firma „Rudolf Bohnacker Systeme GmbH“ hat gestern einen Insolvenzantrag gestellt. Dies bestätigte die IG Metall der Schwäbischen Zeitung. Betroffen von der Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens sind rund 220 Arbeiter am Standort in Rottenacker. Schon den Oktoberlohn hatte Bohnacker nicht ausbezahlt.

Von unserem Redakteur   Johannes Rauneker

Bohnacker-Geschäftsführer Walter Wilmking wollte sich gestern noch nicht zu der Insolvenz des Unternehmens äußern. Die bei der IG Metall für Bohnacker zuständige Betriebsbetreuerin bestätigte jedoch, dass ein solcher Antrag gestern beim Insolvenzgericht eingegangen sei. Rund 220 Arbeiter sind in Rottenacker bei dem Hersteller von hochwertigen Regalsystemen beschäftigt. Weltweit arbeiten für Bohnacker rund 500 Menschen (Stand 2009). Weitere Werke betreibt Bohnacker in Ungarn und in China.

„Wir sind informiert über die Sache“, sagte gestern Rottenackers Bürgermeister Karl Hauler. Bohnacker ist der größte Arbeitgeber der Gemeinde. „Das lässt einen nicht unberührt“, so der Bürgermeister weiter. Jetzt gehe es darum, eine Lösung für die betroffenen Familien und eine Art finanzielle Nothilfe zu finden. Denn schon den Oktoberlohn konnte das Unternehmen nach SZ-Informationen nicht auf die Konten seiner Mitarbeiter überweisen. Die Hoffnung ruht nun auf der Agentur für Arbeit, die den Arbeitern finanziell unter die Arme greifen soll.

Zu den Gründen der Insolvenz hielt sich das Unternehmen gestern bedeckt. Erst seit rund fünf Wochen ist Walter Wilmking alleiniger Geschäftsführer von Bohnacker, nachdem Günter Steudle den Betrieb verlassen hatte. Wer als Insolvenzverwalter eingesetzt wird, ist unklar.

Ein gesunder Betrieb

Die Ulmer Betriebsbetreuerin der IG Metall zeigte sich zuversichtlich, dass die Arbeitsplätze in Rottenacker erhalten werden können. Auch trotz der akuten Zahlungsunfähigkeit von Bohnacker sehe sie keinen drohenden Zusammenbruch der Firma. Die „Rudolf Bohnacker Systeme GmbH“ sei ein gesunder und profitabler Betrieb. Grundsätzlich sei eine Insolvenz nichts Schlimmes. Mit ihr nämlich bestehe die Chance, die Geschäfte der Firma neu zu ordnen.

In dieses Horn blies auch Bürgermeister Karl Hauler. „So schlimm eine Insolvenz ist: Sie kann auch eine Chance sein in eine noch bessere und stabilere Zukunft.“ Großes Lob zollte der Bürgermeister den Bohnacker-Beschäftigten, die in der Vergangenheit alles für den Betrieb getan, auf Lohn verzichtet und viele Überstunden abgeleistet hätten.

Versammlung am Donnerstag

Schon in den vergangenen Tagen stand die IG Metall mit der Firma und dem Bohnacker-Betriebsrat in Kontakt. Am kommenden Donnerstag soll die Insolvenz Thema bei einer Betriebsversammlung sein.

Zu schaffen machten dem Unternehmen in der Vergangenheit Firmen aus China, die die weltweit vertriebenen Produkte von Bohnacker kopierten. Die Weltwirtschaftskrise hat die Situation weiter verschärft. 2009 lag der Umsatz der Firma bei rund 60 Millionen Euro.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen