Besonderer Gottesdienst: Geistliche Impulse in der Abendsonne

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Auf der grünen Wiese vor der Kirche kamen die Gottesdienstbesucher zusammen.
Auf der grünen Wiese vor der Kirche kamen die Gottesdienstbesucher zusammen. (Foto: SZ- hog)

Einen Gottesdienst im Freien mit meditativen Stationen hat am frühen Dienstagabend die evangelische Kirchengemeinde Rottenacker auf den Weg gebracht. Der ökumenische Frauenkreis hat unter den Kastanien hinter der Wolfgangskirche 50 Stühle mit gehörigem Abstand aufgestellt, und alle Stühle waren besetzt. An vier unterschiedlichen Stationen haben die teilnehmenden Frauen meditative Impulse aufnehmen können.

Nach langer Zeit hat der ökumenische Frauenkreis erstmals wieder zu einem Treffen eingeladen. Die Organisatorinnen freuten sich über die vielen Besucherinnen und über etliche neue Gesichter. Auch wenn die Vorbereitungen angesichts der Corona geschuldeten Einschränkungen viele Hürden aufwiesen, so hat letztlich doch der Wunsch der Frauen nach Gemeinschaft einen Weg gefunden. Dieser führte sie zunächst unter die Kastanien hinter der Wolfgangskirche.

Griff zur Gitarre

Dort sagte Angelika Reusch: „Wir haben viel ausgehalten durch die Beschränkungen“, und bat Gott, er möge sie und die Teilnehmerinnen wieder neu erfüllen. Ihr Gebet begann mit den Worten „Geist des lebendigen Gottes berühre mich“. Sie griff dann zur Gitarre, und sang vom E-Piano von Ruth Seetaler begleitet „Gut, dass wir einander haben“.

„Gucken, Lesen, Zuhören, Schreiben“, so beschrieb sie die vier Stationen, die die Teilnehmerinnen in Kleingruppen besuchen konnten. „Unsere Predigt ist unsere eigene Wanderung von Station zu Station“, so Angelika Reusch. Vor der Leichenhalle waren Bilder von Schwester Maria Regina zu bewundern, deren Hobby die Naturfotografie ist. Dazu waren Bibelverse ausgedruckt, und auf fünf Stühlen waren die Worte „Licht“, „Ruhe“, „Weinen“, „Angst“ und „Gebet“ zu lesen. Die Kirche bot einen Raum der Stille und einen Platz zum Lesen, zum Beispiel für das „Minigebet für Zwischendurch“.

Hoffnung verschenkt

In der Abendsonne auf der grünen Wiese vor der Kirche wurde Hoffnung verschenkt, in Form von mit Bienenfutterpflanzen gefüllten Herzen, sogenannten Samenbomben in japanischer Tradition. Nebenbei erklang die Geschichte eines jungen Mannes, der im Traum einen Laden betrat. Hinter der Theke stand ein Engel. Auf die Frage des Mannes, was er verkaufe, antwortete dieser: „Alles was Sie wollen.“ Daraufhin bestellte der Kunde das Ende aller Kriege, die Beseitigung aller Elendsviertel, Essen für die Hungrigen, einen Impfstoff gegen Corona und vieles mehr. Der Engel unterbrach den jungen Mann und meinte: „Wir verkaufen hier keine Früchte, nur den Samen.“ Unter den Kastanien konnten die Frauen schließlich in Form von Zweigen ihre Sorgen in die Baumlücke und damit nach unten, also weit weg werfen, sprich Kümmernisse im Herzen loslassen.

Am Ende warfen die Frauen den Satz „Das wünsche ich sehr“ zwischen ihre Fürbitten. Den Friedensgruß gaben sich die Frauen aus der nötigen Distanz. Die dreiundsechzigjährige Gemeindereferentin Schwester Maria Regina verabschiedete sich aus der Runde, da sie Ende Juli nach 29 Jahren an eine neue Stelle nach Tübingen ins Wilhelmsstift wechselt.

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