Fall Amani wird im ZDF thematisiert - Erste Hinweise gehen bereits ein

Rudi Cerne (r.) im Gespräch mit Polizeihauptkommissar Frank Daiber von der Ulmer Kripo.
Rudi Cerne (r.) im Gespräch mit Polizeihauptkommissar Frank Daiber von der Ulmer Kripo. (Foto: Screenshot)
Redakteur

Spätestens seit vergangenen Mittwochabend kennt man Amani Aljaffal aus Rechtenstein in ganz Deutschland: Der Fall der am Morgen des 26. Juli 2021 verschwundenen 16-jährigen Schülerin ist in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ geschildert worden. Die Kripo Ulm erhofft sich durch den Beitrag neue und verwertbare Hinweise auf den möglichen Aufenthaltsort der aus Syrien stammenden Jugendlichen.

Diese Schuhe trug Amani am Tag ihres Verschwindens. Möglicherweise führt sie auch dieses Kindheitsfoto mit sich.
Diese Schuhe trug Amani am Tag ihres Verschwindens. Möglicherweise führt sie auch dieses Kindheitsfoto mit sich. (Foto: Fotos: Screenshot)

Inmitten einer Reihe von Filmbeiträgen über schreckliche, auch tödliche Verbrechen berichteten Moderator Rudi Cerne und Polizeihauptkommissar Frank Daiber von der Kripo Ulm über das besonders mysteriöse Verschwinden von Amani auf dem Schulweg in Ehingen.

„Ein rätselhafter Fall, der uns sehr betroffen macht“, sagte Cerne. Auf dessen Frage, was an besagtem Morgen auf dem etwa zwei Kilometer langen Fußweg zwischen Bahnhof und Magdalena-Neff-Schule passiert ist, antwortete Daiber: „Das wissen wir nicht. Es ist sowohl ein Verbrechen durch eine fremde Person möglich als auch durch jemanden, den sie kannte.“

Amani könnte abgepasst worden, aber auch verabredet gewesen sein. „Vielleicht wurde sie in einem Fahrzeug verschleppt, oder sie ist freiwillig mitgefahren. Es gibt auch keine Zeugen, die irgendwelche Hilferufe wahrgenommen hätten.“ Als einzige deutliche Spur dient der Rucksack des Mädchens, den eine Frau an einem Waldpfad zwischen Büchelesweg und der Straße Am Ramminger entdeckt hatte. Zuletzt gesehen wurde Amani gegen 7.20 Uhr in der Nähe der Straßen Am Ramminger und Weiherbachweg.

Spekulation wegen schwieriger familiärer Situation

Rudi Cerne sprach den Kommissar auch auf die „nicht einfache familiäre Situation“ des Mädchens an, das mit ihrer Mutter und sechs Geschwistern in Rechtenstein lebte. Der Vater sei laut Cerne nicht einverstanden gewesen „mit Amanis westlichem Lebensentwurf“ – sie wollte Abitur machen und danach Medizin studieren –, weshalb es zu Streit und auch gewalttätigen Übergriffen gekommen sei.

 Die 16-jährige Amani Aljaffal aus Rechtenstein
Die 16-jährige Amani Aljaffal aus Rechtenstein (Foto: Privat)

Der Vater habe deshalb ausziehen müssen und ein Annäherungsverbot erhalten. Innerhalb der Auseinandersetzungen sei auch von Zwangsverheiratung und einer Verbringung nach Syrien die Rede gewesen. „Könnte das etwas mit ihrem Verschwinden zu tun haben?“, fragte Cerne.

Wir geben die Hoffnung nicht auf, Amani finden und ihr helfen zu können.

Kommisar Rudi Cerne

„Diese Spur haben wir natürlich auch verfolgt“, antwortete Frank Daber. Aber es habe sich kein Tatverdacht gegenüber jemandem aus der Familie oder dem näheren Umfeld erhärtet. Es sei auch nicht auszuschließen, dass Amani selbst untertauchen wollte, „vielleicht mithilfe einer Person, die sie nicht wirklich kannte“ – allerdings seien all ihre Ausweispapiere zu Hause gelegen. „Wir geben die Hoffnung nicht auf, Amani finden und ihr helfen zu können“, so das Schlusswort des Kommissars.

Wichtige Gegenstände gezeigt

Dabei erhofft sich die Ermittlungsgruppe der Kripo Ulm natürlich auch Hinweise aufgrund der Sendung. Um den Zuschauern bei der Erinnerung zu helfen, wurde der Schulweg anhand einer Karte gezeigt, ebenso der gefundene Rucksack und die Schuhe, die das Mädchen trug. Auch ein ihr wichtiges Foto, das sie als Kind zeigt und das sie womöglich mit sich führt, wurde eingeblendet. Für Hinweise, die zur Aufklärung des Falls beitragen, habe die Staatsanwaltschaft eine Belohnung von 3000 Euro ausgesetzt.

Da der Fall in der Sendung relativ spät geschildert wurde, erfuhren die Zuschauer nichts mehr über möglicherweise vielversprechende Anrufe. Es gab neun Hinweise, erklärte die Ulmer Polizei am Donnerstag auf Nachfrage eher zurückhaltend. Es sei nicht viel Neues dabei, die Informationen müssten aber erst konkreter ausgewertet werden.

Das sagt die Bürgermeisterin

Rechtensteins Bürgermeisterin Romy Wurm, die die Familie gut kennt, schaute sich die Sendung am Mittwochabend ebenfalls an. Auch sie hat die zumindest kleine Hoffnung, dass der Beitrag bei der Aufklärung des Falls hilft, Amani vielleicht von einem Fernsehzuschauer, der sie irgendwo gesehen hat, wiedererkannt wird. „Das wäre schön.“

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