Einfall statt Unfall: So trotzt eine Öpfinger Zeitungsausträgerin der Glätte

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Probates Mittel gegen Glätte: Socken über den Schuhen.
Probates Mittel gegen Glätte: Socken über den Schuhen. (Foto: SZ- kou)
Sven Koukal

Wenn Karin Rapp auf den Straßen Öpfingens unterwegs ist, zeigt die Uhr am Arm 3 Uhr an. Das frühe Aufstehen aber ist nicht das Problem der Öpfingerin, die die Schwäbische Zeitung in die Häuser ihres Heimatdorfs bringt. In den vergangenen Tagen und bereits kurz vor Weihnachten waren es „sehr, sehr glatte Hofeinfahrten und Treppen“, erklärt sie. Kein Wunder, denn zu solch einer frühen Stunde liegen die allermeisten Bewohner noch in den Federn.

Tipp kommt aus der Verwandschaft

Selbst ist die Frau, dachte sich Karin Rapp deshalb und erinnerte sich nach einer jener anstrengenden Tour an einen Tipp, den sie mal von ihrer Schwägerin bekommen hatte: „Ziehe doch Socken über die Schuhe, das hat man früher schon gemacht.“ Und siehe da. „Das ist der beste Tipp, denn es funktioniert wunderbar“, sagt Rapp, nachdem sie es vor kurzem zum ersten Mal getestet hatte. „Ich weiß nicht mal mehr, ob es wirklich glatt ist – aber das macht für mich jetzt auch keinen Unterschied mehr.“

Selbst gute Wanderstiefel kämen an dieses Ergebnis nicht heran. Einen Vorteil haben die Socken über den Schuhe sogar gegenüber handelsüblichen Spikes, die spezielle Dornen an den Sohlen haben: „Socken klackern nicht und wecken so keine Hunde, die sonst laut bellen würden.“ Für Karin Rapp, die selbst drei Hunde besitzt, ist es wichtig, frühmorgens niemanden zu stören.

Schwager verfasst Gedicht

Die Socken, so hat sie es erprobt, müssten nicht über den ganzen Schuh reichen, die Spitze müsse bedeckt sein, das reiche aus. Vielleicht, so denkt sie laut nach, besorge sie sich bald auch Socken mit Noppen, die dem Rutschen besonders entgegenwirken. „Ich bin beruhigt, dass ich wieder sicher und ohne Angst nachts die Zeitung zustellen kann“, resümiert sie.

Die Geschichte machte schnell in der Familie und Verwandtschaft die Runde. Über seine Frau, Rapps Schwägerin, hat dann auch Roland Rothfuß davon erfahren. Eine gute Gelegenheit, eines seiner Gedichte zu schreiben. Schließlich dichtet der 69-Jährige aus Burgrieden seit über 40 Jahren, teils in Internetforen, teils für eigene Bücher, von denen er bereits mehrere veröffentlichte. „Eigentlich schreibe ich über die Natur, Hochzeiten oder Weihnachten. Aber die Geschichte von meiner Schwägerin hat mir dann doch besonders gut gefallen“, erklärt er. Lange nachdenken muss er nicht, ehe er folgendes Gedicht zu Papier brachte:

Ja, man kann heut' laut frohlocken,

in Öpfingen ging Frau nachts auf Socken,

auf eisigen Straßen schlich sie ganz leise

und blieb gesund auf diese Weise.

Vielleicht denkt heute jemand dran,

wie wundersam die Zeitung kam.

Notstand wäre bei Eisglätte,

wenn man diese Frau nicht hätte.

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